Klimamodelle doch fehlerfrei

Trotz Erwärmungspause: Keine systematischen Fehler

Im 21. Jahrhundert hat sich die Erde zwar deutlich schwächer erwärmt, als sämtliche Modelle vorhersagen – doch das war nur Zufall. Skeptikern, die immer noch am menschengemachten Klimawandel zweifeln, bricht nun eines ihrer letzten Argumente weg: Zwar gibt es eine Erwärmungspause, die Erdoberfläche hat sich seit der Jahrtausendwende also deutlich schwächer aufgeheizt, als sämtliche relevanten Klimamodelle vorhergesagt hatten. Aber die Kluft zwischen berechneter und gemessener Erwärmung entsteht nicht, weil die Modelle systematische Fehler machen, wie die Skeptiker behaupten, sondern weil es im Klima stets zu zufälligen Schwankungen kommt.

Das haben Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg, und Piers M. Forster, Professor an der Universität Leeds in Großbritannien, mit einer umfassenden statistischen Analyse nun eindrücklich belegt. Damit ist auch klar, dass die Modelle den menschengemachten Klimawandel nicht prinzipiell überschätzen. Die Erderwärmung wird am Ende dieses Jahrhunderts also höchstwahrscheinlich gravierende Ausmaße erreicht haben – wenn die Weltgemeinschaft nicht endlich beherzt dagegen vorgeht.

[note Prognosen ohne systematische Fehler: Klimamodelle, wie das Modell MPI-ESM LR des Max-Planck-Instituts für Meteorologie, sagen bis zum Ende dieses Jahrhunderts eine deutliche Erwärmung vor allem an den Polen voraus. Die Erwärmungspause, die Klimaforscher seit der Jahrtausendwende beobachten, sagte allerdings keines voraus. Das liegt jedoch nicht an systematischen Fehlern der Modelle, sondern an zufälligen Schwankungen im Klimasystem. Die Vorhersagen der Modelle sind im Rahmen der statistischen Unsicherheit also zuverlässig. Bild © MPI für Meteorologie / Deutsches Klimarechenzentrum (DKRZ)]

Im Klima regieren Zufall und Chaos – und machen Klimaforschern das Leben schwer. Kein Wunder, dass diese beiden unberechenbaren Akteure im Klimageschehen auch hinter dem Rätsel stecken, das Wissenschaftler seit Beginn des 21. Jahrhunderts beschäftigt. Seither ist die Temperatur der Erdoberfläche nur um etwa 0,06 Grad Celsius und somit viel schwächer gestiegen, als alle 114 Modellsimulationen, die der Klimabericht des IPCC berücksichtigt, vorhergesagt hatten. Jochem Marotzke und Piers M. Forster erklären die Erwärmungspause nun mit zufälligen Schwankungen, die sich durch die chaotischen Prozesse im Klimasystem ergeben. Noch wichtiger für die beiden Forscher und ihre Kollegen weltweit: Konzeptionelle Fehler in den Modellen haben die Forscher nicht gefunden. Vor allem reagieren sie nicht prinzipiell zu empfindlich auf eine Erhöhung des Kohlendioxid-Gehalts in der Atmosphäre.

„Die Behauptung, dass die Klimamodelle die Erwärmung auf Grund der zunehmenden Treibhausgaskonzentration systematisch überschätzen, ist unzutreffend“, sagt Jochem Marotzke. Genau diese Behauptung stellen Klimaskeptiker auf und führen die Erwärmungspause als Beleg an. Sie ficht dabei nicht an, dass Forscher im neuen Jahrtausend neun der zehn wärmsten Jahre seit Beginn der systematischen Klimabeobachtungen gemessen haben, die Erderwärmung also auf sehr hohem Niveau pausiert. Die Zweifler blenden auch aus, dass die Temperatur in den Ozeanen nach wie vor genauso stark ansteigt, wie es viele Modellrechnungen prognostizieren.

Folgt: „Im Großen und Ganzen stimmen simulierte Trends und Beobachtungen gut überein“