Voreingenommene Studien stigmatisieren Entwicklungsländer

nature: “Ziehen Sie keine voreiligen Schlüsse über Klimawandel und Bürgerkonflikte!”

Die Wissenschaftszeitschrift nature weist in einem Editorial auf einen Sachverhalt hin, der bisher nicht im Mittelpunkt stand: “Viele Studien, die die globale Erwärmung mit zivilen Unruhen in Verbindung bringen, sind voreingenommen und verschärfen die Stigmatisierung der Entwicklungsländer.”

Die Menschen in Kapstadt, Südafrika, leiden unter einer schrecklichen Dürre, und die daraus resultierende Wasserknappheit könnte die Behörden bald dazu zwingen, die Wasserhähne zu schließen. Könnte es zu Unruhen kommen? Als im Jahr 2015 im Süden Brasiliens ein ähnlicher Mangel auftrat, kursierten Geschichten über die Behörden, die Übungen durchführen, um eine Reaktion auf verzweifelte Menschen vorzubereiten, die die Wasserinfrastruktur angreifen. Und eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie von etwa 1.800 Unruhen in Afrika südlich der Sahara über 20 Jahre hinweg kam zu dem Schluss, dass Dürre tatsächlich zivile Unruhen auslösen kann (C. Almer et al. in J0urnal of Environmental Economics Managementa).

[note Abstract aus Almers Artikel: Es wird oft behauptet, dass ungewöhnlich trockene Witterungsbedingungen kleine soziale Konflikte provozieren, indem sie den Wettbewerb um Wasser verschärfen. Die vorliegende Arbeit untersucht diese Hypothese anhand von Daten aus Subsahara-Afrika. Wir stützen uns auf monatliche Daten auf geographischer Zellebene (0,5×0,5 Grad), ein Ansatz, der auf die kurzlebige und lokale Natur des Phänomens zugeschnitten ist. Indem wir einen Trockenheits-Index als Indikator für Wetterschocks verwenden, stellen wir fest, dass ein Ein-Standard-Abweichungstief im Index (Anzeige trockener Bedingungen) die Wahrscheinlichkeit von Unruhen in einer bestimmten Zelle und einem bestimmten Monat um 8,3% erhöht. Wir stellen weiter fest, dass der Effekt ungewöhnlich trockener Wetterbedingungen in Zellen mit geringerer Verfügbarkeit von Wasserressourcen (z.B. Flüsse und Seen) wesentlich größer ist, was die Bedeutung des Konkurrenzmechanismus um Wasser unterstreicht.]

Rückblickende Analysen werfen zwei Fragen auf – nach Ursache und Wirkung: Hat der Klimawandel das Wetter verändert? Und hat der Wetterumschwung den Konflikt provoziert? Nur ein solides Ja zu beiden kann kühne Behauptungen rechtfertigen, dass die globale Erwärmung Gewalt fördert – und diese Antwort ist in vielen Fällen schwierig, wenn nicht gar unmöglich.

Das hat nicht verhindert, dass solche umstrittenen Behauptungen aufgestellt werden. Vor einem Jahrzehnt gingen die Vereinten Nationen sogar so weit zu behaupten, dass Klimaerwärmung und Wüstenbildung eine der Ursachen für den Darfur-Konflikt im Sudan waren, der 2003 begann und in den fünf Jahren der Revolte bis zu einer halben Million Menschen das Leben kostete. Diese gewagte Behauptung, die sich auf ungenaue Informationen stützt, stieß bei Forschern, die mit der Region vertraut sind, auf scharfe Kritik und völlige Skepsis. Sie löste aber auch ein wachsendes Interesse an der Klima-Konflikt-Forschung aus.

Folgt: Verzerrung der Stichprobenbildung