Atommüll-Forschung tut not

Diskussion über Forderung aus dem Abschlussbericht der Atommüllkommission

Am 21.09.2016 traf sich auf Einladung von Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel eine Diskussionsrunde in der niedersächsischen Landesvertretung und diskutierte über die im Abschlussbericht der Atommüllkommission geforderte Neuausrichtung der Forschung.wenzel-kanitz-miersch-schwarz-schoenberger-mez-hocke-foto-gerhard-hofmann-agentur-zukunft-fuer-solarify

Mit der Vorlage ihres Berichts am 05.07.2016 (siehe: solarify.eu/endlager-kommission-mit-endbericht) hat sich die Atommüllkommission Atomendlagerbericht - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft für Solarifyauch für eine Neuausrichtung der Forschung ausgesprochen. Forschungsschwerpunkte sieht sie dabei in der Untersuchung von Wirtsgesteinsvorkommen, der Entwicklung von wirtsgesteins-spezifischen Sicherheits- und Nachweiskonzepten sowie in der Entwicklung von Referenzkonzepten für die Standortauswahl; dabei sind Vorkehrungen zur Fehlerkorrektur inklusive der Rückholbarkeit und Bergbarkeit von Atommüll einzuschließen. Als Forschungsschwerpunkt aus zubauen sind nach Auffassung der Kommission zudem sozialwissenschaftliche und sozio-technische Aspekte.

diskussion-ueber-atommuell-forschung-foto-gerhard-hofmann-agentur-zukunft-fuer-solarifyWie kann die Kompetenz von Vorhabenträger und behördlicher Aufsicht gewährleistet werden? Welche
Lehren gilt es aus der Vergangenheit zu ziehen? Wie kann die Zivilgesellschaft Einfluss auf Forschungsziele nehmen? Wie kann der jeweils aktuelle Stand von Wissenschaft und Forschung über lange Zeiträume sicher gestellt werden? Wie kann Unabhängigkeit und Transparenz gewährleistet werden?

Alle Redner und Diskussionsteilnehmer begrüßten den Endlagerbericht als Durchbruch, vor allem die Bürgerbeteiligung – nötig sei aber auch eine Forschungswende. In seinem Impulsvortrag “Status Quo und künftige Anforderungen” beklagte peter-hocke-kit-foto-gerhard-hofmann-agentur-zukunft-fuer-solarifyPeter Hocke (KIT), Deutschland habe Nachholbedarf in der Forschung über Atommüll – erst in letzter Zeit habe sich das leicht zum Positiven geändert, kümmere aber insgesamt immer noch auf Sparflamme dahin. Unterkomplexität herrsche vor allem auf der sozialen Seite. Ein bisschen etwas geschehe zur Risikoforschung, aber das Thema Anwendung komme kaum vor und finde entsprechend wenig Aufmerksamkeit. Sehr eng geführt gewesen sei denn auch die Forschungsförderung durch die großen Häuser des Bundes.

Endlager-Kommission - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur ZukunftErst kürzlich habe sich etwas getan: Die Endlager-Kommission habe Einiges klar angesprochen. Die Frage “was wissen wir denn genau?” oder “was hilft uns das bei der Suche?” kann aber immer noch kaum beantwortet werden – der Grund: Personalmangel. Ergänzend zur anwendungsorientierten Forschung müsse unabhängige, qualitativ hochwertige, akademische Forschung inklusive Dialog mit den Stakeholdern und der interessierten Öffentlichkeit eingeführt werden. Die kritische und skeptische Öffentlichkeit erwarte Aussagen. Zum Thema Nachwuchs und Kontinuität: “Wenn wir ehrlich sind: Sehr gut ist die Lage nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir einfach so weitermachen. Wir bilden in diesem Gebiet zu wenig aus.”

Wir bräuchten…

  • mehr unabhängige Forschung
  • Impulse von außen
  • soziotechnische Forschung
  • sicherheitstechnische Forschung
  • Grundfinanzierungen, man braucht ein Wissenschaftszentrum
  • nachhaltige Lösung der Personal- und Ressourcennot
  • Forschungswende in der Energieforschung

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