Umverteilungen zwischen den Letztverbrauchern

Auswirkungen einer bundesweiten Vereinheitlichung von Netzentgelten auf Übertragungsnetzebene berechnet

Eine Untersuchung von ewi Energy Research & Scenarios aus Köln quantifiziert erstmals die Auswirkungen einer bundesweiten Vereinheitlichung der Übertragungsnetzentgelte auf die Netzentgelte und Letztverbraucher für die Übertragungsnetzebene und nachgelagerte Netzebenen.

Eine Vereinheitlichung der Netzentgelte auf Übertragungsnetzebene führt zu einer teils deutlichen Veränderung der Entgeltbelastung für Letztverbraucher. Während die Belastung in den Netzgebieten von Amprion und TransnetBW steigt, sinkt sie in den Netzgebieten von 50Hertz und Tennet. Die Folge sind Umverteilungen zwischen den Letztverbrauchern der Netzgebiete. Die Auswirkungen sind umso größer, je höher die Spannungsebene, an der die Letztverbraucher angeschlossen sind.

Die Berechnungen, in der durch die Amprion GmbH beauftragten Studie, ergeben für das Jahr 2015 merkliche Veränderungen der Belastung für Letztverbraucher (Industrieunternehmen) auf der Höchstspannungsebene. So stehen, je nach Letztverbraucher und Netzgebiet, Steigerungen von bis zu 31 % Senkungen von bis zu 14 % gegenüber. Dies entspricht einer Veränderung der Netzentgeltbelastung von bis zu +1,8 beziehungsweise -1,1 Millionen Euro. Auf der Niederspannungsebene werden Zunahmen von bis zu 2,6 % und Abnahmen von bis zu 1,3 % errechnet. Für Haushalte bewegen sich die Be- und Entlastungen damit im einstelligen Euro-Bereich.

2017 verstärken sich diese Effekte. Auf der Höchstspannungsebene steigen die Netzentgelte um bis zu 72 % und sinken um bis zu 28 %. Die Zu-und Abnahmen der Netzentgeltbelastung für Industrieunternehmen erreichen damit bis zu +5,1 beziehungsweise -4,8 Millionen Euro. Auf der Niederspannungsebene steigt die Entgeltbelastung für Haushalte um bis zu 6 % (+11 Euro) und sinkt anderweitig um bis zu 3 % (-9 Euro). Die Berechnungen stützen sich für das Jahr 2015 auf die veröffentlichten Abnahmedaten des Jahres 2015. Analog gilt dies, unter Fortschreibung der historischen Entwicklung, für das Jahr 2017.

Laut Studienleiter Dr. Joachim Bertsch, Manager bei ewi ER&S, zeigt die Analyse, dass eine Vereinheitlichung der Netzentgelte auf Übertragungsnetzebene Netzkosten zwar gleichmäßiger zwischen Letztverbrauchern und Netzgebieten verteilt. Dr. Bertsch betont aber: „Die grundlegenden, strukturellen Probleme der aktuellen Netzentgeltsystematik werden durch eine Vereinheitlichung nicht gelöst. Eine Vereinheitlichung sollte daher im Kontext mit anderen Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Netzentgeltsystematik betrachtet werden. Hier be-steht noch weiterer Forschungsbedarf. Eine Bewertung der resultierenden Verteilungseffekte muss im politischen Diskurs erfolgen.“

Über ewi Energy Research & Scenarios: ewi Energy Research & Scenarios ist gemeinnützig und versteht sich als Wissensfabrik mit dem Ziel, neues Wissen über zunehmend komplexe Energiemärkte zu schaffen, zu verbreiten und nutzbar zu machen. Im Fokus steht dabei die Ökonomik Europäischer Strom- und Gasmärkte.

->Quelle: ewi.research-scenarios.de/Kurzstudie_ewi_ERS_Netzentgelte.pdf