Pilz statt Styropor: KI berechnet das Material

Verpackungen kennen meist nur eine Richtung: Sie werden aus Erdöl hergestellt, einmal benutzt und dann verbrannt oder auf Deponien entsorgt. Ein Pilz durchbricht diesen Kreislauf: Er wächst aus Reststoffen und kann nach der Nutzung wieder biologisch abgebaut werden. Der Preis gilt bislang als eine der größten Hürden.

© Fraunhofer IAP / Jadwiga GaltiesFlexible Myzelmaterialien in unterschiedlicher Dicke können als Polstermaterial, Dämmplatte oder Lederalternative verwendet werden.

Flexible Myzelmaterialien können als Polstermaterial, Dämmplatte oder Lederalternative verwendet werden. © Fraunhofer IAP / Jadwiga Galties

Bei herkömmlichen Verpackungen geht der Stoffkreislauf fast nur in eine Richtung: Sie werden aus Erdöl hergestellt, einmal benutzt und dann verbrannt oder vergraben. Ein Pilz hingegen kann kreislauffähiges Verpackungsmaterial produzieren. Er wächst aus Ernteresten und zerfällt wieder zu Erde. Hinter diesem Versprechen steht das Erlanger Start-up-Unternehmen Fungarium. Das Unternehmen lässt aus Pilzfäden und Feldresten einen Stoff mit neuen Eigenschaften wachsen.

Pilzfäden, das sogenannte Myzel, ernähren sich von Zellulose. Wenn man sie mit Reststoffen wie Stroh, Sägespänen oder Resten aus der Brauerei „füttert”, wachsen sie zu einem festen Block heran. Sie durchziehen das lose Material und verfilzen es zu einem festen Block. Dieser Vorgang findet in einer Form statt und dauert nur wenige Tage. Anschließend wird der Stoff getrocknet und gepresst. Danach ist er wasserfest und feuerfest.
Dieses Verfahren ist seit Jahren bekannt. Sein Haken war stets die Gleichmäßigkeit, da ein Naturprodukt je nach Pilzart, Substrat und Saison schwankt. Für die Industrie, die berechenbare Eigenschaften benötigt, war dies ein Ausschlusskriterium. Hier setzt das Fungarium an: Es hat einen Algorithmus entwickelt, der berechnen kann, welche Kombination aus regional verfügbaren Reststoffen und Pilzarten die gewünschten Eigenschaften bei gleichbleibender Qualität liefert. So lässt sich beispielsweise in Bayern mit Sägespänen dasselbe Ergebnis erzielen wie andernorts mit Reisschalen.

Auch das Fraunhofer-Institut arbeitet an solchen Myzel-Werkstoffen. Die vielen Verarbeitungsmöglichkeiten sind beeindruckend: Als Styropor-Ersatz, Dämmplatten, Akustikelemente, Möbel und sogar als Lederalternative lässt sich das Myzel einsetzen. Durch die Wahl der Pilzart und der Wachstumsbedingungen lässt es sich weich und biegsam oder hart und tragfähig einstellen. Und weist darauf hin, dass man die Methode auch im richtigen Kontext sehen muss. Für die Herstellung von klassischem Leder sind rund zwei Jahre Rinderzucht notwendig, während die Wachstumszeit von Myzel-Werkstoffen nur zwei bis drei Wochen beträgt.

Quellen: