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Start »Bibliothek»100 Prozent Grünstrom in jedem Fall billiger

100 Prozent Grünstrom in jedem Fall billiger

Veröffentlicht am14. Dezember 20127. Juli 2023Autorgh

Die amerikanische Quelle:
->Quelle: www.sciencedirect.com

Seiten: 1 2 3

KategorienBibliothek, News, Politik, WirtschaftSchlagworteErneuerbare Energien

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Verwandte Themen

  • Weniger China, mehr Pforzheim: Magnete aus Magneten

    China beschränkt den Export seltener Erden seit 2025. In Pforzheim ist Ende April eine der ersten kommerziellen EU-Anlagen in Betrieb gegangen, die Seltenerdmagnete aus Schrott zurückgewinnt – ohne neuen Bergbau Die Anlage gilt als wichtiger Meilenstein im europäischen Magnetrecycling. Betreiberin ist die HyProMag GmbH, eine Ausgründung der Universität Birmingham. In den industriellen Maßstab hat sie das Projekt gemeinsam mit dem Steinbeis-Europa-Zentrum und der Hochschule Pforzheim gebracht. Der Aufbau wurde vom EFRE-Fonds, dem Land Baden-Württemberg und UK Research and Innovation gefördert. Das Werk ist in das Horizon-Europe-Projekt REEsilience eingebettet, an dem 18 Partner aus mehreren EU-Staaten beteiligt sind. Ein baugleiches Schwesterwerk im britischen Tyseley Energy Park wurde im Januar 2026 eröffnet. Worum es geht, lässt sich in einer Stoffgruppe zusammenfassen: Neodym-Eisen-Bor, kurz NdFeB. Diese Permanentmagnete sind der Kern von Generatoren in Windturbinen und Antriebsmotoren in Elektroautos. Ohne sie gäbe es kein Magnetfeld, keinen Strom und keine Bewegung. China dominiert sowohl die Förderung seltener Erden als auch die Verarbeitung und Magnetfertigung; die EU ist bei Seltenerdmagneten stark abhängig von chinesischen Lieferungen. Obwohl Peking die Exportkontrollen verschärft ist Europa bei Magneten weiterhin stark von Importen aus China abhängig und produziert nur kleine Mengen selbst. In der Pforzheimer Halle stehen Reaktoren, in denen das HPMS-Verfahren (Hydrogen Processing of Magnet Scrap) abläuft. Darin werden alte Magnete aus geschredderten Festplatten, ausrangierten Antriebsmotoren oder demontierten Lautsprechern in einer Wasserstoffatmosphäre erhitzt. Der Wasserstoff dringt ein und die spröden Magnete zerfallen zu einem feinen, dunkelgrauen Pulver. Dieses Pulver lässt sich direkt zu neuen Magnetblöcken pressen, ohne dass die Legierung aufgeschmolzen oder neu zusammengesetzt werden muss. Das unterscheidet das Verfahren von klassischen Recyclingwegen, bei denen das Material meist zunächst in seine Bestandteile zerlegt werden muss. Patentiert wurde das HPMS-Verfahren an der Universität Birmingham. Laut HyProMag verursacht das Verfahren rund 90 Prozent weniger CO2 als die Herstellung von Magneten aus primären Rohstoffen. Die Anlage in Pforzheim startet 2026 mit einer Jahresproduktion von etwa 50 Tonnen, soll 2027 auf 350 Tonnen wachsen und ist für eine Jahresproduktion von 750 Tonnen genehmigt. Das ist viel für eine Pilot- und Anlaufphase, im europäischen Maßstab aber noch wenig. Der Critical Raw Materials Act der EU setzt bis 2030 höhere Zielwerte für Gewinnung, Verarbeitung und Recycling strategischer Rohstoffe. 10 Prozent sollen in der EU gefördert, 40 Prozent verarbeitet und 25 Prozent recycelt werden; außerdem soll höchstens 65 Prozent eines strategischen Rohstoffs aus einem einzelnen Drittland stammen. Die Pforzheimer Anlage zeigt, dass die Technologie funktioniert. Sie macht aber auch deutlich, wie abhängig wir noch sind und wie schmal die Basis ist, von der aus Europa seine Magnetversorgung aufbauen will. Quellen: Steinbeis-Europa: Recycling-Anlage für Seltenerdmagnete in Pforzheim eröffnet HyproMag Rare Earth Magnet Recycling: Offizielle Eröffnung der HyProMag GmbH in Pforzheim



  • Statusbericht Kreislaufwirtschaft 2026

    Vier Statusberichte, dieselbe Diagnose: Die Kreislaufwirtschaft scheitert nicht an der Technik. Sie scheitert an langen Genehmigungsdauern, einer schwachen Inlandsnachfrage und einer öffentlichen Beschaffung, die Recyclingmaterial systematisch übergeht. Zu diesem Fazit kommt der „Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft 2026“. Er wurde von Prognos im Auftrag von 15 Branchenverbänden erstellt und auf der Umweltmesse IFAT in München präsentiert. Eine Branche, die jährlich 400 Millionen Tonnen Abfall behandelt, 13.500 Anlagen betreibt und eine Bruttowertschöpfung von 60 Milliarden Euro erzeugt, wird politisch noch immer als nachgelagerter Umweltsektor verwaltet. Laut dem Bericht stoße die Kreislaufführung „heute weniger an technische als an wirtschaftliche und rechtliche Grenzen“. Übersetzt bedeutet dies: Die Anlagen stehen, das Wissen ist vorhanden und die Stoffströme sind sortiert. Was fehlt, sind Abnehmer und verlässliche Regeln. Der Bericht listet eine Reihe der Bremsen auf. Die Preise für Sekundärrohstoffe schwanken stark, die Energiekosten steigen und Genehmigungsverfahren ziehen sich in die Länge. Bei Kunststoff, Textilien und Glas bricht zusätzlich die Inlandsnachfrage weg, weil Hersteller billiger zu Neuware greifen. Öffentliche Auftraggeber, die per Vergabe gezielt Recyclingmaterial einkaufen könnten, nutzen ihren Spielraum nicht. Und Innovationen, etwa im Bereich des chemischen Recyclings oder der Batterierückgewinnung, kommen aus der Pilotphase nicht in den Regelbetrieb – sie scheitern oft am ersten kommerziellen Maßstab. Wie groß der ungenutzte Hebel ist, zeigt eine zeitgleich von BCG und BDI vorgelegte Studie. Demnach beträgt das Wertschöpfungspotenzial einer  Kreislaufwirtschaft bis 2045 880 Milliarden Euro, verteilt auf die Bereiche Mobilität, Maschinenbau, Bau, Energie und Textilien, die zusammen über 60 Prozent des deutschen Industrieoutputs ausmachen. Die Recycling-Branche selbst könnte sich von 60 auf 125 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Strategische Rohstoffimporte ließen sich um 20 bis 40 Prozent senken, bei Seltenen Erden um bis zu 20 Prozent und bei Batteriematerialien um bis zu 10 Prozent. Allein die Wiederverwendung gebrauchter Windkomponenten, Transformatoren und Batterien spart der Energiewende rechnerisch 40 Milliarden Euro. Damit verschiebt sich die Debatte. Recycling war einmal Müllpolitik. Heute geht es um Versorgungssicherheit. Wer Kupfer aus Altkabeln zurückgewinnt, einen ausgedienten Transformator wieder einsetzt oder Lithium aus Batterien gewinnt, ersetzt Importe aus politisch heiklen Regionen. Genau diesen Punkt benennt der bvse: „Die Branche ist bereit, Innovationen voranzutreiben und Verantwortung zu übernehmen. Dafür braucht sie verlässliche Rahmenbedingungen.“ Die passende Antwort der Politik wäre, die Kreislaufwirtschaft als das zu behandeln, was sie längst ist: eine Rohstoffinfrastruktur. Im Alltag der Branche ist davon jedoch wenig zu spüren. Sie bleibt, wie der Bericht ausdrücklich feststellt, „politisch vielfach weiter als nachgelagerter Umweltsektor wahrgenommen“. Quellen: prognos: Statusbericht der deutschen Kreislaufwirtschaft  Boston Consulting Group für den BDI:  Circular Economy Studie



  • Europa heizt sich doppelt so schnell auf wie der Rest der Welt

    50,5 Grad in der Türkei geknackt. Erstmals überhaupt erreichte eine Messstation in Europa die 50-Grad-Marke. Es war einer von vielen besorgniserregenden Rekorden, die der neue Copernicus-Bericht für 2025 dokumentiert. Der europäische Kontinent erwärmt sich mehr als doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Das ist die Aussage des „European State of the Climate 2025“, den der EU-Klimadienst Copernicus gemeinsam mit der Weltorganisation für Meteorologie am 28. April vorgelegt hat. Fast der gesamte Kontinent verzeichnete überdurchschnittliche Temperaturen und der Sommer brachte die zweitschwerste Hitzewelle seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Zahlen, die der Bericht zusammenträgt, zeigen eine  klar erkennbare Verschiebung. So kletterte das Thermometer im Südosten der Türkei auf 50,5 Grad – der erste je in Europa gemessene Wert oberhalb dieser Schwelle. Auch Zypern verzeichnete mit 44,7 Grad einen Rekord. Vom 7. bis zum 31. Juli, also 25 Tage am Stück, standen weite Teile Europas unter einer Hitzeglocke. Noch bemerkenswerter ist, dass es in Norwegen, Schweden und Finnland 21 aufeinanderfolgende Tage mit Temperaturen über 30 Grad gab – und das so weit nördlich innerhalb des Polarkreises. Auch die Meere reagieren. Die Oberflächentemperatur der europäischen Meere erreichte zum vierten Jahr in Folge einen neuen Höchstwert. 86 Prozent der europäischen Meeresregionen erlebten im Jahr 2025 marine Hitzewellen, mehr als ein Drittel davon in der Kategorie „schwer” oder „extrem”, der höchste je gemessene Anteil. Im Mittelmeer wurde an jedem einzelnen Tag des Jahres eine Hitzewelle registriert. Drei Jahre in Folge war also die Temperatur wärmer als sonst. Was  Anomalie war, ist nun Normalzustand. Auf den Landflächen kippt der Wasserhaushalt in beide Richtungen. 70 Prozent der europäischen Flüsse führten weniger Wasser als im Mittel und im Mai galt mehr als die Hälfte des Kontinents als von Dürre betroffen. Gleichzeitig brannte Europa: Über eine Million Hektar verbrannten im Jahr 2025, was einen neuen Rekord darstellt. Die Brände in Spanien waren für rund die Hälfte der Brandemissionen verantwortlich. Im Norden schmolz der grönländische Eisschild um 139 Gigatonnen und die Gletscher Islands verzeichneten den zweitgrößten Massenverlust seit Beginn der Aufzeichnungen. Nicht nur Negativ-Rekorde sind für 2025 festgehalten. Erneuerbare Energien deckten im Jahr 2025 erstmals 46,4 Prozent des EU-Stromverbrauchs; Solarenergie steuerte mit 12,5 Prozent einen Rekordanteil bei. Die EU-Treibhausgasemissionen sanken zwischen 2023 und 2024 um 2,5 Prozent. Diese Zahlen sind real. Sie sind jedoch nicht groß genug, um die physikalische Trägheit eines bereits eingespeicherten Wärmeüberschusses umzukehren. Hier setzt die offene Frage des Berichts an: Anpassung, Hitzeschutz für Städte, Wassermanagement, Brandprävention sind keine Ergänzung zur Dekarbonisierung mehr, sondern eine eigene politische Aufgabe. Die Erwärmung des Kontinents folgt einer rasanten Dynamik, die sich immer schwerer bremsen lassen wird. Quelle: Copernicus (C3S/ECMWF and WMO): European State of the Climate (ESOTC) 2025 report Europäische Kommission: Europe’s warming accelerates beyond global trend



  • Sort4cycle: 41.000 Tonnen Plastik, die nicht mehr verbrannt werden sollen

    Was aus der gelben Tonne kommt, wird sortiert. Was beim Sortieren übrigbleibt, wird verbrannt. Drei Unternehmen in Ennshafen wollen das Ende dieser Kette verschieben. Das Problem, das die Anlage adressiert, ist altbekannt und hartnäckig. Wenn in Österreich oder Deutschland eine gelbe Tonne geleert wird, durchläuft der Inhalt zunächst eine Sortieranlage. Folien, Becher, Flaschen und Tuben werden mithilfe von Infrarotsensoren und Druckluftdüsen in verschiedene Fraktionen getrennt. Was sauber genug ist und sich mengenmäßig lohnt, wird mechanisch recycelt. Der Rest – Verpackungen, mehrlagige Folien, verschmutzte oder dunkle Kunststoffe sowie kleinteilige Reste – wandert bisher fast vollständig in die thermische Verwertung. Er wird verbrannt. Sort4cycle versucht, mehr von dem Materialstrom aus der gelben Tonne zu recyceln. Die Investition liegt bei über 40 Millionen Euro. Der Prozess kombiniert zwei Stufen. Zunächst erfolgt eine KI-gestützte Nachsortierung, das sogenannte Advanced-Scale-Post-Sorting. Sie erkennt auch komplexe Verbunde und holt heraus, was sich noch mechanisch recyceln lässt. Die Sortierreste, die übrig bleiben, gehen in den UPCYCLE-Prozess, ein patentiertes Verfahren. Er bereitet die gemischten Reste so auf, dass sie als Rohstoff für das chemische Recycling taugen. Dabei werden Kunststoffe in ihre molekularen Bausteine zerlegt und neu aufgebaut. Das Ziel sind Polyolefin-Fraktionen, die hochwertig genug sind, um wieder mit Lebensmitteln in Kontakt zu kommen, also Joghurtbecher, Folien und Verpackungen, die bislang fast ausschließlich aus Neuware bestanden. Damit verschiebt sich die Grenze. Material, das bisher nur einen einzigen Lebenszyklus hatte und am Ende als CO2 aus dem Schornstein kam, erhält einen zweiten Lebenszyklus. Die EU schreibt bis 2030 eine Recyclingquote von 55 Prozent für Kunststoffverpackungen vor. Diese eine Anlage läuft erst 2027 an; bis dahin wandern jährlich weiterhin Hunderttausende Tonnen vergleichbaren Materials in die Verbrennungsöfen. Laut Branchenschätzungen fehlen in der EU bis 2030 3,5 Millionen Tonnen hochwertiger Kunststoff-Rezyklate, um die gesetzlichen Quoten zu erfüllen. Eine Anlage mit einer Jahreskapazität von 41 000 Tonnen deckt davon rund ein Prozent ab – grob gerechnet bräuchte Europa 85 Standorte dieser Größenordnung, was eine Investitionssumme von über 40 Millionen Euro pro Standort erfordern würde. Doch die Realisierung der europäischen Quote wird eine Herausforderung. Quelle: Altstoff Recycling Austria: Spatenstich für Sort4cycle: ARA, Bernegger und Der Grüne Punkt setzen neuen Maßstab für Europas Kreislaufwirtschaft



  • Offener Brief an Berlin: Rezyklate gehören ins Produkt

    Am 6. Mai wird die Bundesregierung ihr Aktionsprogramm Kreislaufwirtschaft vorlegen. Deutschland sammelt Kunststoff wie nie zuvor – und trotzdem schließen aktuell Recyclinganlagen in einem Tempo, das die Branche so bisher nicht kannte. Ein offener Brief und ein Branchenbündnis fordern von der Bundesregierung, was die Politik bisher gemieden hat: Wer produziert, muss Rezyklate abnehmen – gesetzlich. Das Paradoxon der Branche lässt sich in einem Satz beschreiben. Deutschland sammelt und sortiert Kunststoff so gründlich wie kaum ein anderes Land – und schließt gleichzeitig die Anlagen, die daraus neuen Rohstoff machen. Bis Ende 2025 sind knapp eine Million Tonnen Verarbeitungskapazität verschwunden, die Zahl der Werksschließungen hat sich binnen eines Jahres verdoppelt und für 2025 wird eine Verdreifachung erwartet. Der Grund ist banal: Rohöl ist vergleichsweise billig. Neuer Kunststoff ist günstiger als Rezyklat. Importe aus Ländern ohne vergleichbare Umwelt- und Sozialstandards unterbieten die heimische Produktion zusätzlich, während die Energiepreise diese verteuern. Wer in Europa hochwertiges Rezyklat anbietet, kann gegen einen Markt, der ökologische Kosten nicht einpreist, nicht bestehen. Innerhalb weniger Wochen haben sich zwei industrielle Hilferufe überlagert. Ende März schrieben Unternehmen und Verbände aus den Bereichen Verpackung, Entsorgung und Handel einen offenen Brief an Kanzler Merz, Wirtschaftsministerin Reiche und Umweltminister Schneider. Ihre Warnung: Das Kunststoffrecycling in Europa stehe vor dem Aus. Vier Wochen später meldete sich ein breites Branchenbündnis aus Chemie-, Kunststoff- und Recyclingindustrie mit einer konkreten Forderung an das Aktionsprogramm Kreislaufwirtschaft zu Wort, das die Bundesregierung am 6. Mai beschließen will. Beide Vorstöße zielen auf dieselbe Stelle: den Markt, auf dem recyceltes Plastik keinen Abnehmer mehr findet. Der offene Brief der Unterzeichner – darunter das Verpackungsinstitut dvi, Remondis, Der Grüne Punkt, Werner & Mertz, Constantia Flexibles und Rossmann – fordert daher eine wirtschaftliche Entlastung in Form einer reduzierten Mehrwertsteuer auf Rezyklate, faire Bedingungen gegenüber Importen und niedrigere Energiekosten. Die tiefer liegende Frage ist, wer das Material wirtschaftlich abnehmen kann. Hier setzt das Branchenbündnis um den Entsorgerverband BDE an. Es verlangt, was in der Branche seit Jahren diskutiert wird: verbindliche Rezyklateinsatzquoten. Hersteller sollen in neuen Produkten einen Mindestanteil an Recyclingmaterial zu verarbeiten. Ein solches Modell existiert bereits. Seit 2025 müssen PET-Getränkeflaschen in der EU einen Rezyklatanteil von 25 Prozent enthalten – und tatsächlich haben sich für diesen Materialstrom stabile Preise und eine funktionierende Nachfrage entwickelt. Was bei PET funktioniert, könnte auch für andere Kunststoffe den Markt sortieren. Der gemeinsame Nenner beider Initiativen ist eine Einsicht, die in der deutschen Abfallpolitik lange vernachlässigt wurde: Kreislaufwirtschaft scheitert nicht am Sammeln, sondern am Abnehmen. Solange Sekundärrohstoffe teurer sind als fossile Rohstoffe und niemand sie verwenden muss, bleibt der Markt fragil – egal, wie gut die gelbe Tonne funktioniert. Am 6. Mai wird sich zeigen, ob die Bundesregierung dieses Problem angeht. Quellen: BDE: Industrie-Allianz fordert schnelles Handeln BDE: Zirkularität als „neues Normal“ dvi: Offener Brief an Bundeskanzler, Wirtschaftsministerin und Umweltminister zur Rettung des Kunststoffrecyclings in Europa



  • Fraunhofer ersetzt Mikroplastik-Dünger durch Hanf

    Hanfschäben gelten als Abfall. Das holzige Mark der Stängel fällt massenhaft bei der Fasergewinnung an und findet kaum Abnehmer. Das Fraunhofer IGB nutzt genau dieses Material für einen Langzeitdünger ohne Mikroplastik und schließt damit gleich zwei Kreislaufprobleme auf einmal. Viele Langzeitdünger stecken in einer Plastikhülle. Das ist kein Konstruktionsfehler, sondern Absicht: Die Polymer-Schale gibt die Nährstoffe über Monate heraus und hinterlässt am Ende Kunststoffreste im Boden. Mikroplastik, das sich im Acker anreichert, auf dem unsere Lebensmittel wachsen. Das Team am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik setzt sich mit dieser Problematik auseinander. Unter der Leitung der Chemikerin Melanie Iwanow arbeiten Michael Richter und Steffen Roth mit einem Material, das bislang als Reststoff gilt: Hanfschäben, das holzige Innere des Hanfstängels. Wer Fasern aus Hanf gewinnt, hat sie als Abfallprodukt übrig. Sie sehen aus wie grobe Holzspäne und besitzen eine für die Landwirtschaft wertvolle Eigenschaft: Sie können das Vierfache ihres Gewichts an Wasser aufnehmen. Unter dem Mikroskop zeigt sich der Grund dafür: Das Mark ist von winzigen Kanälen durchzogen, eine Art pflanzlicher Schwamm. Diese Kanäle füllt das Team mit Nährstoffen. Die Forscher mischen verschiedene Stoffe: zwei natürliche Feststoffe, die sich zu einem Lösungsmittel verbinden, das ohne Erdöl-Synthese und Plastik auskommt. In den Hanfschäben wirkt die Mischung wie ein Speicher mit vielen kleinen Fächern. Die Nährstoffe werden nach und nach an die Pflanzenwurzeln abgegeben. Sind die Fächer leer, bleiben die Poren als Feuchtigkeitsspeicher zurück. Mit ihrer Eigenschaft als Schwamm hat das den positiven Nebeneffekt, gegen Trockenheit zu helfen. Im Laufe der Zeit zerfällt das Material vollständig zu Humus. Es bleiben keine Reste, keine Schalen und kein Mikroplastik zurück. Iwanow nennt dieses Prinzip „HanAkku“ und es gibt es in drei Varianten: eine für Dünger, eine für die Speicherung von Wasser und Wärme und eine für die Pflanzenanzucht. Im Labor sind bereits die ersten Paprika-Setzlinge auf dem neuen Substrat herangewachsen. „Wir optimieren gerade die finale Formel“, sagt Iwanow. Weltweit gelangt Mikroplastik in Böden, auf denen Langzeitdünger eingesetzt wird. Eine Lösung, die ohne Kunststoff auskommt, den Boden verbessert und als Rohstoff ein Nebenprodukt nutzt, gehört nicht ins Regal eines Forschungsinstituts, sondern muss in die Umsetzung gebracht werden. Auf der Hannover Messe präsentiert das Team aktuell ihre Laborergebnisse. Für die Böden weltweit wäre es höchste Zeit. Quelle: Fraunhofer IGB: Maßgeschneidert düngen Fraunhofer IGB: HanAkku – Tailor-made hemp-based storage material for modern energy, water and agriculture-based economy Fraunhofer auf der HM26



  • Circularity Gap Report 2026: 25,4 Billionen Euro verloren

    25,4 Billionen Euro Wertverlust pro Jahr. Die Linearwirtschaft kostet uns 31 Prozent des Welt-BIP. Laut Deloitte Netherlands und Circular Economy ist das kein Betriebsunfall, sondern ihr Funktionsprinzip. Der Report unterteilt den Verlust in fünf Kategorien. Den mit Abstand größten Anteil hat der Abfall am Ende der Nutzungsphase: Jährlich verschwinden 10 Billionen Euro, weil Produkte weggeworfen werden, obwohl sie noch nutzbar wären – das Smartphone im Schreibtischfach, die Waschmaschine mit dem teuren Lagerschaden oder das Bürogebäude, das abgerissen statt umgebaut wird. Fast ebenso hoch ist der Energieposten mit 8,7 Billionen Euro: Verbrennung, schlechte Dämmung und ineffiziente Anlagen sind die Ursachen. Den Rest teilen sich ungenutztes Anlagevermögen – wie halbleere Büros und parkende Fahrzeuge –, Produktionsverluste und Lebensmittelverschwendung. „Der größte Teil dieses Wertverlusts ist nicht marginal oder zufällig, sondern strukturell und systemisch“, sagt Álvaro Conde, Leitautor des Reports. Ineffizienzen lassen sich durch optimierte Prozesse beheben, beispielsweise durch den Einsatz neuer Maschinen, eine optimierte Logistik oder zusätzliche Kontrollschritte. Strukturelle Verluste entstehen hingegen, weil das gesamte Wirtschaftssystem auf Einwegnutzung ausgelegt ist: auf kurze Produktlebenszyklen, lineare Lieferketten, fossile Energieträger und eine Infrastruktur, die Reparatur und Wiederverwendung nicht berücksichtigt. Wer diese Verluste einsparen will, muss nicht einzelne Branchen optimieren, sondern die Grundregeln ändern. Circle Economy plädiert deshalb nicht für punktuelle Innovationen, sondern für koordinierte Eingriffe entlang ganzer Wertschöpfungsketten. Produkte müssen so gestaltet sein, dass sie sich reparieren und wiederverwenden lassen – Beschaffungsregeln und Steuerpolitik sollen diesen Weg belohnen statt behindern. Deloitte verweist auf eine weitere Blockade: Finanzmärkte stufen Kreislaufgeschäftsmodelle als riskant ein, obwohl sie bei stabiler Rohstofflage verlässlichere Erträge liefern können als extraktive Modelle. Der EU-Aktionsplan zur Kreislaufwirtschaft und der ab 2027 schrittweise verpflichtende Digitale Produktpass gehen in diese Richtung, greifen aber nur einen Bruchteil der im Report identifizierten Hebel auf. Ambitioniertere Instrumente wie eine EU-weite Materialsteuer oder verbindliche Zirkularitätsquoten für Anlagevermögen stehen bisher nicht auf der Agenda. Die Zahlen sind zwar beeindruckend, aber nicht ohne Vorbehalt. So wurden Dienstleistungen, die den Großteil moderner Volkswirtschaften ausmachen, nicht erfasst. Auch die Kosten einer Umstellung – Investitionen, Umbauaufwand, politische Reibungsverluste – bleiben außen vor. Doch die 25,4 Billionen Euro zeigen das Potenzial, nicht den Nettogewinn einer Umstellung. Die Größenordnung bleibt bemerkenswert: Selbst eine konservative Schätzung ohne Dienstleistungen kommt auf ein Drittel des Welt-BIP. Damit ist die Kreislaufwirtschaft keine Nischenfrage, sondern die Frage, wie moderne Wirtschaften funktionieren sollen.   Quelle: Circle Economy / Deloitte Netherlands: „Circularity Gap Report 2026 — The Value Gap“  



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