Solarworld II insolvent

600 Arbeitsplätze bedroht

Auf der Presseseite der Solarworld Industries GmbH sucht man vergebens nach einer Nachricht, die als erster der Bonner Generalanzeiger veröffentlichte: Das Unternehmen des einstigen „Sonnenkönigs“ Frank Asbeck sei „schon wieder pleite“, so die Schlagzeilen. Wie Solarworld am 28.03.2018 bestätigte, hat man beim Bonner Amtsgericht Insolvenzantrag gestellt. Als vorläufiger Insolvenzverwalter war der Bonner Anwalt Christoph Niering bereits in der Unternehmenszentrale in Bonn, um zu entscheiden, ob die Produktion vorläufig weiterläuft.

Der Konzern habe damit „unter anderem auf weiter gesunkene Preise und das von der EU-Kommission beabsichtigte Auslaufen der Antidumpingmaßnahmen gegen Solarimporte aus China“ reagiert, heißt es in einer Mitteilung. Betroffen sind dieses Mal weitere 600 Mitarbeiter in Bonn, Freiberg  und Arnstadt. In guten Zeiten hatte die damalige Solarworld AG, die am 10.05.2017 Insolvenz angemeldet hatte (siehe solarify.eu/solarworld-stellt-insolvenzantrag), fast 3.000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Solarworld Industries GmbH beschränkte sich Nachfolgeunternehmen auf die letzten Schritte der Produktion. Noch zu Jahresbeginn hatte sich Solarworld zuversichtlich für das Jahr 2018 gezeigt: Nach drastischen Entlassungen und Umwandlung in eine GmbH wenige Monate zuvor hatte Asbeck wieder mit steigender Nachfrage in der EU gerechnet.

Freibergs Oberbürgermeister Sven Krüger reagierte der Freien Presse zufolge „mit Bedauern“ auf die erneute Pleite des Solarzellen-Herstellers. Er nannte es vor allem „für die Mitarbeiter unerfreulich, die innerhalb von zehn Monaten zum zweiten Mal von einer Insolvenz betroffen sind“, so der SPD-Politiker am 28.03.2018: „Es ist schade für alle Mitarbeiter, die jetzt keine schönen Osterfeiertage haben“.

Solarworld Industries hatte erst im August 2017 Produktions- und Vertriebsaktivitäten der Solarworld AG übernommen. Im September kaufte die mehrheitlich im Bersitz des Solarworld-Gründers Frank Asbeck befindliche  Solar Holding Beteiligungsgesellschaft mbH dann weitere deutsche Solarworld-Produktionsanlagen und stockte die Zahl ihrer Mitarbeiter auf.

Der Spiegel zur erneuten Solarworld-Pleite: „Das Unternehmen hat seit Jahren Probleme. 2013 stand das Unternehmen schon einmal am Rand des Abgrunds. Asbeck überzeugte damals Geldgeber aus Katar, die Firma mit neuem Kapital über Wasser zu halten. Damals wie heute macht Asbecks Firma andere für die Misere verantwortlich. Die Preise am Markt seien weiter gesunken, und die EU-Kommission habe Schutzzölle gegen chinesische Billigimporte auslaufen lassen.“

Solarworld und der Verband europäischer Solarhersteller EU ProSun sprechen von staatlich gefördertem Preisdumping. Die EU-weit geltenden Mindestpreise würden bei mehr als der Hälfte der Importe unterlaufen, sagte ein EU-ProSun-Spreche dem Mediendienst Heise Online zufolge. Zudem plane die EU, die Anti-Dumping-Maßnahmen auslaufen zu lassen. „Das Antidumping-Instrumentarium der EU ist löchrig wie ein Schweizer Käse. Es fehlen Kontrollen und es fehlt der politische Wille“, so der Sprecher.

->Quellen: