Erneuerbar, digital und dezentral

Smart Renewables-Konferenz: Über Energiegesetze, Startups und Zukunft der Energieriesen

Eine “Verjüngungskur für Dinosaurier der Energiewirtschaft”, sah Nicole Weinhold (Erneuerbare Energien) in der BDEW-Konferenz “Smart Renewables 2017” in Berlin vom 22. bis 23.02.2017. Zu Beginn sah Kanzleramtsminister Altmaier (CDU) den Klimaschutzplan 2050 noch keineswegs unverändert in Kraft. Die politische Entscheidung für den BMUB-Plan sei nur deshalb zustande gekommen, weil er als Chef BK allen Beteiligten zugesichert habe, dass nach der Wahl darüber noch einmal diskutiert werde. Keineswegs sei ausgemacht, dass es bei den aktuellen Sektorzielen bleibe, so Altmaier.

Klimaschutzplan 2050 - Diskussionsbeitrag des UBA  -Titel © UBA[note Ziel des Klimaschutzplans ist eine nationale CO2-Minderung bis 2030 um 55 Prozent und bis 2050 um 80 bis 95 Prozent. Dazu stehen lange Zeit umstrittene sektorspezifische Minderungsziele bis zum Jahr 2030 im Plan, zum Beispiel 61 bis 62 Prozent für die Energiewirtschaft, 66 bis 67 Prozent für Gebäude und 40 bis 42 Prozent für den Verkehr.]

Start-ups Problemlöser der Energiewende oder überschätzter Hype?

Bei den Smart Renewables 2017 wurden neue Entwicklungen der Energieversorgung diskutiert, denn diese wird nicht nur erneuerbar, sie wird auch digital und dezentral. Diese drei Entwicklungen stellen die Energiebranche vor enorme technische und unternehmerische Herausforderungen, bieten aber gleichzeitig Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle für Start-ups und ziehen natürlich auch Veränderungen der Kundenansprüche nach sich. Sind die Start-ups aber Problemlöser der Energiewende oder nur Anzeichen eines überschätzten Hypes? So die übergeordnete Fragestellung bei einer der Podiumsdiskussionen  im Rahmen der Smart Renewables. Moderation Maren Petersen vom BDEW befragte dazu Kai Morgenstern vom RKW-Kompetenzzentrum zunächst, was eine Fuck-up-Night ist: “Da stehen dann einige auf und erzählen, warum sie gescheitert sind.” Scheitern als Erfolgsstory. “Die Energiewirtschaft war früher Infrastrukturwirtschaft. Jetzt wandelt sie sich langsam zu einer Konsumwirtschaft”, so Morgenstern, das verlange nach neuen Unternehmensstrategien. Dirk Bessau, KIC InnoEnergy Germany GmbH, gab zunächst seine Definition von einem Start-up: “Start-ups bringen ein komplett neues Geschäftsmodell an den Start und sind nicht älter als fünf Jahre.” Die Moderatorin wollte dann wissen, warum bei der neuen E&Y-Erhebung von 100 Start-ups nur eines aus dem Energiebereich kommt (Platz 36). dena-Chef Andreas Kuhlmann dazu: “Wir sind in einer festgefahrenen Situation: wie passen auf ein altes System neue Strukturen drauf in einer sich verändernden Energielandschaft? Start-ups bringen Unternehmertum mit sich.” Viele Leute machten sich die verändernde Energiewelt zunutze. “Was sind die Visionen? Die treibende Kraft von diesen Unternehmen bei der Energiewende ist mir wichtig.”

Smart Energy brauche eine smarte Unternehmenskultur: Wie der Wandel in den Energieunternehmen gelingen könne, erklärte Cavin Pietzsch, Geschäftsführer der GE Energy Power Conversion, Berlin: Pietzsch berichtete, GE-Chef Jeff Immelt habe vor einigen Jahren gesagt: “Entweder wir sind 2020 die größte IT-Company, oder uns wird es nicht mehr geben”. Er sei durch Silicon Valley gereist und habe gesehen, was das mit GE zu tun hatte. Werte für die Kunden, so eine Erkenntnis, liegen im Service. “Vorher herrschten Blaumann-Leute bei GE vor. Die fragten, wie soll der Wandel funktionieren? Wir sind keine IT-ler, wir sind Schrauber.” D.h. Google etc. würden GE-Wettbewerber. “Wie sollen wir da gewinnen?” Immelt sei überzeugt gewesen, dass es ein Vorteil sei, sich mit Maschinen auszukennen – denn:”Wir sind eher in der Lage zu lernen, wie man Einsen und Nullen programmiert, als dass die andere Seite sich mit Maschinen auskennt”, so seine Devise.

“Ihr seid zu langsam, ihr müsst aufpassen, dass ihr nicht aussterbt”

Daten seien dann das neue Geschäftsmodell geworden. Die Produktivität wurde gesteigert, in Cloud-Technik investiert und Sicherheit wurde wichtiges Thema. Gleichzeitig fand ein Wandel weg von stark hierarchischen Strukturen statt. “Ich habe in 12 Monaten 4 Umorganisationen erlebt”, so Pietzsch stolz, das sein möglich, weil die Mitarbeiter nicht mehr an Stellenbeschreibungen kleben und weil man innen so arbeitet wie nach außen. Außerdem habe GE die Organisation digital organisiert. Wie digitalisieren wir unsere Produkte? Wie optimierst Du Deine Prozesse durch Digitalisierung? Das waren die entsprechenden Fragen zur Umgestaltung. Immelt habe gesagt: Kultur schlägt Strategie. Statt erst ins Labor gehe man jetzt direkt zum Kunden, um mit diesem Projektsteps zu definieren. “Es gibt kein Leadershiptreffen, wo nicht jemand mit Turnschuhen und T-Shirt vor Ihnen steht, der 20 Mio. auf dem Konto hat, weil er schon ein paar Start-ups aufgebaut und verkauft hat. Wenn der dann zu den alten Managern sagt: Ihr seid zu langsam, ihr müsst aufpassen, dass ihr nicht aussterbt”, habe das Wirkung, so Pietzsch.

Nach Pietzsch ging es weiter mit der Frage, ob die Erneuerbare-Energien-Branche noch die Förderung durch das EEG brauche? Das wollte Moderation Ursula Weidenfeld von   Markus Brogsitter (VSB Neue Energien Deutschland GmbH, Dresden) und Matthias Kunath (envia THERM GmbH, Halle), wissen. Laut Brogsitter werde man so lange weiter einen organisatorischen Rahmen und finanzielle Unterstützung brauchen, wie Börsenstrompreis und Zertifikatehandel am Boden lägen. Kunath erklärte, der Marktwert von Onshore-Wind sei 25 Euro pro MWh. “Für 25 Euro kann ich Wind nicht so produzieren, dass ich Investoren finde. Wir wollen die Regenerativen nicht tot machen.”

Die Moderatorin fragte noch, was sei, wenn weder Sonne noch Wind verfügbar seien. Brauche man ein Gesetz für konventionelle Energie? Einen Kapazitätsmarkt werde es nicht geben, wie mehrfach politisch betont. Kunath verwies auf die letzten Januartage, als 83.000 MW Last am Netz waren, die Regenerativen aber nur 2.000 MW ans Netz brachten. “Entweder wir warten, bis Chaos entsteht, oder… Am Ende wird es so sein, dass wir Kapazitätsmärkte schaffen.” Power-to-gas und Biogas könnten hier Ausgleich schaffen, sind aber derzeit nicht gewollt, zumal reichlich fossile Energien die Netze ohnehin verstopfen. Das Henne-Ei-Phänomen. (Nicole Weinhold mit anderen Informationen)

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