Sellerie und Strom

Modell einer APV-Anlage, unter der der Einsatz von landwirtschaftlichen Maschinen möglich ist - Bild © Fraunhofer ISE

Modell einer APV-Anlage, unter der Einsatz von landwirtschaftlichen Maschinen möglich ist – Bild © Fraunhofer ISE

Unter diesem Titel weist Manuel Fischer in der Schweizer Bauernzeitung logoBauernzeitung (Schweiz) auf ein Thema hin, über das schon lange geredet wird: Agrophotovoltaik (APV). Auf einem süddeutschen Acker unweit des Bodensees sollen Sellerie, Salat oder Zwiebeln geerntet und gleichzeitig Strom aus einer Photovoltaik-Anlage gewonnen werden.

Im Landkreis Sigmaringen unweit des Bodensees entsteht bei der Hofgemeinschaft Heggelbach Deutschlands erste „echte” APV-Freiflächenanlage – Landwirtschaft und Sonnenenergie sollen auf derselben Fläche stattfinden. Das Testfeld wird vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) wissenschaftlich begleitet. Zur Zeit läuft das Baugenehmigungsverfahren.

Der Baubeginn ist für Juli 2016 geplant, und wenn alles planmäßig läuft, könnte im September mit einem Tag der offenen Tür die Eröffnung gefeiert werden. Passenderweise finden zu dieser Zeit auch die Energiewendetage in Baden-Württemberg statt. In ungefähr 5,5 Metern Höhe sollen über einer Fläche, die ungefähr zwei Drittel eines Norm-Fussballfeldes entspricht, PV-Module für eine 190 kWp leistungsstarke APV-Anlage aufgeständert werden. Bereits Ende Februar können sich Interessierte im Internet unter Stephan Schindele - Foto © FONA, Fraunhofer ISEagrophotovoltaik.de über das innovative und deutschlandweit einmalige Projekt informieren. „Auf der Homepage wollen wir dann auch ein Kurzvideo vom Bau der Anlage einstellen, um den Fortgang des Projekts zu dokumentieren“, sagte Projektleiter Stephan Schindele vom Fraunhofer ISE. Nach: suedkurier.de

Agrarwissenschaftliche, sozialpolitische, ökonomische und ökologische Analysen begleiten das Projekt ebenso wie die Frage nach Möglichkeiten der Einbindung der Bedürfnisse und nicht zuletzt der kreativen Potenziale lokaler Stakeholder in die Technologieentwicklung. Ein Schwerpunkt ist dabei der Feld- und Gemüsebau. In vier Arbeitsschwerpunkten sollen Detailfragen erörtert werden:

  1. die agrarwissenschaftliche Erkenntnis aus der Doppelnutzung
  2. Einfluss der APV-Anlage auf die Biodiversität vor Ort
  3. energiewirtschaftliche Fragen der Stromerzeugung, wann und wie viel produziert wird
  4. in anderen Landwirtschaftsbetrieben sollen verschiedene Solarmodul- und Montagetypen evaluiert werden.

Folgt: Projekte in  Frankreich, Italien und Japan

Projekte in  Frankreich, Italien und Japan

Im Bodenseekreis betrug der Anteil Erneuerbarer Energien am Stromverbrauch 2013 ca. 12 %, während er im Bundesdurchschnitt bei 25,5 % lag. Ein Grund hierfür sind unter anderem die Probleme, die bei anderen Formen Erneuerbarer Energiegewinnung entstehen: Beispielsweise sind Windkraftanlagen sehr umstritten, da sie den Alpenpanoramablick stören könnten, und das Biogaspotenzial ist aufgrund der Obst- und Hopfenanbaugebiete gering. APV könnte hier eine zukunftsträchtige und nachhaltige Lösung darstellen, mit hoher Übertragbarkeit auf andere Regionen. Das technisch erschließbare APV-Potenzial in Deutschland wird auf 25 bis 50 GWp geschätzt. Zum Verhältnis: Ende 2014 waren in Deutschland ca. 39 GWp PV-Nennleistung installiert, davon ca. 9 GWp auf Acker- und Konversionsflächen.Konzept einer Agrophotovoltaik-Anlage - Bild © Fraunhofer ISE

Manche Feldfrüchte wachsen unter APV schneller

Erste Studien des Fraunhofer ISE legen nahe, dass bestimmte Feldfrüchte, wie z.B. Kartoffeln oder Salat, mit verringerter Sonneneinstrahlung sogar besser wachsen. Grundsätzlich sind zeitlich gemittelt gleichmäßige Einstrahlungsverhältnisse unter APV-Anlagen möglich. Da entsprechende Projekte vornehmlich durch Landwirte, Gemeinden und kleine und mittlere Unternehmen ins Leben gerufen würden, könnte die APV damit das lokale Unternehmertum unterstützen und so die Wertschöpfung in der Region sowie die ländliche Entwicklung fördern.

Eignung von Pflanzen für Agro-PV - Grafik © Fraunhofer ISE

Ähnliche Projekte sind bereits in Frankreich (Universität Montpellier), Italien und Japan in Gang gesetzt worden. Aufgrund der rasanten Kostendegression für PV-Module – in Süddeutschland lässt sich schon heute für weniger als 10 Eurocent pro Kilowattstunde Solarstrom erzeugen – könnten ab 2020 neue Investoren auf den Plan treten, die ohne Inanspruchnahme staatlicher Förderung das PV-Geschäft weiter vorantreiben würden. Schindeles Prognose: „Dann werden die Gestehungskosten so niedrig sein wie für kaum eine andere Anlage zur Stromerzeugung.”

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