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Start »Bibliothek»100 Prozent Grünstrom in jedem Fall billiger

100 Prozent Grünstrom in jedem Fall billiger

Veröffentlicht am14. Dezember 20127. Juli 2023Autorgh

Die amerikanische Quelle:
->Quelle: www.sciencedirect.com

Seiten: 1 2 3

KategorienBibliothek, News, Politik, WirtschaftSchlagworteErneuerbare Energien

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  • Roboter reparieren Hausgeräte: Repartly gegen E-Schrott

    Wenn in der Waschmaschine die Elektronik streikt, wandert oft das ganze Gerät in den Schrott. Dabei ist meist nur eine Platine defekt. Ein Unternehmen aus Rietberg repariert sie nun mithilfe von Robotern. Repartly repariert die Leiterplatte, auch wenn nur ein kleines Bauteil defekt ist. Anstatt die gesamte Platine auszutauschen, werden gezielt die defekten Stellen ersetzt, etwa bei einem durchgebrannten Kondensator. Das nennt sich „Reparatur als Dienstleistung”. Fachhändler, Hersteller oder Endkunden schicken die defekte Baugruppe ein. Repartly setzt sie instand und schickt sie zurück. Der Einbau erfolgt dann wieder vor Ort. Bislang lief das von Hand: Eine Leiterplatte aufzuarbeiten dauert im Schnitt rund 20 Minuten. Neu ist, dass drei kollaborative Roboter des Herstellers ABB dabei helfen. Sie halbieren diese Zeit und sollen den Vorgang skalierbar machen. Noch läuft der Einsatz aber im Prototypbetrieb. Auf der IFA in Berlin führte das Unternehmen Anfang September einen solchen Roboter bei der Live-Reparatur vor. Instand gesetzt werden Waschmaschinen, Trockner und Geschirrspüler von Miele, Bosch, Siemens und AEG. Hinter Repartly stehen drei ehemalige Miele-Mitarbeiter, darunter Geschäftsführer Lennart Osthoff. Sie gründeten das Unternehmen im Jahr 2021, wenige hundert Meter vom früheren Arbeitgeber entfernt. Seither haben sie nach eigenen Angaben über 30.000 Markengeräte wieder instand gesetzt. Eine Umfrage, die Repartly beim Institut YouGov in Auftrag gab (rund 2000 Befragte, Mai 2026), zeigt, dass es nicht am Reparaturwillen fehlt. Vier von fünf Deutschen haben schon einmal selbst repariert oder es versucht, doch fast drei Viertel sind dabei gescheitert. In den meisten Fällen aufgrund zu hoher Kosten. Reparaturen lohnen sich nur, wenn sie schnell und bezahlbar sind. Wird die Platine repariert, statt das Gerät zu ersetzen, bleibt der weitaus größte Teil des verbauten Metalls, Kunststoffs und der Elektronik im Umlauf. Rückenwind kommt vom Gesetzgeber: Seit Juli gilt in Deutschland das Recht auf Reparatur, das Hersteller unter anderem zu Ersatzteilen zu angemessenen Preisen verpflichtet. Die Umfrage zeigt jedoch, dass nur wenige von diesem Recht wissen: 46 Prozent der Befragten kennen diesen Anspruch gar nicht. Ein Recht auf Reparatur nützt jedoch wenig, wenn keine Werkstatt diese günstig genug anbietet. „Den Preiskampf werden weder Fachhändler noch europäische Premium-Hersteller gewinnen“, sagt Osthoff. Sein Ansatz ist deshalb nicht der billigere Preis, sondern die Reparatur als Service. Der Roboter soll das möglich machen, indem er die Kosten je Platine senkt. Noch ist das kein Massenverfahren, der Roboter-Einsatz bleibt vorerst ein Prototyp. Es wird daran gearbeitet, das Reparieren zu einer echten Alternative zum Neugerät zu machen. Quellen: Repartly: Reparatur-Report 2026  ABB: GoFa cobots drive Repartly’s mission to refurbish electronic appliances for a sustainable future Repartly: Repartly für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2026 nominiert  



  • CO2 in Zement binden: Start-up Co-reactive füllt die Lücke

    Ein Start-up bindet CO2 in Pulverform und ersetzt damit klimaschädlichen Zement. In NRW läuft die erste Anlage. Um die Emissionen zu senken, mischt die Zementindustrie seit Jahrzehnten Flugasche und Hüttensand unter den Zement und ersetzt damit einen Teil des klimaschädlichen Klinkers. Doch beide Stoffe sind Beiprodukte von gestern. Flugasche fällt in Kohlekraftwerken an, Hüttensand im Hochofen. Mit dem Kohleausstieg und der Umstellung der Stahlwerke auf Elektroöfen versiegen diese Quellen. Ein Start-up aus Erkrath nutzt nun genau das, was die Branche loswerden will, um den Ersatzstoff herzustellen: CO2 Co-reactive, 2024 aus der RWTH Aachen ausgegründet, betreibt seit Juli 2026 eine Demonstrationsanlage. Das Verfahren ist eine Art beschleunigte Verwitterung. Dazu werden fein gemahlenes Olivin, ein weitverbreitetes Mineral, und Reststoffe aus der Stahlproduktion in Wasser gemischt und in einen Reaktor unter hohem Druck und hoher Temperatur geleitet. Dort reagiert das eingespeiste CO2 mit den Mineralien zu einem festen Stoff. Was übrig bleibt, wird gefiltert, getrocknet und zu einem feinen Pulver verarbeitet, das im Beton den Zement ersetzen kann. Pro Tonne bindet es nach Unternehmensangaben rund 330 Kilogramm CO2 dauerhaft als Gestein. Der Reiz liegt im doppelten Effekt. Der neue Zusatzstoff senkt nicht nur die Emissionen des Betons, sondern schließt auch die Lücke, die Flugasche und Hüttensand hinterlassen. Deren Preise sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Das CO2 bezieht Co-reactive aus der Nachbarschaft: vom Zementwerk, aus der Müllverbrennung oder aus Biogasanlagen. Die Anlage wurde genau dafür in der Nähe dieser Quellen gebaut. Anfang 2026 kamen rund 6,5 Millionen Euro Startkapital zusammen, unter anderem vom High-Tech Gründerfonds und der NRW.Bank, dazu ein Platz im EIC-Accelerator der EU. Und auch die Wahl des Standorts Nordrhein-Westfalen ist kein Zufall: Etwa ein Drittel der deutschen Zementwerke steht hier. Die großen Hersteller verfolgen eine andere Strategie. So plant Heidelberg Materials an seinem Werk im nordrhein-westfälischen Geseke, das CO2 aus dem Abgas herauszufiltern, bevor es in die Luft gelangt. Ein weiteres Zementkonsortium erprobt dasselbe in Baden-Württemberg. Das aufgefangene Gas soll anschließend verdichtet und tief unter der Erde eingelagert werden, mit einer Infrastruktur, die es in Deutschland bislang kaum gibt. Bei Co-reactive soll das CO2 im Bauwerk stecken bleiben. Doch 1.000 Tonnen im Jahr sind wenig gegen den Bedarf einer Industrie, die in Millionen Tonnen rechnet. Erste größere Werke im Zehntausend-Tonnen-Maßstab, die direkt an Zement- und Stahlstandorten errichtet werden sollen, sind bereits für 2027 geplant. Und auch das benötigte Olivin muss abgebaut und transportiert werden, meist aus Norwegen, sodass die CO2-Bilanz erst über den gesamten Lebensweg hinweg zählt. Und wie beim grünen Stahl gilt: Nur weil eine Technik funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass der Markt sie kauft. Neue Zusatzstoffe müssen erst in die Baunormen aufgenommen werden, und gerade bei Baumaterialien ist man vorsichtig. Quellen: Co-reactive: Eröffnung 1.000t Demoanlage – Co-reactive setzt neue Maßstäbe in der Bauindustrie Heidelberg Materials: Erstes vollständig dekarbonisiertes Zementwerk in Deutschland Bauingenieur: Start-up skaliert Mineralisierungstechnologie NRW.GlobalBusiness: Vom Labor auf die Baustelle: Wie Co-reactive aus NRW die Bauindustrie dekarbonisiert HTGF: Co-reactive sichert 6.5 Mio. € Seed-Finanzierung für CO2-negative Baustofftechnologie



  • Altholz: der Rohstoff, der im Ofen landet

    In Deutschland landen jährlich vier von fünf Tonnen Altholz in der Verbrennung, obwohl ein großer Teil davon zu neuem Material verarbeitet werden könnte. Ein Berliner Projekt nutzt jetzt Sensoren, um das Material auszusortieren, das zu schade fürs Feuer ist. Von den rund acht Millionen Tonnen Altholz, die in Deutschland jährlich anfallen, werden etwa 80 Prozent verbrannt. Ein Berliner Projekt von IKEA, dem Sortiertechnik-Hersteller TOMRA und der Holztechnologiefirma Tretorg zeigt jedoch, dass sich dieses Verhältnis verändern ließe. Sensoren erkennen im gemischten Altholzstrom, welche Stücke sauber genug sind, um als Werkstoff weiterverarbeitet zu werden. Altholz kommt selten sortenrein an. Im Sperrmüll ist es verleimt, lackiert und beschichtet, mit Schrauben und Scharnieren versehen und oft von Jahrzehnten Gebrauch gezeichnet. Die Altholzverordnung sortiert den Strom grob nach Belastung: von sauberen Paletten bis zu imprägniertem Holz, das nur noch in den Ofen darf. Das saubere Holz aus dem Gemisch zu lösen und auf Schadstoffe zu prüfen, war bisher teuer und ungenau. Ein Kostenvorteil gegenüber frischem Holz sprang dabei selten heraus. Doch das könnte die neue Sensortechnik jetzt ändern: An einer Demonstrationsanlage im Berliner Stadtteil Spandau liest eine Kombination aus Kamera, Nahinfrarot-Spektroskopie und Metalldetektion jedes Stück auf dem Förderband. Sie unterscheidet unbehandeltes Vollholz von beschichteten Faserplatten und schleust Metallteile aus. Übrig bleibt sauberes Holz und wiederverwertbares Material. Letzteres kann die Holzwerkstoffindustrie direkt einsetzen. Für Ikea, das Spanplatten in großen Mengen verbaut, ist ein solcher Rücklauf sehr interessant. Dass die Trennung inzwischen genau genug funktioniert, zeigt auch ein Forschungsverbund unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts IOSB. Mit Infrarot-, Wärme- und Terahertz-Kameras erreicht er eine Treffergenauigkeit von über 95 Prozent, wo Altholz aus Sperrmüll bislang meist von Hand getrennt wird. Die Technik allein dreht das Verhältnis jedoch nicht um. Die deutsche Altholzverordnung stellt die stoffliche und die energetische Verwertung für die meisten Altholzklassen als gleichrangig nebeneinander. Wer sauberes Holz verbrennt, erfüllt die Vorgaben ebenso wie jemand, der es zu Platten verarbeitet. Die europäische Abfallhierarchie sieht das anders: Dort steht das Recycling über der Verbrennung. Eine Novelle, die genau diesen Vorrang in die Altholzverordnung überträgt und die stoffliche Quote anheben soll, kommt seit Jahren nicht voran. Das Holz ist vorhanden, ebenso die Technik, die es retten könnte. Trotzdem lohnt sich das Verbrennen weiterhin, denn die Regelung sieht es genauso vor wie das Recycling. Für das Gesetz ist beides Verwertung: das neue Brett ebenso wie die Wärme aus dem Ofen. Ob aus dem Altholz ein Kreislauf wird oder Rauch entsteht, hängt nicht vom Sensor ab, sondern davon, welche Nutzung Vorrang bekommt. Dabei zählt jedes Brett, das weiterverwendet wird, doppelt: Es bindet seinen Kohlenstoff länger und spart frisches Holz. Beim Verbrennen ist beides sofort weg. Quellen: FNR / Fraunhofer: Holz aus Sperrmüll besser aussortieren mit KI und Sensorik EUWID: Sensorbasierte Sortierung kann stoffliche Verwertung von Altholz erhöhen bvse: Althölzer sind hochwertige Rohstoffe Infopapier Altholz: ENERGIEERZEUGUNG AUS ALTHOLZ IN DEUTSCHLAND WEKA: Novellierung der Altholzverordnung: Diskussionsentwurf vorgelegt



  • Warum der Staat Offshore-Wind wieder fördert

    Offshore-Windpark „He Dreiht“ nimmt den vollen Betrieb auf und kann 1,1 Mio. Haushalte versorgen. Er wurde ohne Förderung gebaut. Warum Deutschland ausgerechnet jetzt zur Offshore-Subvention zurückkehrt. Rund 90 Kilometer nordwestlich von Borkum drehen sich 64 Windräder mit einer Gesamtleistung von 960 Megawatt. Am 17. September wird Bundesumweltminister Carsten Schneider die Anlage offiziell einweihen. Der Verzicht auf Förderung geht auf das Jahr 2017 zurück: In der ersten deutschen Offshore-Ausschreibung bot der Betreiber EnBW null Cent je Kilowattstunde und sicherte sich damit die Netzanbindung, aber keinen garantierten Vergütungssatz nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Der Staat, der Offshore-Projekte jahrelang mit festen Abnahmepreisen finanzierbar gemacht hatte, gab diesmal keine solche Garantie. Statt des Staates ist hier die Wirtschaft eingesprungen: Neben Google und der Deutschen Bahn haben sich auch Bosch, Salzgitter, Fraport, Evonik und eine Tochter der Telekom über langfristige Lieferverträge jeweils zwischen 20 und 150 Megawatt zu festen Preisen gesichert. Diese Verträge liefern die Planungssicherheit, die sonst der Fördersatz gibt. Ohne sie wäre die Investition von rund 2,4 Milliarden Euro wohl nicht möglich gewesen. Förderfrei heißt allerdings nicht risikofrei. Damit die Rechnung aufging, mussten verschiedene Faktoren zusammenkommen: kapitalkräftige Miteigentümer, denen EnBW knapp die Hälfte des Parks verkaufte, ein Kredit der Europäischen Investitionsbank über 600 Millionen Euro und das neue 15-Megawatt-Windrad von Vestas, dessen Rotoren mit einem Durchmesser von 236 Metern eine Fläche von sechs Fußballfeldern überstreicht. Je größer die Anlage, desto niedriger die Kosten je Kilowattstunde. 2017 galt das Gebot als Beweis dafür, dass die Offshore-Windenergie erwachsen geworden ist und ohne Förderungen auskommen kann. Die Ausschreibungen von 2023 bis 2025 gehen sogar noch weiter: Wer eine Fläche wollte, musste dafür zahlen, und die höchsten Gebote spülten Milliarden in den Bundeshaushalt. Doch gestiegene Zinsen, teurere Lieferketten und dieser Aufschlag verteuerten die Projekte so stark, dass die Branche vor einem Stillstand warnt. Eine am 14. September vorgestellte Befragung der IG Metall Küste zeichnet für die gesamte Windindustrie ein angespanntes Bild. Betriebe bauen Personal ab, verlagern Teile ins Ausland und die Zuversicht sinkt. Die Bundesregierung hat reagiert: Anfang September brachte das Kabinett eine Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes auf den Weg, die sogenannte „Contracts for Difference“ einführt. Bei diesem Vertrag schießt der Staat zu, wenn der Marktpreis unter eine vereinbarte Schwelle fällt, und kassiert ab, wenn er darüber liegt. Das gibt den Betreibern Planbarkeit. Es ist eine Rückkehr der Förderung in neuer Form. Der Branchenverband BWO fordert sogar, dieses Instrument zum alleinigen Ausschreibungsmodell zu machen. Ob der Nullpreis  bei „He Dreiht“ von 2017 je mehr war als ein Sonderfall aus billigem Geld und abnahmehungriger Industrie, lässt sich schwer sagen. Sicher ist nur, dass die nächsten Parks wieder mit staatlicher Absicherung entstehen werden. Quellen:  EnBW: Windpark He Dreiht Bundesumweltministerium: Carsten Schneider bei der Einweihung des Offshore-Windparks „He dreiht“ BWO Offshorewind: BWO zur WindSeeG-Novelle: Ausschreibungsdesign muss Offshore-Wind-Projekte realisierbar machen IG Metall Bezirk Küste: Windumfrage 2026  



  • Grüner Stahl ist da, doch der größte Bauherr kauft ihn nicht

    In Duisburg und Salzgitter laufen milliardenschwere Anlagen an, die Stahl mit Wasserstoff statt Kokskohle erzeugen. Nur fehlt der Markt für ihr Produkt. Grüner Stahl kostet rund 100 bis 200 Euro mehr je Tonne, und den Aufpreis will kaum ein Kunde zahlen. Klimafreundlicher Stahl und Zement sind bereits serienreif. Nur kauft sie kaum jemand. Am 3. September legte das Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI) ein Diskussionspapier vor, in dem der größte mögliche Abnehmer beim Namen genannt wird: der Staat selbst. Die Forderung: Wer öffentlich baut, soll klimafreundliche Grundstoffe verbindlich einplanen und nicht nur den niedrigsten Preis berücksichtigen. In Duisburg und Salzgitter laufen milliardenschwere Anlagen an, die Stahl künftig mit Wasserstoff statt Kokskohle erzeugen. Die erste zertifizierte Ware wird noch dieses Jahr auf den Markt kommen. Sie ist jedoch rund 100 bis 200 Euro je Tonne teurer, was kaum ein Kunde zahlen will. Die Werke stehen also da, bevor Nachfrage, Wasserstoff und klare Regeln nachkommen. Beim Zement ist es dieselbe Problematik: Die Technik senkt den CO2-Ausstoß, doch der Mehrpreis bleibt am Hersteller hängen. Bund, Länder und Kommunen geben zusammen rund ein Siebtel der Wirtschaftsleistung aus, und mehr als die Hälfte aller öffentlichen Aufträge entfällt auf Bau und Infrastruktur. Auf die Baubranche entfallen etwa 35 Prozent des deutschen Stahlbedarfs. Wer Brücken saniert oder Schienen erneuert, bestellt in großen, planbaren Mengen. Genau diese Verlässlichkeit benötigen die Hersteller, um ihre Investitionen zu rechtfertigen. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft könnte allein der öffentliche Bau ab 2030 bis zu 3,7 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr abrufen. Das KEI setzt an drei Stellen an: Erstens sollen einheitliche Standards eingeführt werden, um einen vergleichbaren CO2-Fußabdruck zu ermöglichen. Zweitens sollen Vergaberegeln neben dem Preis auch die Emissionen werten und nicht automatisch das billigste Angebot wählen. Drittens soll ein europäischer Rahmen klimafreundliche Waren zur Norm machen. Dass dies funktioniert, zeigt die U-Bahn-Linie U5 in Hamburg: Durch den Einsatz klimafreundlicher Materialien konnte der CO2-Ausstoß der Bauteile um 70 Prozent gesenkt werden. Es ist wie beim Kunststoff. Dort scheitert der Kreislauf nicht an der Technik, sondern am Absatz: Neuware ist billiger, weshalb die Käufer zu ihr greifen. Bei grünem Stahl und Zement ist es genauso. Was fehlt, ist die Nachfrage. Und die kann der Staat schaffen. Er baut schließlich mehr als jeder andere. Das Klimaschutzprogramm 2026 sieht grüne Leitmärkte für die öffentliche Beschaffung vor und das geplante Sondervermögen soll die Nachfrage planbarer machen. Ein konkreter Vorschlag ist, dass öffentliche Infrastrukturprojekte ab 2026 mindestens 25 Prozent emissionsreduzierten Stahl verbauen sollen. Verbindlich ist das bisher jedoch nicht. Am Ende steht die Frage, ob der Staat bereit ist, für sauberere Grundstoffe den Preis zu zahlen, den er von der Industrie verlangt. Quellen: KEI: Leitmärkte. Die Rolle von Labels für klimafreundliche Grundstoffe iwd: Chance für emissionsarmes Bauen durch staatliche Nachfrage Agora Industrie: Startschuss für grüne Leitmärkte Industrie Magazin: Thyssenkrupp und Salzgitter: Europas grüne Stahlwette hat ein Marktproblem Handelsblatt: Sondervermögen soll Nachfrage nach grünem Stahl planbarer machen  



  • Batterien erben den Atom-Anschluss

    Das Wertvollste am alten Atomkraftwerk Brunsbüttel ist sein Netzanschluss. Vattenfall nutzt diesen nun für einen riesigen Batteriespeicher, anstatt andernorts jahrelang auf eine Anbindung zu warten. Am 10. September 2026 hat Vattenfall die finale Investitionsentscheidung getroffen. Auf dem Gelände des stillgelegten Kernkraftwerks entsteht ein Speicher mit 254 Megawatt Leistung und einer Kapazität von rund einer Gigawattstunde. Wo bis 2007 ein Reaktor Strom ins Netz einspeiste, sollen ab Ende 2028 Wind- und Sonnenenergie zwischengelagert werden. Über Jahrzehnte speiste ein Atomkraftwerk 771 Megawatt hier ins Netz ein. Dieser Zugang zum Höchstspannungs-Übertragungsnetz bleibt bestehen, auch wenn der Meiler längst abgeschaltet ist. Genau solche Anschlusspunkte sind heute knapp: Wer einen Großspeicher bauen will, wartet oft jahrelang auf eine Netzanbindung. In Brunsbüttel sind Fläche und Netzzugang vorhanden, Vattenfall muss nur ein neues Umspannwerk dazwischensetzen. Für den Konzern ist es das bislang größte Batterieprojekt und einer der größten Speicher Deutschlands. Er verdoppelt fast das eigene Portfolio von rund 270 Megawatt Speicherleistung. Bis 2029 will Vattenfall auf bis zu 1,5 Gigawatt  kommen. Ausgelegt ist die Anlage als Vier-Stunden-Speicher: Sie kann vier Stunden lang 254 Megawatt abgeben, so viel wie ein mittelgroßes Kraftwerk, und dabei rund eine Million Kilowattstunden puffern. „Je stärker Wind- und Solarenergie ausgebaut werden, desto wichtiger werden leistungsfähige Speicher“, sagt Claus Wattendrup, der bei Vattenfall für Solar und Batterien zuständig ist. Vom Atomkraftwerk Brunsbüttel, das einst für seine Pannen berüchtigt war, überdauert nicht der Reaktor, sondern das Kabel. Der Rückbau des Meilers wird noch bis in die 2030er Jahre dauern, während nebenan schon die nächste Stromgeneration arbeitet Erst vor wenigen Tagen meldete das Statistische Bundesamt für das erste Halbjahr 2026 einen Rekord: 59,1 Prozent des erzeugten Stroms stammten aus erneuerbaren Quellen. Je höher dieser Anteil, desto häufiger gibt es Stunden mit zu viel Strom, in denen Windräder abgeregelt werden und die Börsenpreise ins Minus rutschen. Speicher fangen diese Überschüsse auf und geben sie ab, wenn Flaute herrscht. Der Markt reagiert bereits: Im ersten Quartal 2026 wurde mit 2,2 Gigawattstunden so viel Speicherkapazität wie nie zuvor zugebaut. Großspeicher liefern inzwischen mehr Kapazität als alle neuen Heimspeicher zusammen. Für das Gesamtjahr rechnet die Branche mit acht bis zehn Gigawattstunden. Die Netzentwicklungsplanung rechnet für die kommenden Jahrzehnte mit einem Vielfachen der heutigen Speicherleistung. Und trotzdem steht der Boom auf wackeligem Grund. Der Bundesverband Solarwirtschaft warnt, dass der Ausbau nach 2029 ins Stocken geraten könnte, da Netzentgelte und Marktregeln Speicher benachteiligen. Der neue Kapazitätsmarkt etwa prämiert vor allem Gaskraftwerke. Quellen: Vattenfall: Vattenfall trifft finale Investitionsentscheidung für 254 Megawatt Batterie in Brunsbüttel DESTATIS: Stromerzeugung im 1. Halbjahr 2026: 6,5 % mehr Strom aus erneuerbaren Energien Bundesverband Solarwirtschaft: Batteriespeicher wachsen rasant – Ausbau bis 2029 dennoch unsicher



  • Textilgesetz: Hersteller sollen für die Altkleiderkrise zahlen

    Mitte September will Umweltminister Carsten Schneider den Entwurf für ein Textilgesetz vorlegen. Dieses soll die Hersteller für die wachsenden Berge an Altkleidern zahlen lassen. Der Zeitpunkt ist heikel, denn die Branche, die diese Berge sortiert, steckt selbst in der Krise. Wie tief die Krise reicht, zeigt eine aktuelle Studie des Recyclingverbands bvse. Demnach stieg die gesammelte Menge zwischen 2018 und 2023 um rund 50.000 auf 1,3 Millionen Tonnen im Jahr. Mehr Menge bedeutet jedoch nicht mehr Wert. Der Anteil der Kleidung, die als Secondhandware weiterverwendet werden kann, ist auf 44 Prozent gesunken. Was sich nicht weiterverwenden lässt, wird zu Putzlappen oder Dämmstoff verarbeitet oder verbrannt. Echtes Faser-zu-Faser-Recycling ist bislang die Ausnahme. Der Grund dafür liegt im Regal: Fast Fashion ist billiger und kurzlebiger geworden. Für die Sortierbetriebe sind Altkleider ein Verlustgeschäft. Die Preise für Sammelware sind in den vergangenen Jahren um etwa ein Fünftel gefallen, die Lager sind voll und der Weltmarkt für gebrauchte Kleidung ist teilweise weggebrochen. Seit 2025 müssen Textilien EU-weit getrennt gesammelt werden, doch für die zusätzliche Menge fehlt der Absatz. Große Namen geraten ins Wanken: Soex, einer der größten Textilrecycler Europas, meldete Insolvenz an, Texaid leitete für zwei deutsche Tochtergesellschaften ein Sanierungsverfahren ein. Das kommende Gesetz sieht voraussichtlich vor, dass Hersteller in eine gemeinsame Organisation einzahlen, die die Sammlung, Sortierung und Verwertung finanziert. Der Beitrag richtet sich nach dem Produkt: Wer langlebige, reparierbare Kleidung verkauft, zahlt weniger. Wer Wegwerfware auf den Markt bringt, zahlt mehr. „Fast-Fashion-Kleidung wird nur kurz getragen, aber macht lange Ärger“, sagt Umweltminister Carsten Schneider. Vorgesehen sind feste Ziele, darunter eine Sammelquote von 70 Prozent und eine Recyclingquote von 85 Prozent des Gesammelten. Der bvse warnt vor einem „Systembruch“. Sein Einwand: Die geplante Pflichtorganisation würde den bestehenden Wettbewerb durch zentrale Zuteilung ersetzen. Während gemeinnützige Sammler wie Kleiderkammern freiwillig mitmachen, müssen sich gewerbliche der Organisation anschließen. Genau darin sieht der Verband eine Schieflage: Bevorzugt würden ausgerechnet diejenigen, die nur einen kleinen Teil der Infrastruktur betreiben. Der Entsorgerverband BDE befürchtet zudem, dass öffentliche Träger sich die gut verkäuflichen Stücke sichern und den Rest der Branche überlassen. Der bvse fordert Übergangsregeln und eine Finanzierungsbrücke, bis das neue System trägt. Der Streit dreht sich also um die Frage: Wer sammelt, wer zahlt und wer bekommt die guten Stücke? Dem Ministerium liegen bereits rund 90 Stellungnahmen vor. Das deutsche Gesetz muss bis Juni 2027 verabschiedet sein. Die Herstellerabgabe wird dann voraussichtlich die Sammlung finanzieren. Das eigentliche Ziel müsste aber weitergehen: eine Nachfrage nach dem recycelten Material zu schaffen, damit am Ende ein echter Stoffkreislauf entsteht. Quellen: BMUKN: Mehr Verantwortung für Textilhersteller bvse-Textilstudie 2026: Mehr Alttextilien, weniger Qualität – Textilrecycling am Kipp-Punkt Lebensmittel Zeitung: Textilgesetz rückt näher Fashion Network: Textilrecycler Soex meldet Insolvenz an



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