Konstanz macht’s vor

Ökostrom aus der Ladesäule setzt kommunale Verkehrswende auf’s richtige Gleis

Wie die Verkehrswende in Schwung kommt, zeigt die baden-württembergische Stadt Konstanz: Für das Laden von Elektrofahrzeugen bieten die Stadtwerke Ökostrom an insgesamt elf Ladepunkten an. Zertifiziert ist der Strom mit einem strengen Ökostromsiegel, das garantiert, dass auch tatsächlich Strom aus Erneuerbaren Energien eingekauft und zusätzlich in den Ausbau Erneuerbare Energien und nachhaltige Elektromobilität investiert wird. Daher stellte die Agentur für Erneuerbare Energien am 27.09.2018 Konstanz als Energie-Kommune des Monats vor.

E-Mobilität – nur mit grünem Strom – Foto © Gerhard Hofmann für Solarify

„Die Stadt Konstanz zeigt, wie Elektromobilität die Energiewende im Verkehrssektor voranbringen kann“, sagt Nils Boenigk, stellvertretender Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien. „Die Kombination von Elektromobilität mit zertifiziertem Ökostrom sollte der Standard im E-Mobilitätsbereich sein und immer zusammengedacht werden.“

Die Stadt Konstanz habe sich mit ihrem Beitritt zum Klimabündnis 1992 erstmals zu Emissionsminderungen verpflichtet. Das 2016 vorgelegte integrierte Klimaschutzkonzept sehe u.a. vor, dass der bisherige Ausstoß von jährlich 6,5 Tonnen CO2 pro Einwohner bis 2020 auf 4,2 Tonnen und bis 2030 auf 3 Tonnen verringert werde.

„Der Klimaschutz ist für Kommunen eine Herausforderung, die nur ganzheitlich angegangen werden kann“, erklärt Oberbürgermeister Uli Burchardt. „Das gelingt, indem Politik, Bürgerschaft und Unternehmen gemeinsam Maßnahmen in den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr umsetzen. Für die Verkehrswende sind der öffentliche Nahverkehr, Elektrofahrzeuge und natürlich das Fahrrad wichtige Klimaschutzinstrumente, auf die wir uns hier in Konstanz konzentrieren.“

Wenn E-Fahrzeuge allerdings mit Strom aus fossilen Kraftwerken betrieben werden, bringt das für den Klimaschutz keinen Vorteil. Die Verkehrswende kommt nur voran, wenn E-Mobilität mit Ökostrom kombiniert wird, der durch strenge Stromlabel zertifiziert ist. Wie das geht, zeigen die Konstanzer Stadtwerke, die sich zu 100 Prozent in kommunaler Hand befinden. Sie haben bisher an fünf Standorten im Stadtraum Ladeinfrastruktur aufgebaut, insgesamt gibt es in der Stadt bereits elf Ladepunkte. Zwei weitere Standorte mit jeweils zwei Ladepunkten sollen dieses Jahr noch in Betrieb genommen werden.

Das Besondere daran ist, dass Fahrer von Elektroautos hier 100-prozentigen Ökostrom tanken können. Das garantiert das Ökostromsiegel, das die zertifizierten Stromanbieter zu Investitionen in Erneuerbare Energien und in Energieeffizienzmaßnahmen verpflichtet. Wenn die Fahrer den zertifizierten Strom der Stadtwerke Konstanz tanken, fließt ein fester Betrag pro Kilowattstunde in einen entsprechenden Fördertopf.

„Mit ihrem Ökostromtarif und den darin enthaltenen Förderbeträgen sorgen die Stromkunden in Konstanz dafür, dass vor Ort verstärkt in neue Energiewendeprojekte investiert wird“, erklärt Anna Caldarone von den Stadtwerken.

Für die Errichtung der Ladeinfrastruktur konnten die Stadtwerke auch auf Bundesmittel zurückgreifen. Seit 2017 stellt die Bundesregierung bis 2020 insgesamt 300 Millionen Euro bereit, um öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur durch eine anteilige Finanzierung der Investitionskosten mit bis zu 40 Prozent zu fördern. Mit dem Programm will die Bundesregierung den Aufbau eines flächendeckenden Netzes von Schnelllade- und Normalladestationen initiieren. Ziel ist der Aufbau von mindestens 15.000 Ladesäulen bis 2020. Der für die Ladesäulen verwendete Strom muss aus Erneuerbaren Energien oder aus einem regenerativ erzeugten Strom direkt vor Ort stammen, etwa einem Solarpanel auf dem Carport.

Im Jahr 2016 wurden 18 Prozent der Treibhausgasemissionen Deutschlands durch den Verkehr freigesetzt. 95 Prozent davon entstehen im Straßenverkehr. Der verkehrsbedingte Treibhausgas-Ausstoß war im Jahr 2016 sogar um 1,8 Millionen Tonnen (1,1 Prozent) höher als noch 1990. Das lag vor allem an einem Wachstum des Straßengüterverkehrs und einem gestiegenen Absatz von Dieselkraftstoff.

„Die Mobilitätswende ist überfällig. Für mehr Lebensqualität in den Städten und ambitionierten Klimaschutz müssen wir stärker auf Elektromobilität mit Ökostrom setzen, den verbleibenden Bedarf an Kraftstoffen nachhaltig erneuerbar decken und gleichzeitig unsere Mobilität besser organisieren“, sagt Nils Boenigk, stellvertretender Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien.

Veranstaltungshinweis:

„Energiewende auf die Straße bringen“ am 12.11.2018 in Berlin

Bei der Konferenz in Berlin kommen führende Köpfe aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen, um in Fachvorträgen und auf dem Podium Einflussgrößen für den Durchbruch Erneuerbarer Energien im Verkehrssektor zu erörtern.

Mehr Informationen und Anmeldung

->Quelle und weitere Informationen: