Immer mehr CO2

Deutsche Klimaziele trotz Energiewende in Gefahr

Die Deutschen sehen sich nicht ungern als weltweite Vorreiter im Kampf gegen die Klimakatastrophe. Aber entgegen den durch die Energiewende geweckten Hoffnungen und Erwartungen ist der Ausstoß von Treibhausgasen 2013 erneut gestiegen – um 12 Millionen Tonnen (+ 1,2 %). Mit dieser Entwicklung gerät das Klimaschutzziel der Bundesregierung, die Emmissionen bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, ernsthaft in Gefahr – und ihre Klima-Glaubwürdigkeit gleich mit.

[note 2013 emittierte Deutschland ca. 951 Mio. t  Treibhausgase, 12 Mio. oder 1,2 % mehr als 2012. Quelle und Grafik © UBA]

“Billiger” Kohlestrom

Der energiebedingte CO2-Ausstoß nahm gar um 1,5 Prozent zu. Dafür waren mehr Kohlestrom sowie der lange Winter verantwortlich, in dem mehr Gas und Öl verheizt wurde. Deutschland hat sich zwar verpflichtet, die Traeibhausgas-Emmissionen bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Den Zahlen des Umweltbundesamtes zufolge wurden aber bis jetzt erst 23,8 Prozent erreicht.

Für EU-Ziel von 40% bis 2030

Umweltbundesamt–Vizepräsident Thomas Holzmann: „Dass sich der Trend zur Kohleverstromung im Jahr 2013 noch verstärkt hat, erfüllt uns mit Sorge. Hält das an, wird es kaum möglich sein, das Klimaschutzziel der Bundesregierung für das Jahr 2020 zu erreichen. Die europäischen und nationalen Klimaschutzmaßnahmen reichen offensichtlich noch nicht aus. Deshalb ist es zu begrüßen, dass die Bundesregierung sich in Brüssel dafür stark macht, europaweit ein Minderungsziel von mindestens 40 Prozent bis 2030 festzuschreiben. Wichtig sind auch anspruchsvolle EU-Ziele für den Ausbau der erneuerbaren Energien und für die Energieeffizienz“, so Holzmann weiter.

[note Solarify meint: Acht abgeschaltete Atomkraftwerke erhöhen, wenn sie durch Kohlekraftwerke ersetzt werden, weil sich teure Gaskraftwerke nicht rechnen, den CO2-Ausstoß. Dass Kohlestrom so billig ist, liegt an den billigen US-Importen (wg. Fracking) – und am Scheitern des CO2-Zertifikate-Handels (zynisch “Verschmutzungs-Rechte” genannt): Statt wie geplant, oder besser: gehofft, 30 Euro pro Tonne CO2, sind nur laue 4 fällig – eine Aufforderung zu munterer Externaliserung, wo wir das Gegenteil bräuchten. Weil es die Wirtschaft wollte, wurden zu Beginn viel zu viele Zertifikate ausgegeben, ja, viele verschenkt, aber die EU (bis vor kurzem durch einen FDP-Wirtschaftsminister animiert) zögert beim Backloading, der Herausnahme von Zertifikaten aus dem Markt. Dass die Deutschen gleichzeitig um jedes Gramm höheren Grenzwert für Nobel-Limousinen feilschen, beschädigt unsere klimapolitische Glaubwürdigkeit. Denn wer die eigenen Versprechen nicht hält, kann das kaum von anderen verlangen, gilt eher als Großmaul. Armer Gabriel: Der muss jetzt Versprechensbekämpfung betreiben. Die EEG-Reform ist von alldem überfordert. Umweltministerin Hendricks krempelt immerhin die Ärmel hoch und will ein Sofortprogramm durchsetzen.]
->Quelle(n): tagesschau.de; umweltbundesamt.de; sz-online.de