Speicher aus E-Scooter-Akkus: Alte Akkus, neue Generation

Akkus von E-Bikes und E-Scootern werden ausgemustert, wenn die Reichweite nachlässt. Ein Freiburger Start-up baut daraus Stromspeicher für Betriebe. Die Schwierigkeit: Kein Akku gleicht dem anderen.

Im Schrank stecken 112 ausgemusterte E-Scooter-Akkus. Ist ein Akku defekt oder verbraucht, kann er im  laufenden Betrieb ausgetauscht werden. Foto: © EDENenergy

Im Schrank stecken 112 ausgemusterte E-Scooter-Akkus. Ist ein Akku defekt oder verbraucht, kann er im  laufenden Betrieb ausgetauscht werden. Foto: © EDENenergy

Das Freiburger Start-up EDENenergy baut Stromspeicher für Betriebe. Und zwar aus gebrauchten Akkus von E-Scootern und E?Bikes. Mitte Oktober hat das Unternehmen den ersten Speicher an einen Kunden ausgeliefert: einen grauen Schrank, in dem 112 ausgemusterte E-Scooter-Akkus in Reihen übereinanderstecken. Zusammen speichern die Akkus 70 Kilowattstunden, was in etwa der Kapazität der Batterie eines Elektroautos entspricht. EDENenergy wendet sich zunächst an Betriebe in der Region, die über eine Solaranlage, aber bisher nicht über einen Speicher verfügen.

Im E-Bike und im E-Scooter zählt jeder Kilometer Reichweite. Lässt diese nach, wird der Akku oft ausgemustert, obwohl er noch lange funktionsfähig ist. Laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE werden in Deutschland jedes Jahr rund eine Million dieser Akkus ausgemustert. Die etwas geringere Kapazität pro Akku spielt im Speicherschrank hingegen keine Rolle. EDENenergy hatte mit 80 Prozent der ursprünglichen Kapazität gerechnet. Bei den ersten 350 getesteten Akkus waren es teils weit über 90 Prozent.
Das Problem liegt darin, dass sich diese Akkus stark in Bauform, Zelltyp und Steuerelektronik unterscheiden. Zudem sind gebrauchte Akkus unterschiedlich stark gealtert. Normalerweise müssen Akkus, die zusammengeschaltet werden, möglichst gleich sein. EDENenergy nutzt deshalb eine am Fraunhofer ISE entwickelte Leistungselektronik. Sie lädt und entlädt jeden Akku einzeln, je nachdem, wie stark er gealtert ist. Dazu tauscht sie mit der Steuerelektronik jedes Akkus Daten aus.

Jeder Akku wird vor dem Einbau geprüft und weiter überwacht. Der Schrank ist mit einer Brandmelde- und einer Löschanlage ausgestattet. Ist ein Akku verbraucht oder defekt, wird er ersetzt, ohne dass der Speicher abgeschaltet werden muss.
Für den Anfang werden nur Akkus eines Typs genutzt. Diese stammen von Firmen, die ganze Flotten von E-Scootern und E-Bikes betreiben. Dort fallen genügend Akkus desselben Typs an. Später sollen auch verschiedene Typen kombiniert werden. Dafür müssen Stecker, Steuerelektronik und Datenverbindung für jeden neuen Typ und das Zusammenspiel angepasst werden. „Gerade bei den E-Bikes gibt es eine große Bandbreite“, sagt Mitgründer Florian Bierwirth. E-Bike-Akkus machen zugleich den größten Teil der ausgemusterten Akkus aus.

Langfristig brauche es einheitliche Standards für den Datenaustausch mit Akkus sowie Gesetze für ihre Zweitnutzung, sagt Bierwirth. Einen Teil davon regelt bereits die EU-Batterieverordnung: Seit August 2024 müssen neue Akkus für E-Bikes und E-Scooter Daten zu ihrem Alterungszustand speichern. Das macht es künftig leichter, gebrauchte Akkus zu prüfen und weiterzuverwenden. Speicher aus gebrauchten Akkus werden damit zum Zukunftsmodell.

 

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