Kohle-Kommissions-Bremser stellen sich auf

RWE-Schmitz: „Kein Zwischenstadium mit Gas installieren“

Gegen einen verstärkten Ausbau von Gaskraftwerken zur Versorgungssicherheit und um die sinkende Stromerzeugung aus Atom und Kohle auszugleichen. hat sich der RWE-Vorstandsvorsitzende Rolf Martin Schmitz am 06.06.2018 im Rahmen der 28. Energiekonferenz der Kanzlei Becker Büttner Held ausgesprochen. Diese Investitionen rechneten sich angeblich nicht. Schmitz baut stattdessen auf mehr erneuerbaren Strom und Speicher. Denn: „Ab 2022 verdrängt jede Kilowattstunde aus erneuerbaren Energien wegen des Atomausstiegs eine Kilowattstunde Kohlestrom“.

RWE Hauptverwaltung in Essen – Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft für Solarify

Entsprechend warnte Schmitz die noch gar nicht konstituierte Kohle-Kommission vor zu großer Eile. Europas größter (Braun-)Kohleverstomer (und [[CO2]]-Emittent) nannte es gar „verantwortungslos“, dass die Kommission schon Ende des Jahres Ergebnisse vorlegen solle. „Hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit, ein halbes Jahr mehr oder weniger ist egal“, sagte der Kohlebaron. Beim Kohleausstieg gehe es nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie: „Ich diskutiere mit meinen Betriebsräten nur noch, wie wir den Übergang gestalten.“

Vor allem brauche mehr Zeit, sinnvolle Maßnahmen für den Strukturwandel zu entwickeln. Unter Verweis auf die Probleme von Städten im Ruhrgebiet behauptete Schmitz: „Wir haben gesehen, dass der Strukturwandel bei der Steinkohle nicht gelungen ist. Im Ruhrgebiet gibt es Städte wie Gelsenkirchen und andere, da möchten Sie nicht wohnen“. Das dürfe sich nicht wiederholen. Kein Wort von der Mitverantwortung gewisser Energieversorger, Stahlkonzerne und Bergbau-Unternehmen.

Den erwogenen Wechsel zu Gas sieht Schmitz skeptisch: Es lohne nicht, ein in „15 Jahren sinnloses Zwischensystem“ aus Gaskraftwerken zur Absicherung der Grundlast zu installieren, denn dann seien die Erneuerbaren stark genug ausgebaut. Als bessere Auswege nannte er daher Stromspeicher, die bräuchten aber Zeit, sie zu entwickeln. Auch Importe könnten die sich abzeichnende Stromlücke nicht verhindern. Denn die Jahreshöchstlast falle in anderen Ländern ungefähr gleichzeitig an. „Von dort werden keine großen Kapazitäten kommen.“

Schmitz verlangte Hilfen der Regierung beim Umstieg – Beispiel: die Niederlande; dort rüste RWE – von der Regierung gewollt und gefördert – gerade zwei Kohlekraftwerke auf Biomasse um. Nicht nur wegen der Niederlande kaufe RWE jetzt verstärkt Biomasse in Brasilien Zuckerrohr-Abfälle.

Homann widerspricht und kündigt Stresstest an

Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, widersprach diametral, er sah „kein Versorgungs-Sicherheitsproblem“ – vielmehr könne man die Kohleverstromung unter bestimmten Voraussetzungen (Netzausbau, mehr Stromimporte, Gaskraftwerke) bis 2030 halbieren. Homann verwies zur Untermauerung seiner Argumentation auf den aktuellen Entwurf des Szenariorahmens für den Netzentwicklungsplan 2030 mit erstmals einem eigenen Kapitel zum Thema Versorgungssicherheit. Weil die Meinungen darüber bei der Konferenz auseinandergingen (BDEW dagegen, BMWi dafür) kündigte Homann einen sogenannten Stresstest – analog zu den Bankenseiner Behörde zur Versorgungssicherheit an. „Wir haben ein Netz, das unter Stress steht“, so Homann dazu. Mit den Erkenntnissen des Stresstests könne die BNetzA möglicherweise die Kohle-Kommission unterstützen.

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