“Quaschning watscht Baake ab”

Deutsche Klimapolitik wird Klimagrenze überschreiten – Schellnhuber unterstützt Kritik

Sandra Enkhardt - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunftvon Sandra Enkhardt, pv magazine logopv magazine
-mit freundlicher Genehmigung-

International verspricht die deutsche Bundesregierung wirksame Klimaschutzmaßnahmen und lässt sich gern als Vorreiter im Klimaschutz titulieren. Doch mit der aktuellen Energiepolitik ist das unmöglich einzuhalten. In einem Vortrag beim 3.Bürgerenergie-Konvent erläuterte Volker Quaschning - Foto © HTW-BerlinProf. Volker Quaschning am 22.09.2016 dem anwesenden Staatssekretär für Energie, Rainer Baake, die Fehlentwicklungen der deutschen Energiepolitik und den nötigen Änderungsbedarf für eine funktionierende Energiewende. Qauschning wies daraufhin, dass die Energiewende in Deutschland erst 2150 vollendet wäre und die 1,5-Grad-Klimagrenze weit überschritten würde.
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Energie-Staatssekretär Rainer Baake - Foto © Gerhard Hofmann Agentur ZukunftVolker Quaschning, unermüdlicher Verfechter der Energiewende, rieb Baake die aktuellen Fehlentwicklungen der deutschen Energiepolitik persönlich unter die Nase. Während sich die Bundesregierung international gern als Vorreiter bei Energiewende und Klimaschutz gibt, reicht die derzeitige Politik nicht aus, die Versprechen einzuhalten. Bis 2040 sei eine CO2-freie Energieversorgung notwendig, wenn man die Ziele bei der Erderwärmung erreichen wolle. „Davon ich in der deutschen Politik noch nichts gehört“, sagte Quaschning. Während es im Stromsektor in den vergangenen Jahren einige Erfolge gegeben habe, liege der Anteil der Erneuerbaren über alle Sektoren gerechnet erst bei zwölf Prozent. Wenn diese Politik fortgesetzt werde, werde Deutschland erst im Jahr 2150 die Energiewende abschließen können.

Videeo mit Quaschnings Vortrag beim 3.Bürgerenergie-Konvent:

„Wir liegen so dermaßen daneben, wenn wir das Klimaziel von 1,5 Grad erreichen wollen“, sagte Quaschning weiter. Es gehe nicht um kleine Korrekturen, sondern um erhebliche Änderungen, wie einen raschen Kohleausstieg und einen deutlich stärkeren Ausbau der erneuerbaren Energien in allen Sektoren – Strom, Wärme und Verkehr. Dazu hatte Quaschning bereits im Juni eine Studie der HTW Berlin vorgestellt. Für eine konsequente Energiewende seien demnach bis 2040 in Deutschland 400 GW PV notwendig. (Derzeit liegt die installierte Photovoltaik-Leistung in Deutschland bei 40 Gigawatt). Die Ergebnisse dieser Studie schlug er nun auch Baake um die Ohren.

Er forderte von der Bundesregierung eine „Energierevolution“, bei der die Menschen mitgenommen würden, und die nicht gegen sie gestaltet werde. „Gegeneinander werden wir die Welt nicht retten können, deswegen sollten wir es gemeinsam versuchen“, sagte Quaschning in Richtung Baake. Die Energiekonzerne hätten nicht das Geld, um die Energiewende in Deutschland zu stemmen. Die Bürger, die aus Sicht der Regierung wahrscheinlich wie Zwerge wirkten, doch „wir sind ganz, ganz viele Zwerge“. Die mehr als 81 Millionen Menschen in Deutschland verfügten über ein Geldvermögen von über 5000 Milliarden Euro. „Wir können die Energiewende vom Sparbuch bezahlen“, sagte Quaschning weiter. Er fügte in Richtung Baake hinzu: „Nehmen sie doch dieses Engagement an und lassen sie die Bürger doch die Anlagen bauen.“

Schellnhuber hieb in gleiche Kerbe

zeit-verlagsgruppe-logoZur Seite sprang Quaschning am 29.09.2016 bei der Zeit-Konferenz Energie & Klimaschutz in Berlin PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber. „Deutschland ist in einer sehr schizophrenen hans-joachim-schellnhuber-bei-zeit-konferenz-energie-klimaschutz-foto-phil-dera-fuer-die-zeitSituation, wir haben sehr viel richtig gemacht, aber jetzt scheint es, als fehle uns nach Paris der Punch“ Und: „Es muss der unmittelbare Kohleausstieg stattfinden, sonst werden wir auf der internationalen Bühne nicht ernstgenommen”, sagte er. Schellnhuber begrüßte zwar die Einigung im Rahmen der Pariser Klimakonferenz, doch schon bei 1,5 bis 2 Grad Erderwärmung seien gravierende Klimafolgen nicht ausgeschlossen: “Selbst mit Umsetzung der Klimaziele sind wir im Risikobereich.” Nun sei es notwendig, mit “Hochgeschwindigkeit gesellschaftliche Veränderungen” umzusetzen, schon alleine wegen der nachfolgenden Generation. Der Wissenschaftler zeigte sich persönlich betroffen: „Ich trage die Last des Wissens.“ An manchen Tagen wache er auf und sei verzweifelt, an anderen Tagen glaube er, „wir schaffen das“. Wirtschaftskraft, Intelligenz und Technologie seien heute vorhanden, um den Klimawandel zu bekämpfen. „Alles was wir dazu brauchen, ist der politische Wille.“

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