“Nun tricksen sie wieder”

Autobauer: Gewinn-Gier geht vor Gesundheit

“Durch Dieselgate ist die europäische Autoindustrie offenbar nicht demütig geworden”, schrieb Jens Tartler am 10.04.2018 im Berliner Tagesspiegel. Eine neue Untersuchung lege jedenfalls den Verdacht nahe, dass die Autoschmiede schon wieder an den Abgasstandards herum schraubten. Es sehe ganz danach aus, als ob sie effizientere Modelle bis 2019 verzögerten, um die Gewinne zu maximieren, allerdings hielten die meisten “am Ziel fest, die 2021er CO2-Ziele zu erreichen” – so jedenfalls die Brüsseler NGO Transport & Environment (T&E).

In einer exklusiven Detail-Analyse („CO2 emissions from cars: The facts“) vom 09.04. 2018 stellt T&E fest: Die Autohersteller bremsen den Verkauf von Elektroautos und verbrauchsgünstigeren Upgrades ihrer meistverkauften Modelle in Europa, wie neue Forschungsergebnisse zeigen.

  • Nur 6 der 50 Top-Modelle wurden 2017 aufgerüstet – aber 21 werden 2019-20 als sparsamere und kohlenstoffärmere Modelle erneut auf den Markt gebracht.
  • Batterieelektrische Modelle sollen sich bis 2021 verfünffachen und damit Reichweite, Auswahl und Wettbewerb erhöhen.
  • Die meisten europäischen Automobilhersteller, aber nicht Fiat, werden die CO2-Reduktionsziele der EU für 2021 rechtzeitig erreichen – unter anderem durch den Verkauf von mehr Plug-in-Fahrzeugen.
  • Steigende SUV-Verkäufe und gesteigerte Leistung und Leistung treiben die Emissionen in die Höhe.
  • Die CO2-Belastung durch rückläufige Dieselverkäufe wird durch kohlenstoffärmere Fahrzeuge mehr als ausgeglichen.

Nur vier der 50 meistverkauften Modelle sollen bis Ende dieses Jahres vollständig aufgerüstet werden, gefolgt von 14 im Jahr 2019 und sieben im Jahr 2020. Die Taktik, alte Modelle so lange wie möglich zu verkaufen, macht deutlich, dass die Automobilhersteller sowohl ihre Gewinne optimieren als auch versuchen, die Regulierungsbehörden darüber zu täuschen, dass sie Schwierigkeiten haben werden, die CO2-Ziele für 2021 zu erreichen, wenn die EU über neue Ziele für 2025 nachdenkt. Aber der Preis wird von den Autokäufern – für die es noch keine sparsameren Modelle gibt – und vom Planeten bezahlt, da die CO2-Emissionen von Pkw und Transportern weiter steigen.

Greg Archer, Abteilungsleiter “Saubere Fahrzeuge” bei T&E, sagte: “Die Autohersteller sind schamlos und jammern, dass sie ihre CO2-Ziele nicht erreichen können und geben dem sinkenden Dieselabsatz die Schuld, während sie alte, ineffiziente und leistungsstarke SUVs dazu bringen, ihre Gewinne zu maximieren. Die Folge sind steigende CO2-Emissionen und höhere Kraftstoffkosten für die Kunden. Aber in Wirklichkeit werden fast alle ernsthaften Automobilhersteller in Europa ihre Ziele erreichen und Geldstrafen vermeiden.”

Die Strategie der Hersteller, die Ziele von 2021 zu erreichen, besteht darin, den Absatz von batterieelektrischen und Plug-in-Hybridfahrzeugen zu steigern, was deren Marktanteil in Europa bis 2021 deutlich auf 5 – 7 % erhöhen dürfte, heißt es in dem Bericht. Die Analyse zeigt aber auch, dass die Automobilhersteller die Markteinführung neuer Plug-in-Fahrzeuge bis zum letzten Moment zurückhalten. Derzeit sind nur 20 Elektroautos im Angebot, aber bis 2021 werden es voraussichtlich mehr als 100 sein, wenn die Unternehmen ihre Ankündigungen einhalten.

Folgt: Verkehr mit höchstem Anteil an EU-Emissionen