Kopernikus wird konkret

Der Auswahl-Prozess

Schlögl erläuterte den Auswahl-Prozess: Man habe im Beirat nicht einzelne Projekte oder Arbeitspakete ausgesucht, “sondern eine Gruppe von Kollegen auf die Reise geschickt, von der man zwar den Startpunkt, nicht aber das Ende sah”. Daher seien “Themenkorridore definiert worden, die so bearbeitet werden sollen, dass am Ende eine tragfähige Lösung herauskommt, die hilft, die Probleme der Energiewende zu beseitigen”. Bei Kopernikus habe man nicht, wie üblich, genau definieren können, was und wie geforscht werden solle. “Die Definition ist Teil des Projektes – oft gibt es mehr als eine einzige Lösung: die verengen sich aber im Lauf der Zeit – man muss nur darauf achten, nicht im eigenen Saft in vorgegebenen Schemata zu schmoren”. Es komme darauf an, über den Tellerrand zu blicken: “Orthogonale Denklinien müssen vorkommen”.

Zivilgesellschaftliche Einbindung

Ein Thema war die Beteiligung zivilgesellschaftlicher Organisationen. Bei Kopernikus gehe es nicht darum, zuerst eine Lösung zu finden und diese “dann geschickt der Öffentlichkeit zu verkaufen”, sondern die Öffentlichkeit müsse schon am Tag eins an der Lösungssuche beteiligt werden. In allen Projekten sei daher die Zivilgesellschaft beteiligt, das werde zu den “orthogonalen Denklinien” beitragen. Der Prozess der Einbindung der Zivilgesellschaft laufe allerdings noch.

WWF LogoGermanWatch_logoDas Forschungsforum Energiewende habe German Watch, den WWF, und andere beteiligt; aber man habe bewusst entschieden, im Rahmen von Kopernikus kein zivilgesellschaftliches Einzelprojekt aufzulegen, denn die Integration der zivilgesellschaftlichen Akteure sei ein Teil der Lösungsfindung. Das von dort ursprünglich geforderte fünfte Projekt zum Thema Ressourcennutzung habe man erst einmal nach hinten geschoben, weil es noch nicht so weit gereift gewesen sei. Schlögl: “Die zivilgesellschaftlichen Institutionen sind gut mit dabei. Zum Beispiel wird die Einschränkung der allgemeinen Verfügbarkeit aller Güter für alle ein Diskussionsthema sein”. Dazu seien die einzelnen Konsortien ohnehin interdisziplinär vernetzt, es müssten Menschen an einen Tisch kommen, die normalerweise nicht miteinander sprächen – dazu gehöre auch ein aktives Konfliktmanagement bis zur Lösungsfindung.

Prof. Robert Schlögl - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur ZukunftSchlögl: “Die Projekte wurden in einem dreijährigen Prozess vorbereitet. Im Ausschreibungsverfahren wurden Kriterien für die Konsortien in einen Fragebogen umgesetzt; die bewerteten internationale Gutachter, die an den Projekten nicht beteiligt waren – es war gar nicht so einfach, die zu finden – jedes Projekt wurde von mindestens zwei Gruppen beurteilt und mittels Schulnoten bewertet. Der Beirat gab den Konsortien dazu Empfehlungen für neue Partner mit auf den Weg – wir haben Heiratsvermittler oder Katalysator gespielt. Es gibt immer noch mehrere hundert sehr gute Ideen, die nicht in die Konsortien passten – die bekommen aber Spezialförderungen. Der Beirat wird die weiter ‘aussieben’.” Die Ergebnisse sollen industriell umgesetzt werden. BMWi und BMUB sind beteiligt. Ziel der einzelnen Projekte sei „ein Demonstrator, den Sie dann auch auf der grünen Wiese sehen können“.

Schlögl sprach über seine Herkunft von der Max-Planck-Gesellschaft und die Verlinkung derselben mit den Kopernikus-Projekten: Grundlagenforschung sei nicht anwendungs- sondern neugiergetrieben. Insofern entspreche das Profil der Kopernikus-Projekte nicht exakt dem der MPG – doch in allen Kopernikus-Projekten seien Universitäten eingebunden, diese wiederum ihrerseits mit Einbindung von Max-Planck-Institutionen.

Akademienprojekt - Embleme_LogosNach dem Verhältnis von Kopernikus zum Forschungsforum Energiewende und dem Akademien-Projekt ESYS (Energiesysteme der Zukunft) gefragt, wies Schlögl darauf hin, dass dort sehr unterschiedliche Meinungen möglich seien, bei Kopernikus solle jeweils auf eine konkrete Lösung hin gearbeitet werden. Es gebe aber eine enge Verknüpfung. Die Erkenntnisse aus Kopernikus flössen zurück ins Akademien-Projekt. Schlögl: “Das Akademien-Projekt forscht an systemischen Aspekten der Energiewende als eine Art Metaebene – Kopernikus arbeitet praktisch.”

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