OP-Werkzeug: Einweg soll zurück in die Produktion

Einweg-Werkzeug aus dem OP besteht aus Edelstahl und hochwertigen Kunststoffen. Nach einer einzigen Operation landet es trotzdem im Ofen. Jetzt sammeln 16 Kliniken es für den Kreislauf.

Foto von <a href="https://unsplash.com/de/@dentistozkanguner?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditCopyText">Ozkan Guner</a> auf <a href="https://unsplash.com/de/fotos/eine-schublade-mit-einer-schere-und-anderen-medizinischen-hilfsmitteln-vUkwzGb1DuQ?utm_source=unsplash&utm_medium=referral&utm_content=creditCopyText">Unsplash</a>

Bereit für die nächste Operation: Auch Einweg-Werkzeug soll künftig nicht mehr im Ofen landen, sondern zurück in die Produktion. Foto: Ozkan Guner  

Seit Oktober sammeln 16 Kliniken in Deutschland ihre benutzten Einweginstrumente. Skalpelle, Pinzetten und Klemmen werden nicht mehr zusammen mit dem übrigen Klinikabfall verbrannt, sondern kommen in eigene Behälter. Diese werden von Remondis Medison, dem Spezialisten für medizinische Abfälle, abgeholt und in eine spezielle Anlage im sächsischen Zwönitz gebracht. Das Projekt wird erstmals von mehreren Herstellern gemeinsam finanziert: Zehn Medizinproduktehersteller, darunter B. Braun, Johnson & Johnson Medtech, Medtronic, Olympus und Paul Hartmann, tragen die Kosten. Beteiligt ist außerdem eine Einkaufsgemeinschaft der Kliniken. Die Leitung hat das Bonner Unternehmen Circularmed, das auf Abfallmanagement in Krankenhäusern spezialisiert ist.

Einweginstrumente bestehen aus Edelstahl und hochwertigen Kunststoffen, aufwendigere Geräte enthalten zusätzlich Elektronik und Akkus. Nach einer einzigen Operation sind sie bisher Abfall. Rund 8.000 Tonnen fallen nach gängiger Schätzung jedes Jahr in deutschen Kliniken an. Die Initiative „Der Weiße Punkt“, unter deren Dach das Projekt läuft, geht davon aus, dass bis zu 80 Prozent der nicht infektiösen Einwegabfälle aus Kliniken verbrannt werden.
Bereits im Jahr 2020 startete das Asklepios Klinikum Harburg gemeinsam mit dem Hersteller Ethicon ein Rücknahmesystem. Die OP-Teams desinfizierten die Instrumente nach dem Eingriff selbst und sammelten sie in verschlossenen Behältern. Laut der Klinik wurden die Metallteile vollständig recycelt, während die kleinen Kunststoffteile aus Hygienegründen weiter verbrannt wurden. Recycelt wurden bei diesem Pilotprojekt bisher nur Geräte von einem Hersteller, obwohl im OP Produkte vieler verschiedener Hersteller nebeneinander liegen. Deshalb setzt Circularmed-Projektleiterin Luise Billen auf einen gemeinsamen Ansatz statt auf Insellösungen einzelner Akteure. Das gemeinschaftliche Recycling solle „der neue normale Prozess in Deutschland werden“, sagt Daniel Unger, Nachhaltigkeitsmanager bei Ethicon.

In der Anlage in Zwönitz werden die Instrumente im Autoklaven dekontaminiert und anschließend in Metalle, Kunststoffe und Elektronik getrennt. Metalle und Kunststoffe gelangen als Rohstoffe zurück in die Produktion. Das Projekt ist als Lernvorhaben angelegt. Es soll klären, welche Materialien sich für ein hochwertiges Recycling eignen und ob sich das System auf weitere Kliniken und andere Abfallströme im Gesundheitswesen übertragen lässt.

Die Regeln für die Entsorgung von Klinikabfällen zielen vor allem auf Arbeits- und Infektionsschutz ab. Der Medizintechnikverband BVMed fordert deshalb eine Überarbeitung: Das Recycling hygienisch unbedenklicher Klinikabfälle soll ohne Sonder- oder Ausnahmegenehmigungen bundesweit möglich werden. Nach dem Vorschlag dürften Abfälle auch erst beim Entsorger dekontaminiert werden und nicht nur in der Klinik. Im Pilotprojekt übernimmt dies bereits die Anlage in Zwönitz. Im OP hat Einweg gute Gründe, allen voran die Sterilität. Aber auch Einmalprodukte dürfen in Deutschland unter strengen Auflagen aufbereitet und erneut eingesetzt werden. Einweg muss also nicht Verbrennung heißen: Was sich nicht aufbereiten lässt, kann als Metall und Kunststoff zurück in die Produktion gehen.

 

Quellen: