Alternative zu Strom und H2

Regierung vernachlässigt E-Fuels als Kraftstoffe der Zukunft

Die Bundesregierung singt – mit bisher geringem Echo – das hohe Lied der Elektromobilität. Dabei gibt es noch weitere klimaschonende Antriebe: synthetische Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels oder Designerkraftstoffe. Zum Beispiel können Oxymethylenether (OME, siehe: solarify.eu/oxymethylenether), synthetische Verbindungen aus Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff (CH3O(CH2O)nCH3), in einem herkömmlichen Dieselmotor praktisch klimaneutral verbrannt werden. Aufgrund ihres hohen Sauerstoffgehalts wird die Schadstoffbildung bereits im Verbrennungsstadium unterbunden. Laut Experten kommen OME in ihren Eigenschaften dem Idealkraftstoff der Zukunft bisher am nächsten.

Unter Einsatz Erneuerbarer Energien hergestellt könnten E-Fuels den CO2-Ausstoß eines Autos um 70 bis 80 Prozent reduzieren. Doch die Politik setzt unverständlicherweise vorerst voll auf E-Mobilität. Dabei bindet die E-Fuel-Produktion annähernd so viel CO2, wie bei der Verbrennung wieder freigesetzt wird. Ein damit betriebenes Auto fährt quasi CO2-neutral (die Emissionen während der Produktion nicht gerechnet). Zudem braucht es für E-Fuels weder eine neue Tankstellen-Infrastruktur noch neue Motoren. Das kann der E-Antrieb vorerst nicht bieten. Zudem verursacht die Herstellung eines E-Autos durch die Batteriefertigung mehr CO2 als ein klassischer Pkw (siehe solarify.eu/e-autos-umweltfreundlich?) – von Reichweiten, Ladezeiten und -infrastruktur sowie Preisen nicht zu reden.

Die Zeitschrift Auto-Motor-Sport rechnet vor: “Selbst wenn ab heute nur noch reine E-Autos verkauft würden, dauerte es rund 20 Jahre, bis der gesamte Pkw-Bestand elektrisch unterwegs ist. In der Praxis ist eher mit 30 bis 40 Jahren zu rechnen. E-Fuels dagegen können schon bei der bestehenden Flotte die CO2-Bilanz verbessern. Und zwar ebenso bei Lkw, Schiffen und Flugzeugen sowie in wirtschaftlich ärmeren Regionen, in denen die E-Mobilität noch nicht angekommen ist.

Carbon2Chem

[note Robert Schlögl, Direktor am Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion (CEC) in Mülheim an der Ruhr, hat vor kurzem das Projekt Carbon2Chem (C2C) initiiert: “Es zielt auf den Transfer grundsätzlich bekannter chemischer Technologien in einen Verbund zur chemischen Energieumwandlung. Mittels Erneuerbarer Energien wird Wasserstoff gewonnen, um CO2 aus der Stahlherstellung in eine Palette von Kraftstoffen und Chemikalien zu überführen. Dadurch wird in den Anwendungsbereichen dieser Produkte fossiles CO2 eingespart. Zudem wird eine nennenswerte elektrische Last zur Regelung von erneuerbarer, elektrischer Energie geschaffen”, so Schlögl bei Projektbeginn. C2C widme sich besonders der Entwicklung des Gesamtsystems aus Stahlwerk, elektrischer Energieerzeugung und chemischer Energieumwandlung.]

Weitere Möglichkeiten sind neben Wasserstoff und E-Gas synthetische Kraftstoffe aus Biomasse: Im sogenannten BTL-Verfahren (Biomass-to-Liquid) wird aus Abfällen und Reststoffen in mehreren Schritten zunächst ein Synthesegas, dann ein Kraftstoff destilliert. Oder das PtL-Prinzip (Power-to-Liquid): In Synthesereaktoren entsteht aus Wasserstoff und CO2 in einem zweistufigen Prozess eine mit Rohöl vergleichbare Flüssigkeit, die dann zu künstlichem Diesel verändert wird, der effizienter und sauberer verbrennt.

Die Entwicklung alternativer und klimafreundlicher Kraftstoffe ist weiter vorangeschritten, als gemeinhin bekannt. Aber noch ist deren Produktion zu teuer, denn die Betreiber zahlen für den bei der Elektrolyse benötigten Strom sämtliche Steuern und Abgaben (evtl. mehr als 80 Prozent Anteil am Strompreis). Hier wäre Handlungsbedarf für die Politik. Auto-Motor-Sport kommentiert: “Doch nach Willen der Politik sollen diese nur bei Flugzeugen und Schiffen zum Einsatz kommen, wie das Bundesumweltministerium auf Anfrage mitteilte. Dabei wären E-Fuels auch für Personenwagen eine gute Übergangslösung bis zur vollständigen Elektrifizierung. Zudem bieten sie eine gute Chance, Schlüsseltechnologien in Deutschland zu verankern – die ansonsten ins Ausland abwandern würden, befürchten Experten.”

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