ENERGI3: Integriert, intelligent, international

ESYS-Energie-Symposium – “die nächste Phase der Energiewende”

Es ist Sand im Getriebe des Energiewende-Motors: Die Treibhausgasemissionen stagnieren oder steigen, Deutschland nutzt immer noch sehr viel Kohle und Erdöl und verfehlt seine Klimaziele. Wie Hemmnisse entfernt werden können, damit die Energiewende richtig Fahrt aufnehmen kann, untersucht das Akademienprojekt „Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS) und unterbreitete in den vergangenen fünf Jahren Lösungsvorschläge – unter anderem, einen wirksamen, sektorübergreifenden CO2-Preis für alle Emissionen, mehr Erneuerbare Energien zur Wärmebereitstellung und im Verkehr einzusetzen und die deutsche Energiepolitik internationaler auszurichten. Der Sprung in die nächste Phase der Energiewende, anstehender Forschungsbedarf, neue Spielräume und Steuerungsmechanismen – waren Fragestellungen  beim ESYS-Energiesymposium am 12.09.2018 in Berlin. Solarify dokumentiert die Beiträge in Ausschnitten.

Wilfried Kraus, BMBF: “Digitalisierungs-Ministerium hat keinen Sinn”

Wilfried Kraus vom BMBF bestätigte in seinem Grußwort, dass wir einen zweiten Anlauf in der Energiewende brauchen. “Wir geben im Augenblick sehr viel Geld für die Energiewende aus und erreichen wenig”. Genau betrachtet seien erst sechs Prozent erreicht. Im Verkehr gebe es keinen Ansatz, im Wärmesektor, der 50 Prozent ausmache, habe sich fast nichts verändert. Die Sektorenkopplung sei “sehr wichtig”.

Kraus nannte Fakten: 2050 seien 1000 TWh Strom nötig – aber: “Wir wissen heute nicht, wie wir das hinkriegen, jedenfalls nicht mit Erneuerbaren Energien. Wir stehen daher vor Riesen-Herausforderungen.” Die Energiewende sei richtig, habe aber Riesenveränderungen zur Folge; in der Lausitz beispielsweise müsse man mit den Menschen reden. CO2-Verringerung sei ein richtiges Ziel, “aber nicht das einzige, die Energiewende muss bezahlbar und sozialverträglich sein”. Im Sektor Mobilität beispielsweise könne man über alles reden – aber es sei viel intelligenter, Verkehr zu vermeiden, müssten Städte nicht anders organisiert werden? Was geschehe mit den Riesen-Überkapazitäten beim Strom? Die Bundesnetzagentur nannte 1,2 Mrd Euro, welche die Verbrauchen hätten bezahlen müssen. Speichertechnik sei notwendig, dankenswerterweise habe man “das schon vor 7 Jahren angegangen, als das noch gar nicht auf der Tagesordnung stand.” Die Mobilitätswende müsse kommen. E-Mobilität könne aber nicht alles abdecken, daher seien E-Fuels richtig und wichtig.

Als Agenda für die nächsten Jahre nannte Kraus im internationalen Bereich Afrika und die Kopernikus-Projekte – die “sollten auch von den anderen Ressorts stärker mitgetragen werden”. Als weiterer Bereich sei v.a. die Wärme stärker zu beachten: Kraus kündigte für die nächsten Monate ein Programm zur  Wärme-Energiewende an. Zum Stichwort “digital” sagte er: “Ein Digitalisierungsministerium hat keinen Sinn, Digitalisierung allein ist gar nichts; es geht um die Anwendungen. Die neue Mobilitätsplattform, eher technologisch verkehrsorientiert, halten wir nicht für ausreichend – daher wird im BMBF ein neues Referat zum Thema Verkehrswende eingerichtet, mit dem wir anders herangehen”

Folgt: Keynote Ottmar Edenhofer