Klimawandel global

Die Kohle muss im Boden bleiben. Rezension von Naomi Kleins Die Entscheidung. Kapitalismus vs. Klima

Gastbeitrag von Uwe Dörwald, schwarz-auf-weiss.org

Am 07.08.2015 veröffentlichte die Nachrichtenagentur Reuters unter dem Titel „The reality of global warming: We’re all frogs in a pot of slowly boiling water“ einen Beitrag zum Thema Klimawandel . Darin finden sich Fakten wie zum Beispiel die bis jetzt messbare Erwärmung, der langfristige Trend der Temperaturentwicklung an Land und über dem Wasser sowie eine Statistik über die wärmsten Jahre seit 1880. Roz Pidcock stellte in seinem Beitrag fest „it’s clear that as temperature rises, so do the risks“ und er kommt zu dem Schluss: „The science is solid enough that whatever we choose, we can’t tell future generations that we didn’t know the risks (of global warming).“

In der gleichen Woche, in der Reuters seinen Artikel publizierte, war der Autor dieser Kritik am Rhône-Gletscher und hat sich mit eigenen Augen angeschaut, was der Klimawandel bedeutet. [note Schwund der Zunge des Rhonegletschers: Die Gletscherstirn, welche um 1900 noch den Talboden hinter der Ortschaft Gletsch erreicht hatte, schmolz bis 2008 so weit ab, dass man von diesem Standort aus kaum mehr Eis erkennen konnte. – Swisseduc.ch/glaciers online lässt auf seiner Seite die beiden Fotos zur Deckung kommen.]

Irreversible Kippschalter

Sieht man das Schmelzen des Gletschers und auch vieler anderer Gletscher, bleibt man einigermaßen traurig, aber auch ein wenig zornig zurück: Traurig über den Verlust eines erhabenen Teils der Natur, zornig über den Schlaf der politischen Entscheidungsträger, die viel zu wenig gegen den Klimawandel tun. Die Auswirkungen des Klimawandels sind sichtbar und signifikant. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die fundierte wissenschaftliche Erkenntnis, dass es im Klima- wie im Ökosystem Kipp-Punkte gibt, hinter die man nicht mehr zurück kann, wenn sie einmal überschritten sind1. Das macht die Differenz zu anderen Krisen aus. Ein Weg zurück ist ab einem bestimmten Punkt nicht mehr möglich.

Naomi Klein zitiert in ihrem Buch „Die Entscheidung. Kapitalismus vs. Klima“ (siehe solarify.eu) eine kanadische Studentin, die auf der Klimakonferenz 2011 in Durban mit Blick auf die staatlichen Unterhändler meinte: „Ihr verhandelt schon mein ganzes Leben lang.“ Seit mindestens zwei Jahrzehnten, so die zitierte College Studentin, beratschlagen die Regierungen der Welt darüber, wie man den Klimawandel aufhalten kann und in dieser Zeit wurden Ziele verfehlt und Versprechen gebrochen.

Diesem Statement kann man sich anschließen, zumal Klein in ihrem Buch immer wieder darauf hinweist, dass politische Entscheidungsträger der Wirtschaft und dem Finanzwesen wesentlich näher stehen, als sich konsequent um das Klima zu kümmern – insbesondere während der Wirtschaftskrisen „steht der Klimawandel nicht auf der Agenda“ (225). Da wird weiterhin an den Lehren und Rezepten des Neo-Liberalismus festgehalten: Privatisierung im öffentlichen Sektor, Deregulierung des Unternehmenssektors, Senkung der Steuern und Einschnitte bei öffentlichen Aufgaben und Leistungen. Staaten schwächen sich durch Abhängigkeiten von der Wirtschaft selbst, aber auch durch den „Fetisch der Konsenspolitik“ (34), die im Falle des Klimawandels wichtige Entscheidungen verzögert, und können, weil sie abhängiger von Konzernen werden, kaum noch grundlegende Entscheidungen treffen. Demokratien, so die Autorin, sind dem zerstörerischen Einfluss der großen Konzerne, insbesondere der Konzerne der Fossil-Industrie, ausgeliefert.

Folgt: Einflussreiche Leugner