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Start »News»Dreckschleuder Deutschland

Dreckschleuder Deutschland

Veröffentlicht am30. Mai 201313. Juni 2023Autorgh

Seiten: 1 2 3 4

KategorienNews, Politik, WirtschaftSchlagworteCO2-Ausstoß, CO2-Emissionen, CO2-Verringerung

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– Energie für die Zukunft –

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Erneuerbare Energien, Klimawandel und Energiewende.

Verwandte Themen

  • Halbjahresbilanz 2026: Strompreis löst sich vom Gas

    Der Iran-Krieg ließ den Gaspreis von 36 auf 53 Euro je Megawattstunde springen. Anders der Strompreis. Er blieb beinahe stehen. Das spart Milliarden. Doch laut Fraunhofer ISE zahlen wir noch zu viel: Was fehlt, sind Speicher. Erneuerbare Energien deckten im ersten Halbjahr 2026 rund 62 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung in Deutschland. Das ist etwas mehr als im Vorjahr. Das hat das Fraunhofer ISE gemeldet. Am Verbrauch gemessen waren es 58,5 Prozent. Ebenfalls ein Rekordwert. Die eigentliche Nachricht der Halbjahresbilanz steckt jedoch in den Preisdaten: So hat sich der Strompreis vom Gaspreis weitgehend gelöst und die Stunden mit Negativpreisen gehen zurück, obwohl mehr Solarstrom im Netz war als je zuvor. Als der Iran-Krieg im Frühjahr die Gaspreise binnen weniger Wochen um 48 Prozent in die Höhe trieb, produzierte ein Gaskraftwerk für rund 133 Euro je Megawattstunde. Nach der bisherigen Logik der Strombörse hätte das den gesamten Markt mitziehen müssen, denn das teuerste gerade benötigte Kraftwerk setzt den Preis für alle. Doch im März kostete Strom im Durchschnitt nur 95 Euro je Megawattstunde, da an immer mehr Stunden Wind, Sonne und Speicher ausreichten und die Gaskraftwerke nicht in die Preisbildung einbezogen wurden. „Hätten die erneuerbaren Energien nicht so stark zur Stromerzeugung beigetragen, wäre der Börsenstrompreis im April um 76 Prozent höher gewesen”, sagt Leonhard Gandhi, Projektleiter von Energy Charts am Fraunhofer ISE. Statt rund 69 Euro hätte die Megawattstunde damit gut 120 Euro gekostet. Bemerkenswert ist auch die folgende Entwicklung: Zwischen Januar und Juni gab es rund 300 Stunden mit Negativ-Strompreis. Das ist immerhin ein Viertel weniger als im Vorjahr, und das, obwohl erneuerbare Energien so viel einspeisen wie nie zuvor. Dass die Stunden mit Negativ-Strompreiks trotz steigender Einspeisung abnehmen, liegt vor allem an den Batteriespeichern. In Deutschland wuchs die Kapazität von 25 auf 29,5 Gigawattstunden. Und auch hier stieg nicht nur die Kapazität, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der Speicher dazugebaut werden. Die höchsten Preise wurden während der Hitzewelle erreicht: Am Abend des 24. Juni kletterte der Preis kurzzeitig auf 66,50 Cent, da die Klimaanlagen noch liefen, die Sonne aber schon untergegangen war. Im Schnitt kostete die Kilowattstunde im Großhandel 9,87 Cent. Das ist etwas mehr als im Vorjahr, angesichts der Weltlage aber erstaunlich wenig. Das Ergebnis einer Kurzstudie des Fraunhofer IEE zeigt, wie teuer uns die zu langsam vollzogene Energiewende zu stehen kommt: Hätten seit Anfang 2025 zusätzlich 20 Gigawatt Batteriespeicher am Netz gestanden, wären volkswirtschaftliche Kosten von 5,6 Milliarden Euro vermieden worden, und die Zahl der Negativpreis-Stunden wäre nur noch ein Bruchteil. Eine Speicherstrategie hat die Bundesregierung weiterhin nicht. Stattdessen werden neue, klimaschädliche Gaskraftwerke ausgeschrieben. Quellen: Fraunhofer ISE: Solarstrom europaweit auf dem Vormarsch Bundesverband Solarwirtschaft: Batteriespeicher wachsen rasant – Ausbau bis 2029 dennoch unsicher energiezukunft.eu: Die Erneuerbaren im Stromsystem – Preise, Erzeugung, Zubau pv magazine: Weniger Negativpreise als 2025: Erstes Halbjahr trotz globaler Energiekrise mit nur leicht höheren Börsenstrompreisen



  • Energiewende nach Wall-Street-Logik

    In JP Morgans Investoren-Newsletter geht es um nichts anderes als Rendite. Kein Klimaziel, keine Förderdebatte. Es ist ein interessanter Einblick, gerade weil es hier nur ums Geld geht. „Eye on the Market“ ist der Titel des Investoren-Newsletters, in dem JP Morgan jährlich sein Energiepapier veröffentlicht. Die diesjährige Ausgabe mit dem Titel „Fighting Words” stammt von Michael Cembalest, dem Chef-Anlagestrategen der Vermögensverwaltung. Darin wird die Energiewende nicht als Klimaziel, sondern als Kapitalfrage behandelt: Jede Technologie wird anhand von Marge, Stromkosten, Aktienkurs und Wagniskapital gemessen. Der erste Befund fällt eindeutig aus. Weltweit fließt doppelt so viel Kapital in erneuerbare Energien, Netze und Speicher wie in fossile Energien. Laut J.P. Morgan rund 2,2 zu 1,1 Billionen Dollar pro Jahr. Der Markt setzt auf die Wende. Weitgehend unabhängig davon, was die Politik gerade sagt, fördert oder streicht. Nur verdiene dieses Kapital bislang wenig. Laut Cembalest laufe der Solarboom „dank unprofitabler chinesischer Solarfirmen“: Die meisten börsennotierten Modulhersteller machen Verluste und drücken mit ihren Überkapazitäten die Preise weltweit. Bei Elektroautos sei das Muster noch deutlicher. Von den großen Herstellern machen nur Tesla und vier chinesische Firmen Gewinn. BMW, Mercedes und VW fahren Margen von minus zehn bis minus fünfzehn Prozent ein. Rivian und Ford liegen noch tiefer im Minus. Ford schrieb 19,5 Milliarden und General Motors 7,6 Milliarden Dollar auf E-Auto-Projekte ab. Wer seit 2023 auf E-Auto-Hersteller statt auf klassische Autobauer gesetzt hat, hat laut Papier draufgezahlt. Dass Investitionen sich nicht  an der Realität orientieren, zeigt sich bei der Atomkraft. In Start-ups für kleine modulare Reaktoren flossen 2025 rund 1,3 Milliarden Dollar Wagniskapital und die Aktienkurse der Branche verdoppelten sich innerhalb eines Jahres. Dabei gibt es das Produkt noch gar nicht: Kein US-Anbieter hat bislang einen solchen Reaktor in Betrieb genommen und keiner konnte zeigen, dass er Strom zu wettbewerbsfähigen Kosten liefern kann. Das Papier merkt dazu trocken an, es fehle noch der  „Machbarkeitsnachweis”. Der Markt kauft hier keine funktionierende Technologie, sondern setzt auf die Wette, dass sie eines Tages funktionieren könnte. Legt J.P. Morgan also nahe, die Energiewende rechne sich nicht? Nein. Der Gewinn sitzt nur woanders als der Verlust. Wer Solarmodule baut, verliert im Preiskampf. Wer mit ihnen Strom erzeugt, produziert ihn jedoch so günstig wie aus keiner anderen neuen Quelle. Teuer bleibe vor allem eines: diesen Strom rund um die Uhr verfügbar zu machen. Laut dem Autor Cembalest verdoppeln sich die Kosten, sobald Solarstrom per Speicher auch nachts und im Winter fließen soll. Das ist der eigentliche Befund des Papiers: Nicht die Erzeugung ist das Problem, sondern die Zuverlässigkeit. Für Investoren heißt das aber auch: Genau dort liegt der nächste Markt. Der Speicherbedarf wächst mit jedem neuen Solarpark. Die Technologie funktioniert  (anders als bei den Reaktor-Ideen) schon heute. Und die fossile Konkurrenz steckt fest: Auf neue Gasturbinen wartet die Branche laut Papier drei bis sieben Jahre. Wer den Strom aus Erneuerbaren rund um die Uhr verfügbar macht, erschließt sich Gewinnchance und Marge. Klimaziel und Rendite fallen laut J. P. Morgan zusammen. Quellen: JPMorgan Asset & Wealth Management / Michael Cembalest (2026): „Eye on the Market – 16th Annual Energy Paper: Fighting Words“, 3. März 2026 IEA (2025): „World Energy Investment 2025 – Executive Summary“



  • Autoglas: Wenn Recycling nicht mehr bergab führt

    Glas gilt als endlos recycelbar. Doch beim Autoglas läuft das Recycling bisher nur in eine Richtung: bergab. Der Glasaufbereiter Reiling und der Hersteller AGC Glass Europe schließen erstmalig den Kreislauf. Von der hochwertigen Glasscheibe zur hochwertigen Glasscheibe. Das ist klassisches Downcycling: von der Scheibe zur Flasche, von der Flasche zur Dämmwolle. Deswegen ist es bemerkenswert, dass aus altem Autoglas wieder Autoglas wird, und zwar mit einem Rezyklatanteil von über 56 Prozent in der Produktion. Dass das bisher nicht möglich war, liegt am Aufbau der Scheibe. Eine Windschutzscheibe besteht aus Verbundsicherheitsglas: zwei Glasscheiben, dazwischen eine zähe Folie aus Kunststoff, die im Falle eines Unfalls die Splitter zusammenhält. Hinzu kommen Beschichtungen, Heizdrähte, Antennen und immer mehr Sensoren für die Elektronik moderner Autos. Einfach einschmelzen funktioniert nicht, da die Folienreste das neue Glas verunreinigen würden. In der Anlage in Marienfeld werden Glas, Kunststoff und Metall getrennt und die Scherben so weit gereinigt, dass sie die Qualität von neuem Glas wieder erreichen. Die eigentliche Hürde ist es, den Kreis auf gleichem Niveau zu schließen: Flachglas zu Flachglas, da die Qualität sonst mit jeder Runde sinkt. AGC gibt an, dass jede Tonne Scherben, die das Unternehmen einsetzt, rund 1,2 Tonnen Rohstoffe und bis zu 0,7 Tonnen CO2 spart. Im Jahr 2024 ersetzte der Konzern mit 730.000 Tonnen Altglas etwa 875.000 Tonnen Primärrohstoffe. Ab 2026 wollen die Partner mehr als 300.000 Scheiben pro Jahr in den Kreislauf führen. Doch handelt es sich nicht um Recycling am Ende eines Nutzungszyklus, sondern um Produktionsabfälle: Verschnitt und Ausschuss, sauber und sortenrein, direkt aus den eigenen Werken. Auch wenn hier eine große Materialersparnis gelingt, bleiben die wirklich großen Stoffkreisläufe unberührt. Rund 1,7 Millionen Autoscheiben werden in Deutschland pro Jahr ausgetauscht, hinzu kommt das Glas aus einer halben Million verschrotteter Autos. Weil gebrauchte Scheiben verschmutzt, beschädigt und mit unterschiedlichsten Beschichtungen und Sensoren versehen sind, landen sie weiter im Downcycling. Doch es zeigt sich: Aus Autoglas kann wieder hochwertiges Autoglas werden. Marc Foguenne, Nachhaltigkeitsmanager bei AGC, bezeichnet die Zukunft des Glases als zirkulär, die Herausforderung liege jedoch in der Wirtschaftlichkeit gegenüber konventionellem Material. Solange Neuglas billiger bleibt als aufbereitetes Altglas, entscheidet am Ende nicht die Technik, sondern der Preis. Quellen: AGC Glass Europe: AGC & Reiling accelerate automotive circularity with a breakthrough in windshield Flat-to-Flat recycling bvse Fachverband Glas-Recycling: Durchbruch beim Flachglas-zu-Flachglas-Recycling von Autoscheiben Umweltbundesamt: Glas und Altglas



  • Kältemittel im Kreislauf: Kühlen aus dem Altgerät

    Erst war das Kältemittel Abfall, jetzt ist es ein begehrter Rohstoff. Weil neues Gas knapp wird, schließt die Kühlbranche den Kreislauf. Wer in diesen Tagen die Klimaanlage hochdreht, macht sich selten Gedanken über das Gas, das im Inneren zirkuliert. Dabei ist dieses Gas selbst ein Klimaproblem: Die meisten Kältemittel sind Treibhausgase, die tausendfach stärker wirken als CO2.  Die EU-F-Gas-Verordnung senkt den zulässigen Höchstwert für neu verkauftes Kältemittel schrittweise: von gut 82 Millionen Tonnen pro Jahr auf rund 9 Millionen Tonnen ab 2030 – fast neun Zehntel weniger. Die klimaschädlichsten Gase dürfen bereits heute nicht mehr als Neuware in bestehende Anlagen nachgefüllt werden. Eine Ausnahme bildet gebrauchtes Kältemittel. Wer das Gas aus einer alten Anlage zurückgewinnt und in der EU wiederaufbereitet, fällt nicht unter die Beschränkung. Aufbereitetes Gas darf bis 2030 weiter eingesetzt werden, wo Neuware längst verboten ist. So wird aus einem Entsorgungsfall ein Rohstoff. Wie das funktioniert, zeigt das Programm „LooP” des Herstellers Daikin: zurückgewinnen, aufbereiten, wiederverwenden. Servicetechniker saugen das alte Gas beim Anlagentausch ab. In der Aufbereitung wird es von Öl, Feuchtigkeit und Fremdgasen gereinigt, bis es die Qualität von Neuware erreicht. Dies wird von einem unabhängigen Labor geprüft. Anschließend wird es in neue Geräte gefüllt. Laut Unternehmensangaben werden so pro Kilogramm bis zu 90 Prozent des CO2-Fußabdrucks gegenüber neu produziertem Gas gespart. Über 400.000 Kilogramm Neugas werden so jedes Jahr eingespart. Mehr als 20.000 Anlagen laufen bereits mit dem aufbereiteten Gas. Zu den Abnehmern zählen unter anderem die Drogeriekette dm und der Discounter Action. Was früher als Abfall galt, hat nun einen Marktwert, und das treibt die Sammlung voran. Laut Daten der Europäischen Umweltagentur stieg die in der EU aufbereitete Kältemittelmenge von 2023 auf 2024 um rund 250 Prozent. So überzeugend der Kreislauf auch klingt, er bleibt eine Brücke, kein Ziel. Beim Recycling wird nur zurückgewonnen, was am Ende noch in der Anlage steckt. Das Problem bei Klimaanlagen ist, dass über die Betriebsjahre das Gas entweicht. So gelangen die Treibhausgase in die Umwelt. Und auch die aufbereiteten Gase werden in Zukunft vor allem die alten, zunehmend undichten Anlagen am Laufen halten. Deshalb endet die Ausnahme 2030. Der Umstieg auf Gase mit niedrigem Treibhauspotenzial wie Propan, CO2 oder die neue R-32-Generation läuft und macht Kühlung klimafreundlich. Quellen: Daikin LooP: How your refrigerant is closing the L?p Europäische Kommission: F-gas legislation European Environment Agency: Hydrofluorocarbon phase-out in Europe Cooling Post: R410A refrigerant faces 60% price increase



  • Was ein Hitzetag Deutschland kostet

    Ein einziger Hitzetag kostet die deutsche Wirtschaft rund 431 Millionen Euro. Das hat das Beratungsinstitut Prognos im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums errechnet. Am Mittwoch kletterte das Thermometer in vielen Teilen Deutschlands auf über 35 Grad. Zum Wochenende sagen die Wetterdienste Temperaturen um 40 Grad voraus. Der deutsche Hitze-Rekord von 41,2 Grad aus dem Juli 2019 könnte überboten werden. Die eigentliche Nachricht steht aber nicht auf dem Thermometer, sondern auf der Rechnung. Ein einziger Hitzetag kostet die deutsche Wirtschaft rund 431 Millionen Euro. Der Kreditversicherer Allianz Trade berechnete, dass sich Deutschlands hitzebedingte Verluste zwischen 2026 und 2030 auf bis zu 131 Milliarden Dollar belaufen könnten. Die Belastung wirkt dabei doppelt: Hohe Temperaturen senken die Produktivität – pro Grad oberhalb von 30 Grad um etwa drei Prozent, ob auf dem Bau, in Werkshallen oder im Büro ohne Kühlung – und treiben zugleich die Energiekosten. Im Schnitt verschlechtert sich die öffentliche Haushaltslage dadurch um knapp ein Prozent der Wirtschaftsleistung pro Jahr. Die zweite Hälfte dieser Rechnung wird im Stromsystem sichtbar. Wenn Klimaanlagen und Kühlhäuser auf Hochtouren laufen, schiebt sich die Verbrauchsspitze in den späten Nachmittag und Abend – also genau in die Stunden, in denen die Solarstromerzeugung schon nachlässt. In der frühen Hitzewelle 2025 lag Frankreichs Abendverbrauch rund ein Viertel über dem Normalwert; an den Strombörsen kletterten die Preise in dieser Woche zeitweise über 600 Euro je Megawattstunde. Gleichzeitig leidet die Erzeugung selbst: Überlandleitungen müssen bei großer Hitze gedrosselt werden, thermischen Kraftwerken fehlt kühles Flusswasser. Dass Europa darauf schlecht vorbereitet ist, hat die Europäische Umweltagentur bereits 2024 in ihrer ersten europäischen Klimarisikobewertung festgehalten. Der Kontinent erwärmt sich mehr als doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Die Behörde sieht 36 große Klimarisiken in fünf Feldern, von Ökosystemen bis zu Wirtschaft und Finanzen. Acht davon gelten als besonders dringlich, darunter der Schutz von Menschen vor Hitze. Mehr als die Hälfte erfordere jetzt schon Handlung. Der Befund: Politik und Anpassung halten mit dem Tempo der Risiken nicht Schritt. Wie das Fachportal Clean Energy Wire in seiner Bestandsaufnahme beschreibt, bleiben viele Anpassungspläne unverbindliche Absichtserklärungen und scheitern an fehlender Finanzierung und einem Flickenteppich aus Zuständigkeiten. Benötigt werden Hitzeaktionspläne, beschattete Stadtquartiere, kühlere Gebäude und ein widerstandsfähigeres Netz. Die Kosten des Nichthandelns steigen mit jedem Sommer, der heißer ausfällt als der letzte. Dennoch gilt Klimaanpassung bisher als freiwillige Aufgabe und nicht als Teil der Infrastruktur. Entsprechend wenig Geld ist dafür eingeplant. Dabei ist die Lage eindeutig: Die Hitze können wir uns nicht leisten. Wer ihre Kosten begrenzen will, muss jetzt in Anpassung investieren: in kühlere Städte, widerstandsfähigere Netze und besser geschützte Arbeitsplätze.   Quellen: Allianz Trade: Studie: Extreme Hitze kostet Deutschland Milliarden und lähmt Wirtschaftswachstum European Environment Agency: Europe is not prepared for rapidly growing climate risks Clean Energy Wire: Ill-equipped Europe braces for impact of rising temperatures ingeniuer.de: Stromnetze in Europa stöhnen unter Hitzewelle t-online.de: Strompreis schießt auf bis zu 700 Euro



  • Pilz statt Styropor: KI berechnet das Material

    Verpackungen kennen meist nur eine Richtung: Sie werden aus Erdöl hergestellt, einmal benutzt und dann verbrannt oder auf Deponien entsorgt. Ein Pilz durchbricht diesen Kreislauf: Er wächst aus Reststoffen und kann nach der Nutzung wieder biologisch abgebaut werden. Der Preis gilt bislang als eine der größten Hürden. Bei herkömmlichen Verpackungen geht der Stoffkreislauf fast nur in eine Richtung: Sie werden aus Erdöl hergestellt, einmal benutzt und dann verbrannt oder vergraben. Ein Pilz hingegen kann kreislauffähiges Verpackungsmaterial produzieren. Er wächst aus Ernteresten und zerfällt wieder zu Erde. Hinter diesem Versprechen steht das Erlanger Start-up-Unternehmen Fungarium. Das Unternehmen lässt aus Pilzfäden und Feldresten einen Stoff mit neuen Eigenschaften wachsen. Pilzfäden, das sogenannte Myzel, ernähren sich von Zellulose. Wenn man sie mit Reststoffen wie Stroh, Sägespänen oder Resten aus der Brauerei „füttert”, wachsen sie zu einem festen Block heran. Sie durchziehen das lose Material und verfilzen es zu einem festen Block. Dieser Vorgang findet in einer Form statt und dauert nur wenige Tage. Anschließend wird der Stoff getrocknet und gepresst. Danach ist er wasserfest und feuerfest. Dieses Verfahren ist seit Jahren bekannt. Sein Haken war stets die Gleichmäßigkeit, da ein Naturprodukt je nach Pilzart, Substrat und Saison schwankt. Für die Industrie, die berechenbare Eigenschaften benötigt, war dies ein Ausschlusskriterium. Hier setzt das Fungarium an: Es hat einen Algorithmus entwickelt, der berechnen kann, welche Kombination aus regional verfügbaren Reststoffen und Pilzarten die gewünschten Eigenschaften bei gleichbleibender Qualität liefert. So lässt sich beispielsweise in Bayern mit Sägespänen dasselbe Ergebnis erzielen wie andernorts mit Reisschalen. Auch das Fraunhofer-Institut arbeitet an solchen Myzel-Werkstoffen. Die vielen Verarbeitungsmöglichkeiten sind beeindruckend: Als Styropor-Ersatz, Dämmplatten, Akustikelemente, Möbel und sogar als Lederalternative lässt sich das Myzel einsetzen. Durch die Wahl der Pilzart und der Wachstumsbedingungen lässt es sich weich und biegsam oder hart und tragfähig einstellen. Und weist darauf hin, dass man die Methode auch im richtigen Kontext sehen muss. Für die Herstellung von klassischem Leder sind rund zwei Jahre Rinderzucht notwendig, während die Wachstumszeit von Myzel-Werkstoffen nur zwei bis drei Wochen beträgt. Quellen:  bayern innovation: Nachhaltige Materialien aus Pilzmyzel Chemie Cluster Bayern: Fungarium Fraunhover IAP: Materialien aus Pilzmyzel Chemie Cluster Berlin: Nachhaltige Materialien aus Pilzmyzel IRC Deutschland: Fungarium-Gründer erklärt, wie wir mit Pilzen schädlichen Verpackungsmüll vermeiden



  • Speicher boomen, der Staat baut Gaskraftwerke

    Der deutsche Speichermarkt läuft heiß. Die Bundesnetzagentur hat einen neuen Höchstwert registriert: Im März 2026 kam fast eine Gigawattstunde Batteriekapazität hinzu. Dieser Boom wird vom Markt getragen, nicht von einer staatlichen Strategie. Das liegt daran, dass Batteriespeicher  inzwischen billiger als Gaskraftwerke sind. Sie lassen sich schneller bauen, und trotzdem setzt die Bundesregierung mit dem aktuellen Ausschreibungsdesign weiterhin vor allem auf Gas. Wie stark der Markt zieht, zeigt das Projekt in Förderstedt bei Staßfurt. Dort entsteht derzeit Deutschlands größter Batteriespeicher. Seit Ende April rollen die Transporte und bis Ende Juni sollen rund 300 vormontierte Batteriesysteme angeliefert sein. Am Ende stehen hier 716 Megawattstunden Kapazität und über 600.000 Batteriezellen. Betreiber ist die Eco Power Three GmbH. Das Projekt wird nicht vom Staat, sondern von der Santander Bank und der NORD/LB finanziert. Insgesamt sind in Deutschland inzwischen über 27 Gigawattstunden Speicher installiert, verteilt auf 2,4 Millionen Anlagen. Den Großteil davon machen weiterhin Heimspeicher aus. Doch die Großspeicher holen auf. Ihre Kapazität wuchs im Jahr 2025 um 60 Prozent und die Projektpipeline für dieses Jahr ist prall gefüllt. Der Antrieb kommt aus dem Markt. Wer Strom speichert, wenn er im Überfluss vorhanden ist, und ihn abends verkauft, wenn er knapp wird, kann die Preisdifferenz nutzen. Speicher rechnen sich auch ohne Subventionen. Die Politik setzt dennoch auf andere Lösungen. Im Mai brachte das Kabinett die Kraftwerksstrategie auf den Weg: Rund neun Gigawatt neue, steuerbare Reservekapazität – in der Sache etwa zwanzig große Gaskraftwerke – sollen für mindestens 15 Jahre gebunden werden und werden über eine Umlage auf die Stromrechnung finanziert. Erst ab 2045 sollen die Anlagen klimaneutral laufen. Der Haken liegt im Kleingedruckten. Wer mitbieten will, muss zehn Stunden am Stück volle Leistung liefern. Ein Kriterium, das auf Gas zugeschnitten ist und Batteriespeicher praktisch ausschließt. Erst bei einer kleineren Ausschreibung im Jahr 2027 dürfen sie überhaupt antreten. Eine Analyse des Beratungshauses LCP Delta vom April zeigt, dass es auch anders ginge. Demnach könnten Langzeit-Speicher zwei Gigawatt der geplanten Gaskraftwerke ersetzen – bei gleicher Versorgungssicherheit, aber mit 166 Millionen Euro geringeren jährlichen Subventionen. Pro Kilowatt gesicherter Leistung kostet ein Zehn-Stunden-Speicher demnach knapp ein Drittel eines vergleichbaren Gaskraftwerks. Der Widerspruch bleibt bestehen. Während Investoren Milliarden in Speicher stecken, baut der Staat parallel fossile Infrastruktur mit Jahrzehnte-Bindung. Abgeordnete, der BUND e.V. und der Energieversorger Naturstrom kritisieren diese Festlegung als planwirtschaftlich. Quellen: LCP Delta: Germany’s power plant strategy Internationales Wirtschaftsforum Regenerative Energien: Batteriespeicher-Markt wächst im ersten Quartal 2026 – Bundesregierung ohne Speicherstrategie pv-Magazin.de: Knapp eine Gigawattstunde Batteriespeicher-Kapazität im März zugebaut ecostor: Projekt Fördersted, Deutschlands größtes Batteriespeicherprojekt



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