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Klaus Vajen, Uni Kassel: Solare KWK nicht durch Fossil-Förderung verhindern

Professor Klaus Vajen von der Uni Kassel unterstreicht laut BSW-Mitteilung: „Insbesondere im Sommerhalbjahr stehen uns durch Solarthermie und Photovoltaik Sonnenenergie im Überfluss zur Verfügung. Es wäre sehr schädlich für die Energiewende insbesondere im Wärmesektor, wenn diese ’solare Kraft-Wärme-Kopplung‘ durch staatliche Fördermaßnahmen für fossile Energien benachteiligt und verhindert würde. Auf das ganze Jahr gesehen können sich solare und fossile Kraft-Wärme-Kopplung hingegen hervorragend ergänzen.“

Eine KWK-Förderung im Sommer führe dazu, dass die begrenzte Wärmelast in den Wärmenetzen durch KWK-Wärme besetzt werde und keine Kapazitäten zur Aufnahme Erneuerbarer Energien mehr vorhanden seien. Damit würde die fossil erzeugte KWK-Wärme den Markt zulasten Erneuerbarer Energien verstopfen und dem Stromsystem Flexibilität rauben.

Die Energieexperten fordern vom Bundestag, den Gesetzesentwurf dahingehend zu überarbeiten, dass die Förderung von Strom aus neuen KWK-Anlagen nach einem Übergangszeitraum ab dem Jahr 2018 auf die Heizperiode konzentriert wird, um den interessierten Kommunen und Stadtwerken den Einstieg in solare Fernwärme zu erleichtern. Den Betreibern fossil befeuerter KWK-Anlagen würde durch die Konzentration der Förderung auf die Heizperiode kein wirtschaftlicher Nachteil entstehen. Für die Energiewirtschaft bietet die verstärkte Integration Erneuerbarer Energie in die Wärmeversorgung verlässliche wirtschaftliche Perspektiven und ein hohes Maß an Kostensicherheit, denn sie ist unabhängiger von der künftigen Entwicklung der Brennstoffpreise und vom volatilen Strommarkt.

Derzeit beruht die Wärmeversorgung in Deutschland ganz überwiegend auf Erdgas, Erdöl und Kohle. Dadurch besteht eine große Abhängigkeit von Energieimporten. Zudem sind in den letzten 25 Jahren die Wärmekosten stärker angestiegen als die Stromkosten, was zu erheblichen Belastungen von Verbrauchern und Wirtschaft geführt hat. Haushalte müssen deutlich mehr Geld für Wärme aufwenden als für Strom.

VIK: Verschenkte Potenziale und höhere Kosten – hochgradig widersprüchlich

Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) sieht den Entwurf zur Überarbeitung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes kritisch. Insbesondere bemängelt der VIK die Schieflage zwischen einer Beschränkung der Förderung auf Anlagen der öffentlichen Versorgung bei gleichzeitig höheren Kosten für die Industrie. Der VIK, der industrielle und gewerbliche Energieverbraucher vertritt, fordert daher: Die zukünftige KWK-Förderung sollte, wie bisher auch, diskriminierungsfrei erfolgen und muss eine weitere Belastung des Industriestandorts Deutschland vermeiden.

„Die Umsetzung dieses Entwurfs würde komplett an der Realität vorbeigehen“, kommentiert Barbara Minderjahn, Geschäftsführerin des VIK. „Mit grobschneidigen und diskriminierenden Förderkriterien werden große CO2-Einsparungsmöglichkeiten in der Industrie einfach verschenkt. Die industrielle KWK wird weitgehend von der Förderung ausgeschlossen, die Unternehmen werden aber gleichzeitig mehr zur Kasse gebeten. Diese Doppelbelastung ist insbesondere vor dem Hintergrund der großen KWK-Ausbaupotenziale im industriellen Bereich hochgradig widersprüchlich.“

Das Potenzial, per KWK kostengünstig Treibhausgase in der Industrie einzusparen ist groß. Der Wärmebedarf der Industrie wird auch im Jahr 2030 noch bei ca. 200 TWh liegen. Dies entspricht dem Wärmebedarf von etwa 20 Millionen Privathaushalten, also einer Größenordnung, die realistisch gesehen nicht aus erneuerbaren Energieträgern gedeckt werden kann. KWK-Anlagen bieten für die notwendige Energieerzeugung den bei weitem effizientesten Weg, denn sie nutzen einen großen Teil der ansonsten verlorengehenden Wärme für die Stromerzeugung. Das Ergebnis: Der CO2-Ausstoß wird gegenüber der getrennten Erzeugung um 25 % abgesenkt.

„Die Reform des EEG im vergangenen Jahr führte bereits zu einer Belastung der industriellen Eigenstromerzeugung mit der EEG-Umlage“, ergänzt Barbara Minderjahn. „Dies war einer der wesentlichen Gründe, warum schon 2014 im industriellen Bereich kein nennenswerter Neubau von KWK-Anlagen mehr stattfand. Die vorgesehene Einschränkung der Förderung unterstützt diesen Negativtrend, anstatt ihm entgegenzuwirken. Dazu kommen Mehrkosten für Industrie und Gewerbe von bis zu 330 Mio. Euro. So werden nicht nur die erheblichen KWK-Potenziale in der Industrie nicht genutzt, es wird auch die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie weiter verschlechtert.“

Zum Hintergrund erläuteret der VIK: „Der KWKG-Entwurf sieht unter anderem einen Umstieg vom bisherigen Ausbauziel (25 % KWK-Anteil an der Nettostromerzeugung) auf einen KWK-Anteil von 25 % an der regelbaren Stromerzeugung vor, was effektiv einer Minderung des KWK-Ausbauziels gleichkommt. Ebenso soll eine Beschränkung der KWK-Förderung auf Anlagen in der öffentlichen Versorgung erfolgen. Für selbst verbrauchten Strom im Bereich der Industrie soll es weitestgehend keine Förderung mehr geben.“

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