Massive Destabilisierung einer arktischen Eismasse

Forschungen zeigen Eis, das sich völlig neu verhält

In dieser immer wärmer werdenden Welt erwärmen sich einige Teile des Planeten viel schneller als andere. Durch die Erwärmung beginnen große Eisbrocken zu schmelzen und bewegen sich schnell, teilweise rutschen sie ins Meer, berichtete der Wissenschaftler von der St. Thomas University, Minnesota und Rom, im britischen Guardian am 26.09.2018. Diese Bewegung sei das Thema einer gerade in der Zeitschrift Science Direct veröffentlichten wissenschaftlichen Studie.

Die Arktis erwärme sich viel schneller als andere Weltgegenden – mit schwerwiegenden Folgen. Schmelzendes Eis kann den Meeresspiegel ansteigen lassen und Küstengebiete überschwemmen – auch werden Stürme wie Hurrikane und Taifune zunehmend zerstörerisch. Die Eisschmelze verursacht zudem eine Rückkopplungsschleife, die zu weiterer Erwärmung und dann zu mehr Eisverlust führen kann. Für diese sei das Meereis wichtig; weil es auf dem Wasser schwimme, schwanket der Meeresspiegel beim Schmelzen kaum. Wenn dagegen Eis an Land schmelze, könne das in die Ozeane fließende Wasser zu einem erheblichen Meeresspiegel-Anstieg führen.

Die Forscher betrachteten in ihrer Studie Massive destabilization of an Arctic ice cap” (Massive Destabilisierung einer arktischen Eismasse) einen arktischen Hochgebirgsgletscher. Diese Gletscher halten genügend Wasser, um einen Anstieg des Meeresspiegels um etwa einen Meter zu verursachen. Sie bewegen sich über den darunter liegenden Untergrund oder durch Verformung und Dehnung infolge ihres Gewichts, so vor allem kältere Gletscher. Gletscher unterliegen Schwankungen in ihrer Bewegung, kurze Zeiten, in denen sie sich stark bewegen. Während einer solchen Welle wird das Eis von einem Teil des Gletschers in eine andere Region umgeleitet. Die Autoren beobachteten nun eine sogenannte Welle am Vavilov-Gletscher auf der “Oktoberrevolutions-Insel” Sewernaja Semlja im Norden Russlands. Der 300-600 Meter dicke 1820 Quadratkilometer große Vavilov-Gletscher ist auf seinem Bett über den größten Teil seiner Fläche gefroren, abgesehen von einer Region entlang seines westlichen Randes, in der basales Gleiten für einen schnelleren Fluss potenziell wichtig ist. 2010 begann sich das Eis in der Region schneller zu bewegen, und im folgenden Jahr wurden Spalten beobachtet, die den Mustern der Eisbeschleunigung entsprachen. Die Luft- als auch Ozean-Wasser-Temperatur könnten für die Beschleunigung verantwortlich sein, aber auch Oberflächenschmelzwasser, das durch Risse und Löcher nach unten in das Eis fließt und das Eis für die schnelle Bewegung vorbereitet.

[note Abstrakt

“Eismassen, die meist an der Grenzfläche zwischen Fels und Eis gefroren sind, gelten als stabil und reagieren langsam auf Klimaänderungen. Wir verwenden Fernerkundung, um Geschwindigkeits- und Dickenänderungen zu messen, die auftreten, wenn der Rand des weitgehend kältebasierten Vavilov-Gletschers in der russischen Hocharktis über schwache marine Sedimente hinausgeht. Wir zeigen, dass sich kältebasierte bis polythermale Gletschersysteme ohne vorherige Vorgeschichte mit unerwarteter und beispielloser Geschwindigkeit entwickeln können, wenn sich ihre basalen Randbedingungen ändern, was zu sehr großen dynamischen Eismassenverlusten (Anstieg des jährlichen Massenverlustes um den Faktor ?100) über mehrere Jahre führt. Wir stellen die zukünftige Langzeitstabilität von kalten und polythermalen Polkappen in Frage, von denen viele in Meeresgewässern enden, wenn das Klima in den Polarregionen immer wärmer und feuchter wird.

Die Highlights:

  • Das Eis rückte 8 km vor, wurde auf 25 m/Tag beschleunigt und mit einer Geschwindigkeit von etwa 0,3 m/Tag verdünnt.
  • Der Fels unter der Eiskappe liegt meist über dem Meeresspiegel.
  • Eis ist wahrscheinlich meist im Untergrund gefroren.
  • Diese Art von Eiskappe hat sich bisher noch nie so verhalten.
  • Auswirkungen auf andere polare Eiskappen und Gletscher.”]

->Quellen: