Plastik aus Getreideresten: Traceless-Fabrik in Hamburg

Aus Reststoffen der Getreideverarbeitung macht das Hamburger Unternehmen traceless ein Granulat, das sich wie herkömmlicher Kunststoff verarbeiten lässt und sich am Ende im Gartenkompost zersetzt

©Jonas Walter, traceless

Eröffnung der traceless-Fabrik in Hamburg: Gründerin und CEO Dr. Anne Lamp, Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank und Bundesumweltminister Carsten Schneider. Foto: © Jonas Walter, traceless

In einer ehemaligen Großbäckerei in Hamburg-Harburg wird Plastikersatz im Industriemaßstab produziert. Nach eigenen Angaben betreibt traceless damit die weltweit erste Industrieanlage für thermoplastische Naturpolymere.
Der Kern ist ein patentiertes Verfahren. Es löst die natürlichen Polymere aus den Pflanzenresten heraus, ohne ihre chemische Struktur zu verändern. Das Ergebnis lässt sich auf vorhandenen Maschinen der Kunststoffindustrie verarbeiten, sodass keine neuen Investitionen nötig sind. Die Anlage ist auf eine Jahreskapazität von rund 3.000 Tonnen ausgelegt.

Der entscheidende Unterschied zu bekannten Biokunststoffen wie PLA ist, dass diese nur in industriellen Kompostieranlagen zerfallen. Das traceless-Material hingegen ist heimkompostierbar. Es baut sich tatsächlich einfach in der Natur innerhalb weniger Wochen rückstandslos und ohne Mikroplastik ab. Es findet Verwendung dort, wo Kunststoff bisher nur eine kurze Lebensdauer hat und dann zu Abfall wird: bei Einwegbesteck, Verpackungsfolien, Papierbeschichtungen, etwa für Tiefkühlboxen, sowie in Klebstoffen.
Mehr als 20 Millionen Euro flossen in die Anlage, davon gut fünf Millionen aus dem Umweltinnovationsprogramm des Bundes. Bundesumweltminister Carsten Schneider eröffnete die Fabrik persönlich und hob hervor, dass das Biomaterial fossilen Kunststoff ersetze, CO2 und Wasser spare und die Abhängigkeit von Rohöl verringere. Bereits im Jahr 2023 hatte das Unternehmen in einer Finanzierungsrunde 36 Millionen Euro eingesammelt. Zu den ersten Großkunden zählen der Verpackungskonzern Mondi, der Versandhändler Otto und der Distributor Biesterfeld. Laut firmeneigener Ökobilanz spart der Werkstoff über den gesamten Lebensweg hinweg rund 91 Prozent CO2 gegenüber konventionellem Plastik ein.

Bis 2030 will Traceless die Kapazität auf 40.000 bis 60.000 Tonnen steigern, weitere Werke sind bereits in Planung. Inzwischen ist das Unternehmen auf rund 110 Beschäftigte gewachsen. Damit der Stoff mit fossilem Plastik konkurrieren kann, muss er preislich mithalten. Für die Skalierung ist zudem die Verfügbarkeit der Agrarreste ein womöglich limitierender Faktor. Und seinen eigentlichen Vorteil spielt das Material erst aus, wenn es am Ende kompostiert wird und nicht in der Verbrennung landet. Die Anlage in Harburg zeigt jedoch, dass ein biobasierter Kunststoffersatz industriell machbar ist.

 

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