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Start »Bibliothek»100 Prozent Grünstrom in jedem Fall billiger

100 Prozent Grünstrom in jedem Fall billiger

Veröffentlicht am14. Dezember 20127. Juli 2023Autorgh

Die amerikanische Quelle:
->Quelle: www.sciencedirect.com

Seiten: 1 2 3

KategorienBibliothek, News, Politik, WirtschaftSchlagworteErneuerbare Energien

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  • Urban Mining: München fördert Wiederverwendung von Bauteilen

    München zahlt ab September bis zu 400.000 Euro für Bauprojekte, die alte Bauteile wiederverwenden. Nicht recyceln, wiederverwenden. Dieser Unterschied ist entscheidend dafür, ob die Kreislaufwirtschaft im Bau funktioniert. Die Stadt München stellt zwei Millionen Euro für zirkuläres Bauen in einem neuen Fördertopf bereit. Gefördert wird nicht das Recycling von Abbruchmaterial, sondern die Stufe darüber: dass ein Fenster ein Fenster bleibt, ein Stahlträger ein Stahlträger und ein Ziegel ein Ziegel. Bauprojekte, die alte Bauteile wiederverwenden, statt neue zu kaufen, bekommen  20 bis 60 Prozent der Kosten erstattet. Der Bausektor ist der größte Abfallproduzent des Landes. „In Deutschland gehen bis zu 60 Prozent der gesamten Rohstoffgewinnung sowie mehr als die Hälfte der Abfälle auf das Konto des Bausektors”, sagt Christine Kugler, Münchens Referentin für Klima- und Umweltschutz. Auf dem Papier sieht das Problem nicht so groß aus: Über 90 Prozent der mineralischen Bauabfälle werden verwertet. Allerdings landet der Großteil davon zerkleinert als Schotter unter neuen Straßen oder in Baugruben. Die Quote wird schon deshalb erfüllt, weil das Füllen von Löchern als Verwertung zählt. Ein Betonträger wird zu Splitt und damit wie Kies behandelt. Einen echten Kreislauf, der den Rohstoff des Trägers wieder als Baustoff nutzt, gibt es trotz der hohen Quote nicht. Eine wirkliche Wiederverwendung ändert das: Das Bauteil behält seine Form, seine Funktion und die Energie, die in seiner Herstellung steckte. Diese Energie muss nicht noch einmal aufgebracht werden, anders als beim Recycling, wo der alte Träger zu Kies zerfällt und ein neuer gegossen werden muss. Wie das funktioniert, zeigen Plattformen wie Concular. Rund ein Jahr vor dem Abriss wird ein Gebäude digital inventarisiert, jedes brauchbare Teil bekommt einen Materialpass und wird über einen Marktplatz an neue Projekte vermittelt. Anstelle der Abrissbirne kommt der selektive Rückbau zum Einsatz. In Berlin lagern Glasplatten in einem Urban-Mining-Hub und warten auf ihr zweites Leben. Andernorts wird eine Granitfassade zum Bodenbelag und alte Ziegel gehen in den nächsten Rohbau. Dass dies trotzdem eine Nische bleibt, liegt nicht an der Technik. Es fehlt die Gewährleistung: Wer haftet für einen tragenden Stahlträger, der seit vierzig Jahren im Einsatz war? Es fehlen Normen und Lagerfläche für Bauteile zwischen Ausbau und Wiedereinbau. In Ausschreibungen tauchen gebrauchte Produkte zudem kaum auf. Selektiver Rückbau kostet zudem mehr Zeit als der Einsatz eines Baggers. Ohne einen digitalen Produktpass, der die Herkunft und Eigenschaften eines Bauteils verlässlich dokumentiert, bleibt der Markt Stückwerk. Für Bauprodukte gilt diese Pflicht erst ab 2028, wie die EU festgelegt hat. Zwei Millionen Euro aus München ändern daran wenig. Der Zuschuss stößt Pilotprojekte an, doch die eigentlichen Hebel liegen woanders: bei Haftungsregeln, Normen und der Frage, ob eine Kommune die Wiederverwendung in ihren Bauaufträgen verlangt. Am Ende entscheidet über jeden Kreislauf im Bau eine einzige Frage: nicht wie viel Material ein Gebäude verlässt, sondern wie viel davon als Bauteil zurückkommt. Quellen: München: Pilotförderung für zirkuläres Bauen Concular: Wiederverwendung von Baumaterialien – Zirkularität im Bauwesen Umweltbundesamt: Verwertung von Bau- und Abbruchabfällen  



  • Agri-PV: Doppelernte als Hilfe gegen Hitze

    Die Dürre 2026 kostet die deutsche Landwirtschaft mehr als 600 Millionen Euro. Rund drei Millionen Tonnen Getreide und Raps sind seit Mitte Juni verdorrt. Auf genau diesen Feldern könnte eine Technik zweierlei zugleich leisten: Strom erzeugen und die Pflanzen vor der Hitze schützen. Das Fraunhofer ISE hat den Effekt bereits gemessen. Bei der Agri-Photovoltaik werden Solarmodule so hoch über den Acker gestellt, dass darunter weiterhin gepflügt, gesät und geerntet werden kann. Der Halbschatten der Module senkt die Verdunstung und die Pflanzen verlieren weniger Wasser. An der Versuchsanlage im baden-württembergischen Heggelbach zeigte sich im Dürresommer 2018, was das bedeutet: Drei von vier Kulturen lieferten unter den Modulen einen höheren Ertrag als auf der freien Vergleichsfläche daneben. Zählt man Strom und Lebensmittelertrag derselben Fläche zusammen, brachte der Acker mehr, als reine Landwirtschaft könnte: im Normaljahr 160 Prozent, im Dürresommer sogar 186 Prozent. Ein Selbstläufer ist die Technik damit nicht. Nicht jede Pflanze verträgt den Schatten gleich gut: In normalen Jahren, ohne den Wasservorteil der Dürre, kann die geringere Lichtmenge lichtbedürftige Kulturen Ertrag kosten. Am meisten lohnt Agri-PV dort, wo Verschattung von Vorteil ist, etwa bei Gemüse, Obst, Beeren und empfindlichen Sonderkulturen. Ihr eigentlicher Vorteil liegt ohnehin in der Doppelnutzung: Dieselbe Fläche produziert Nahrung und Energie zugleich. Doch genutzt wird diese Möglichkeit bisher kaum. In Deutschland stehen erst einige hundert Megawatt, die größte Anlage im mecklenburgischen Tützpatz seit September 2025 auf rund 93 Hektar. Das Potenzial liegt um Größenordnungen höher: Ein bis zwei Prozent der Ackerfläche würden genügen, um 170 bis 340 Gigawatt unterzubringen, ohne der Nahrungsproduktion Fläche zu nehmen. Der Hauptgrund für die Zurückhaltung ist der Preis: Aufgeständerte Anlagen benötigen hohe Ständer und sind teurer als ebenerdige Solarparks. Gemessen an 600 Millionen Euro Dürreschaden in einem einzigen Sommer wäre dieser Aufpreis allerdings gut investiert. An der Technik liegt es nicht, sie ist seit Jahren erprobt. Was fehlt, ist die Entscheidung, sie großflächig umzusetzen. Dafür gibt es eigentlich eine Förderung. Für hoch aufgeständerte Agri-PV sieht das Solarpaket von 2024 einen Bonus auf die Vergütung vor. Dieser wird bis heute nicht ausgezahlt, weil die EU-Kommission ihn genehmigen muss und diese Genehmigung seit über zwei Jahren aussteht. Das liegt jedoch nicht an Brüsseler Versäumnissen, sondern an einem Streit über die Details: Die Kommission verlangt, dass Deutschland eine Überförderung gesetzlich ausschließt und zu viel gezahltes Geld zurückholt. Berlin hat das zugesagt, ist sich mit Brüssel aber bis heute nicht einig, wann und wie dies geschehen soll. Es ist dieselbe Frage, die auch für die EEG-Reform 2027 im Raum steht, deren Genehmigung Ende 2026 ausläuft. Die Verantwortung liegt damit weniger in Brüssel als in Berlin, wo eine Zusage gemacht, aber nicht eingelöst wurde. Während beide Seiten um das Kleingedruckte ringen, müssen die Agri-PV-Anlagen warten. Quellen: Fraunhofer ISE : Agrophotovoltaik: Hohe Ernteerträge im Hitzesommer Deutscher Raiffeisenverband: Ernte 2026: Hitze kostet Landwirtschaft mehr als 600 Millionen Euro agrar heute: Agri-PV: Diese Pflanzen profitieren vom Schatten, jene leiden darunter Bundesnetzagentur: Be­son­de­re So­lar­an­la­gen



  • Grüner Wasserstoff fließt erstmals durch deutsches Pipeline-Netz

    Zum ersten Mal fließt grüner Wasserstoff durch eine der deutschen Wasserstoffpipelines. Deutschlands Wasserstoffwirtschaft hat ihren ersten durchgehenden Betriebstag. Noch ist es ein Anlauf, kein Regelbetrieb. Seit dem 4. August fließt zum ersten Mal grüner Wasserstoff durch eine Leitung des deutschen Wasserstoffnetzes. Er stammt aus Lingen im Emsland, wo RWE zwei Elektrolyseure betreibt, und legt eine Strecke von rund 120 Kilometern bis zum Chemiepark Marl zurück. Dort wird er von der Industrie abgenommen. Erstmals arbeiten Erzeugung, Transport und Verbrauch im realen Betrieb zusammen. Das Netz soll die Erzeuger an der Küste mit den Industriezentren im Westen und Süden verbinden und in den kommenden Jahren bundesweit ausgebaut werden. Damit ist nun erst der erste Abschnitt in den Betrieb gegangen. Der Wasserstoff ist grün, weil er per Elektrolyse aus erneuerbarem Strom, hauptsächlich aus Offshore-Windkraft, entsteht. In der Anlage wird Wasser mit Strom in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Das Produkt ist zertifiziert erneuerbar und erfüllt die EU-Vorgaben für Wasserstoff ohne fossilen Ursprung. In der Chemie kann er grauen Wasserstoff ersetzen, der bislang aus Erdgas gewonnen wird. „Dass zertifiziert erneuerbarer Wasserstoff aus Lingen über Leitungen Marl erreicht, zeigt: Das Zusammenspiel von Elektrolyse, Transportinfrastruktur und Abnahme funktioniert“, sagt Nikolaus Valerius, Vorstandschef von RWE Generation. Für die chemische Industrie ist Wasserstoff kein Nischenprodukt, sondern ein Grundbaustein. Aus ihm entstehen Ammoniak für Düngemittel, Methanol und Vorprodukte für Kunststoffe. Bislang stammt dieser Wasserstoff fast vollständig aus Erdgas, gewonnen in einem Verfahren, das große Mengen CO2 freisetzt. Ein Chemiepark wie in Marl verbraucht ihn Tag für Tag in großem Maßstab. Genau dort setzt die Lieferung aus Lingen an: Sie ersetzt einen Teil des grauen Wasserstoffs durch grünen, an einer Stelle, an der sich Emissionen sonst nur schwer vermeiden lassen. Noch ist es ein Anlauf, kein Regelbetrieb. RWE fährt die beiden Anlagen mit je 100 Megawatt schrittweise hoch. Bis Ende 2026 sollen 200 Megawatt erreicht werden, die volle Leistung von 300 Megawatt ist für 2027 geplant. Parallel dazu entsteht der Puffer für das System: RWE Gas Storage West will noch dieses Jahr damit beginnen, Europas ersten kommerziellen Untergrundspeicher mit Wasserstoff zu befüllen. 300 Megawatt Wasserstoff-Kapazität sind ein Anfang. Der deutsche Wasserstoff-Hochlauf hinkt damit noch seinen eigenen Zielen hinterher. Viele angekündigte Projekte verzögern sich oder stehen still. Der Energiebedarf allein der Chemieindustrie übersteigt das, was eine einzelne Verbindung liefern kann, bei Weitem. Die eigentliche Frage ist, ob genug grüner Strom und genug Elektrolyse-Kapazität folgen, um das Kernnetz wirklich zu füllen. Quellen: RWE SE: GET H2 Nukleus gains momentum: First hydrogen from Lingen reaches Marl Region Emsland:  GET H2 Nukleus nimmt Fahrt auf GET H2: GET H2 Nukleus nimmt Fahrt auf: Erster Wasserstoff aus Lingen erreicht Marl H2News: Erster Wasserstoff aus Lingen fließt über Pipeline zum Chemiepark Marl



  • Mineralwolle: Österreich recycelt, Deutschland deponiert

    In Deutschland landen jedes Jahr tausende Tonnen Mineralwolle auf der Deponie, recycelt wird sie fast nie. Nicht, weil es nicht ginge, sondern weil niemand muss. Österreich zeigt, dass es auch anders geht. Ab dem 1. Januar 2027 darf Mineralwolle in Österreich nicht mehr deponiert werden. Der Dämmstoffhersteller Knauf Insulation baut deshalb in Ferndorf in Kärnten die erste Recyclinganlage des Landes für Glas- und Steinwolle. Das Unternehmen investiert 30 Millionen Euro. Die Anlage soll Ende 2026 in Betrieb gehen. Das eigentlich Neue steckt in einem Wort: herstellerunabhängig. Laut Firmenangaben verarbeitet die Anlage alle Arten von Mineralwolle, auch die aus Rückbau und Sanierung, unabhängig davon, welche Marke einmal verbaut wurde. Bislang läuft das Dämmstoff-Recycling anders. Rücknahmesysteme wie Rockcycle von Rockwool oder Resulation von Knauf holen zwar Verschnitt von der Baustelle, sind aber auf das eigene, saubere Neumaterial zugeschnitten. Was beim Abriss eines jahrzehntealten Hauses anfällt, fremd und mit Putz und Kleber verklebt, bleibt außen vor. Es existieren zwar auch hier Recyclingwege, doch sie enden, wenn das Material von der falschen Marke stammt oder zu alt und verschmutzt ist. Genau diese Lücke will Knauf in Kärnten schließen, während sie im weit größeren deutschen Markt offen bleibt. Österreichs neue Deponieverordnung stuft Mineralwolle künftig als verwertbaren Abfall ein, der nicht mehr vergraben werden darf. Damit entsteht ein Materialstrom, der von einem Tag auf den anderen irgendwohin muss. Das Sammeln übernimmt der Abfalldienstleister ABCO mit einem österreichweiten Netz. Warum die Mineralwolle bisher liegenblieb, hat mit ihrer Beschaffenheit zu tun. Sie ist leicht und sperrig, beim Rückbau verklebt sie mit Baustoffresten, und ältere Ware ist ein Fall für sich. Dämmungen aus der Zeit vor der Jahrtausendwende sind gefährlicher Abfall. Ihre Fasern stehen im Verdacht, Krebs zu erregen, und müssen als Sondermüll entsorgt werden. Ein großer Teil dessen, was in den kommenden Jahren bei Sanierungen anfällt, besteht aus genau diesem Material. Bisher wird Mineralwolle allenfalls als Füllstoff verwendet und verschwindet als Ballast im Deponiekörper oder im Straßenunterbau. Eine Anlage, die aus alter Glaswolle wieder Glaswolle macht, schließt den Kreis auf dem Wertniveau, statt ihn nach unten zu öffnen. Knauf hat die geplante Kapazität bisher nicht genannt, und der Antrieb ist ein Verbot, kein Markt. Es bleibt die Frage, die über solchen Projekten steht: Entsteht der Kreislauf nur dort, wo ein Gesetz ihn erzwingt? Quellen: IV Kärnten: Knauf Insulation baut erste Recyclinganlage für Mineralwolle Knauf Insulation: Wir bauen Österreichs erste Recyclinganlage für Mineralwolle Rockwool: Steinwolle entsorgen: Abfallrücknahme-Service Rockcycle ABCO: Recyclinganlage von Knauf Insulation



  • Alte Solarmodule: Wenn kein Kreislauf entsteht

    Das Lebensende der Solarmodule wird zum Testfall für die Kreislaufwirtschaft. Die erste große Rücklaufwelle rollt an, und die Verwertungsquote ist hoch. Doch genau das ist ein Problem. Bereits 2021 betrug die insgesamt installierte Menge an PV-Modulen in Deutschland ungefähr fünf Millionen Tonnen, mit einem Siliziumanteil von 150.000 Tonnen. Diese erreichen nun ihr Lebensende. Durch das Auslaufen der EEG-Vergütung wird das beschleunigt. Prognosen für 2030 reichen von rund 400.000 Tonnen bis zu einer Million Tonnen Altmodule pro Jahr. Aktuell werden von Altmodulen nur das Aluminium, Glas und Kupfer neu aufbereitet, nicht aber die Silizium-Solarzellen. Auf dem Papier ist der Kreis geschlossen. Hersteller müssen sie seit 2015 zurücknehmen und eine Verwertungsquote erreichen. Doch die Quote misst nur, dass das Material irgendwie weiterverwendet wird, nicht, ob es tatsächlich im Kreis läuft. Ein Modul besteht zu über zwei Dritteln aus Glas, hinzu kommt der Aluminiumrahmen. Wird es geschreddert, zählen Glas und Aluminium und die Quote ist aufgrund des Gewichts erreicht. Nicht beachtet wird, dass strategisch wichtige Rohstoffe hier massenhaft verloren gehen. In den Zellen steckt Silizium, dessen Herstellung sehr energieintensiv ist. Pro Modul sind es nur wenige Gramm Silizium und Silber. Doch bei dem Volumen an Altmodulen, das jedes Jahr anfallen wird, reden wir hier von erheblichen Mengen. Das Glas wird meist downgecycelt, also zu Dämmmaterial verarbeitet, statt zu neuem Solarglas. Dass es auch hochwertig geht, zeigen mehrere Beispiele: So hat das Fraunhofer-Zentrum für Silizium-Photovoltaik mit dem größten deutschen Modulrecycler Reiling ein nasschemisches Verfahren entwickelt, das Silizium und Silber aus den Zellen herauslöst. Aus dem zurückgewonnenen Silizium ließen sich neue Solarzellen mit einem Wirkungsgrad von fast 20 Prozent fertigen, also kaum weniger als bei der Neuware. Das Dresdner Unternehmen Flaxres sprengt Solarmodule mit kurzen, energiereichen Lichtblitzen, statt sie zu zermahlen, und holt nach eigenen Angaben aus 7,5 Tonnen Modulen über 200 Kilogramm Silizium, vier Kilogramm Silber und knapp fünf Tonnen sauberes Glas. Diese beiden Beispiele verarbeiten heute etwa tausende Tonnen im Jahr, während die Rücklaufmengen voraussichtlich bald das Hundertfache übersteigen. Außerdem fehlen aktuell Anreize, das Material überhaupt im Kreislauf zu führen. Für Prüfung, Bearbeitung und das Organisieren der Materialflüsse fehlen die nötigen Strukturen. Die Technik, die Ressourcen aus alten Modulen zu gewinnen, und sogar die Möglichkeit, sie wieder zu Solarzellen zu machen, existieren. Was fehlt, ist, dass die Quote oder Vorgaben den Kreislauf belohnen statt den Glasbruch. Solange die Verwertung die kritischen Rohstoffe nicht berücksichtigt, werden hunderte Tonnen Silizium und Silber mit dem  Altglas in Baustoffen landen. Quellen: Flaxres: Der Blitz erledigt die Arbeit pv magazine: Flaxres gelingt Industrialisierung seiner Recyclinganlagen für Solarmodule Fraunhofer ISE: PERC-Solarzellen aus 100 Prozent recyceltem Silizium Deutsche Umwelthilfe:  Alte Solarmodule für Klima- und Ressourcenschutz nutzen  Umweltbundesamt: Photovoltaik



  • Neues Verpackungsrecht ab 12. August: Was sich ändert

    Für Hersteller und Handel ändert sich einiges, vor allem beim Recycling: strengere Vorgaben, mehr Pflichten, Bußgelder bis 200.000 €. Doch beim Mehrweg, dem eigentlichen Kreislauf, geht es rückwärts.   Das Verpackungsgesetz von 2019 wird durch das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG) ersetzt, mit dem die EU ihre Verpackungsverordnung PPWR europaweit einheitlich in Kraft setzt. Für Hersteller, Importeure und den Handel bedeutet das neue Pflichten: Sie müssen sich registrieren und genehmigen lassen, Geld für Abfallvermeidung zurücklegen und dafür sorgen, dass ihre Verpackungen recyclingfähiger werden und mehr Altmaterial verwenden. Wer die Vorgaben verletzt, riskiert Bußgelder von bis zu 200.000 €. Das Gesetz übt somit einen erheblichen Druck für mehr Recycling aus. Das volle Potenzial der Kreislauflogik nutzt es leider nicht: Es setzt auf Recycling und keine Wieder- oder Weiterverwendung. Wie bei der Mehrwegflasche. Sie wird nicht geschreddert und neu gegossen, sondern gereinigt und je nach Flasche 25 bis 50 Mal wieder befüllt. So bleibt das Produkt im Kreislauf, nicht nur der Rohstoff, und das spart so massiv an Material, Energie und Abfall. Seit über zwanzig Jahren ist das Ziel von 70 Prozent Mehrwegverpackungen im Gesetz. Erreicht wird jedoch nur gut ein Drittel. Seit der Einführung des Einwegpfands im Jahr 2003 ist der Anteil sogar gefallen. Im Regal dominiert die Einweg-Plastik-Pfandflasche. Für die ganze EU macht das neue Gesetz Mehrweg bei Getränken erstmals zur Pflicht, aber auf niedrigem Niveau: zehn Prozent ab 2030, weniger als Deutschland heute schon erreicht. Ursprünglich war beim Gesetzentwurf geplant, dass die Hersteller von Einwegverpackungen verpflichtend in einen Topf einzahlen, aus dem Mehrwegsysteme gefördert werden. Im beschlossenen Gesetz wurde daraus jedoch eine freiwillige Ausgabe nach eigenem Ermessen. Die Deutsche Umwelthilfe nennt das eine „Rolle rückwärts“. Auch der Verband Pro Mehrweg vermisst das Vorhandensein jeglicher Instrumente, um Mehrwegziele zu erreichen. Frankreich zeigt, dass so etwas funktioniert: Dort fließen per Gesetz jedes Jahr Millionen in Mehrwegsysteme. Solange so etwas fehlt, bleibt Mehrweg eine Frage des guten Willens im Regal.   Quellen: IHK Schleswig-Holstein: Pflichten der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) ab 12. August 2026 Umweltbundesamt: Anteil von Getränken in Mehrwegverpackungen leicht gesunken Frischeingeschenkt: Neues Verpackungsgesetz: Chancen zur Mehrwegförderung bleiben aus Sicht von Pro Mehrweg ungenutzt packaging Journal: VerpackDG: What will change with the new Packaging Act getränke-news: Kabinett hält an 70-Prozent-Mehrwegquote fest Deutsche Umwelthilfe: Bundeskabinett beschließt Verpackungsgesetz     



  • Kohleausstieg 2030: Rückwärtsgang mitten in der Klimakrise?

    Ernteausfälle, Waldbrände und Niedrigwasser. Während wir neue Negativrekorde erleben, scheint es dass der Bund ausgerechnet jetzt den beschleunigten Kohleausstieg zurücknehmen wird. Zum 15. August 2026 läuft eine Frist ab, die 2020 im Kohleausstiegsgesetz festgelegt wurde. Bis dahin muss die Bundesregierung über die Zukunft von drei Braunkohleblöcken im Rheinischen Revier entscheiden. Ursprünglich war ihre endgültige Abschaltung Ende März 2030 vereinbart, doch nun zeichnet sich ab, dass sie stattdessen mindestens bis 2033  in Reserve gehen. Das „Kohleverstromungsbeendigungsgesetz“ sieht Überprüfungen zum 15. August der Jahre 2022, 2026, 2029 und 2032 vor. Diese Termine waren als Prüfsteine gedacht, um zu sehen, ob sich der Ausstieg vorziehen lässt. Der Bewertungsbericht, auf dem die Entscheidung beruhen soll, liegt bisher nicht vor. Doch wird erwartet, dass die Regierung von Friedrich Merz diesen Paragrafen nutzen wird, um den Kohleausstieg zu bremsen. 2022 zogen die vorige Bundesregierung zusammen mit dem Land NRW und RWE den Ausstieg im Rheinischen Revier um acht Jahre vor: von 2038 auf 2030. Rund 280 Millionen Tonnen Braunkohle sollten dadurch dauerhaft im Boden bleiben und ebenso viele Tonnen CO2 nicht in die Luft gelangen. „Reserve” bedeutet in diesem Fall, dass die Blöcke keinen Strom mehr am Markt verkaufen, aber betriebsbereit bleiben und bei Engpässen hochgefahren werden können. Es hört sich aber neutraler an, als es ist. Denn solange die Kraftwerke bereitstehen, laufen auch die Bagger. Dieser Schritt steht jedoch nicht für sich allein: Dieselbe Regierung hat mit der jüngsten EEG-Novelle die feste Einspeisevergütung für neue Solaranlagen gestrichen und damit den Ausbau ausgebremst. Die Kohle wird verlängert, die erneuerbare Alternative geschwächt. „Ich bin nicht bereit, den Kern unserer Energieversorgung aufs Spiel zu setzen, bloß weil wir vor Jahren Ausstiegsdaten beschlossen haben“, sagte Friedrich Merz im März 2026 auf dem FAZ-Kongress. Die Gaskraftwerke, die die Kohle ersetzen sollen, wurden bislang kaum in Auftrag gegeben. Damit legt sich die Regierung gleich doppelt auf fossile Verbrennung fest. Selbst wenn das Gas rechtzeitig käme, bliebe die Antwort fossil: Es verbrennt zwar sauberer als Braunkohle, ersetzt diese aber lediglich durch einen anderen fossilen Brennstoff statt durch Wind- und Sonnenenergie. Und bis die Gaskraftwerke stehen, muss die Lücke vorerst die Kohle füllen. Vom Ende des Kohleausstiegs zu sprechen, wäre falsch. Der gesetzliche Schlusspunkt im Jahr 2038 steht  fest. Es geht um das Tempo, also den beschleunigten Ausstieg bis 2030, der für die Klimaziele im Stromsektor nötig ist. In diesem Sommer sind in Deutschland bis Ende Juli rund 11.900 Menschen an der Hitze gestorben, so schätzt es das Robert Koch-Institut. Die Flüsse führen Niedrigwasser, die Böden sind ausgetrocknet, die Ernte fällt aus. Und die Antwort der Bundesregierung lautet: Kohle länger, Gas dazu, Energiewende bremsen. Quellen: Aachener Zeitung: NRW bereitet sich auf Scheitern des Kohleausstiegs vor RKI: Wochenbericht zur hitze­bedingten Morta­lität UFZ Helmholtz: Dürremonitor Deutschland t-online: Merz stellt Fahrplan für Kohleausstieg infrage



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