Irland zeigt Weg aus fossilen Geschäft

Als erstes Land: Rückzug aus Finanzierung von Geschäften mit fossilen Energien

Das irische Parlament in Dublin stimmte vergangene Woche für das Gesetz zum Divestment. Leicht sei die Entscheidung allerdings nicht gefallen, die Regierungsparteien hätten sich lange gegen das Gesetz gestemmt. Nun endlich sei der Widerstand überwunden. Viele Klimaschutzorganisationen hätten lange für das Gesetz gekämpft. Dass sich nun ein ganzer Staat zum Divestment bekennt, sei ein beachtlicher Erfolg für die Divestment-Kampagne, schrieb Nicole Allé am 16.07.2018 im Portal energiezukunft.

Die Divestment-Bewegung wächst stetig an: Pensionsfonds, Versicherungen, Städte wie New York oder Berlin, Kirchen und Universitäten haben bereits ihre Investitionen aus fossilen Unternehmungen gezogen. In Cambridge waren Studenten sogar in den Hungerstreik getreten um das Divestment der Universität zu erzwingen.

[note Divestment – Divestment (deutsch auch Desinvestition oder Devestition) ist das Gegenteil der Investition. Desinvestition bedeutet aktuell, dass man sich von unökologischenh oder unter ethischen Gesichtspunkten fragwürdigen Aktien, Anleihen oder Investmentfonds trennt. Denn Investitionen in fossile Brennstoffe stellen ein Risiko für Investoren und für den Planeten dar. Es gibt in der jüngsten Geschichte einige Beispiele für erfolgreiche Divestmentkampagnen, darunter Darfur und Tabak; die größte und wirkungsvollste spitzte sich während der Apartheid in Südafrika zu. Viele Divestmentkampagnen erreichen ihr Ziel jedoch nicht, indem sie den betroffenen Unternehmen direkt wirtschaftlichen Schaden zufügen, sondern wirken eher als Mittel einer gesellschaftlichen Willensbildung. Seit 2013 gibt es eine von der Klimaschutzorganisation 350.org organisierte weltweite Desinvestitionskampagne gegen Erdöl-, Kohle- und Erdgasindustrien, die ihren Anfang ebenfalls in den USA nahm. Mittlerweile fordern Tochterorganisationen in mehreren Ländern eine sofortige Desinvestition aller öffentlichen Gelder aus der sog. Kohlenstoffblase. Sollte es durch politische Beschlüsse dazu kommen, dass große Teile der weltweiten Lagerstätten an fossilen Energien nicht ausgebeutet werden dürften, um die Zwei-Grad-Grenze doch noch einzuhalten, wären Investitionen in diese Lagerstätten “über Nacht” wertlos (stranded assets). (siehe: solarify.eu/divestment)]

Der rund acht Milliarden Euro schwere irische Staatsfonds muss nun seine Investitionen aus Kohle-, Öl- und Gasprojekten abziehen, und zwar „as soon as practicable“, das wäre in diesem Fall innerhalb der kommenden fünf Jahre möglich, so die Einschätzung, also bis 2023. Gut 300 Millionen Euro stecken demnach in rund 150 Unternehmen in weltweiten Geschäften mit fossilen Energien.

[note Cliffs of Moher, Irland – Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft für Solarify]

Kohle, Öl und Gas müssen im Boden bleiben

Auch der norwegische Staat hatte einen Teil seiner staatlichen Investitionen in fossile Geschäfte abgezogen, jedoch nur in Kohlegeschäfte, Öl und Gas laufen weiter. In Irland dagegen sollten Öl- und Gasbohrungen nun beendet werden. Irland dürfe nicht Nachzügler beim Erreichen der Pariser Klimaziele werden, so Éamonn Meehan, Chef der Entwicklungshilfeorganisation Trócaire.

Um den Klimawandel noch aufhalten zu können, müsse die Abhängigkeit von fossilen Energien beendet werden. Wenn Kohle, Öl und Gas nicht mehr als Energiequelle genutzt werden sollten, dann müssten sie auch im Boden bleiben, betont Meehan. Irlands Energiesicherheit hänge nicht von irischem Gas und Öl ab, entgegneten die Befürworter im Parlament den Kritikern. Um die Energiesicherheit zu erhöhen, solle nun verstärkt in den Ausbau Erneuerbarer Energien vor Ort und die energetische Sanierung von Häusern investiert werden.

[note Irische Küste am Ring of Kerry – Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft für Solarify]

Das Gesetz sei sowohl substanziell als auch symbolisch von Bedeutung, so Meehan. Es verhindere unter anderem, dass öffentliches Geld entgegen dem öffentlichen Interesse investiert werde, und sende eine klare Botschaft an das Land und in die Welt, dass dringend mehr gegen den Klimawandel unternommen werden muss – angefangen beim Ausstieg aus den fossilen Energien.

->Quelle:  energiezukunft.eu/irland-zeigt-weg-aus-fossilem-geschaeft  -vn-