Genug Fläche für 100% EE

Neue Studie: maximal 2,5 Prozent der Landesfläche benötigt

Eine am 16.10.2018 unter dem Titel “Zukunft Stromsystem II – Regionalisierung der erneuerbaren Stromerzeugung” veröffentlichte WWW-Analyse von Öko-Institut und Prognos AG kommt zu dem Schluss, dass für die Energiewende maximal 2,5 Prozent der Landesfläche benötigt werden, bei höherem Photovoltaik-Anteil im Strommix gar nur zwei Prozent. Ausdrücklich wird festgestellt, dass der Naturschutz dabei unter dem Ausbau nicht leidet.

Es wird aber festgestellt, “dass sich die Flächeninanspruchnahme für die Nutzung von Windenergie selbst in den Regionen mit besonders hohem Zubaupotenzial grundsätzlich naturverträglich, wenngleich nicht überall vollkommen konfliktfrei realisieren ließe. Dafür bedarf es allerdings der kontinuierlichen Weiterentwicklung und Verbesserung planerischer Steuerungselemente, einer strategischen Standortwahl und übergeordneter Abschätzungen von Flächenverfügbarkeiten, um Konflikte von vornherein zu minimieren, sowie neuer Instrumente, um bestehende Belastungen und Erträge aus der Energieerzeugung gerechter zu verteilen.”

Die Studie zeigt auf, dass es “trotz des gewaltigen Handlungsdrucks durchaus vielfältige Handlungsoptionen beim Ausbau der erneuerbaren Energien gibt, sei es im Wechselspiel mit den Aspekten Regionalisierung und Technologiemix der Erneuerbaren hinsichtlich Flächenverfügbarkeit oder der Ausgestaltung von Flexibilitätsoptionen und dem Ausbau der Stromnetzinfrastruktur.”

In Deutschland fehlt es an Platz, um die Stromversorgung komplett auf erneuerbare Energien umzustellen – so lautet ein beliebter Einwand gegen den weiteren Ausbau von Photovoltaik und Windenergie. Der WWF hat eine Studie veröffentlicht, die dieses Argument entkräftet: In der Bundesrepublik steht genug Fläche zur Verfügung, um das Stromsystem von fossil auf erneuerbar umzustellen und zugleich die Interessen des Naturschutzes zu wahren, lautet das Fazit.”

[note Aus der Einleitung der Studie: “Um die Ziele des 2015 verabschiedeten Klimaschutzabkommens von Paris einzuhalten, mit denen gravierende Folgen des globalen Klimawandels für Natur und menschliche Gesellschaften vermieden werden sollen, steht auch der Stromsektor in Deutschland vor einer dreifachen Herausforderung.

  1. Erstens müssen kurz- und mittelfristig zunächst die Kohlekraftwerke mit ihren besonders hohen Treibhausgasemissionen aus dem System genommen werden. Mittel- und langfristig müssen aber auch die weniger CO2-intensiven, aber gleichwohl fossilen Stromerzeugungsoptionen wie z. B. Erdgaskraftwerke ersetzt werden. Unter Maßgabe eines fairen Anteils des deutschen Stromsektors am verbleibenden globalen CO2– Emissionsbudget werden relativ kurzfristig größere Kohlekraftwerkskapazitäten abgeschaltet und bis Ende 2035 die Kohleverstromung in Deutschland vollständig beendet. Die Kohleverstromung in Deutschland würde damit im Vergleich zum aktuellen Stand bis 2025 um 64 %, bis 2030 um 73 % verringert und läuft zum Ende des Jahres 2035 vollständig aus.
  2. Zweitens wird zukünftig mehr Strom produziert werden müssen als derzeit. Die Elektrifizierung des Verkehrs- und des Wärmesektors kann und muss einen erheblichen Beitrag zu den notwendigen Treibhausgas- Emissionsminderungen erbringen. Damit wird trotz erheblicher Effizienzgewinne bei traditionellen Stromanwendungen ein Strombedarf zu decken sein, der für die Perspektive 2035 wieder auf dem gleichen Niveau wie heute und mit Blick auf 2050 um knapp 30 % über den aktuellen Werten liegt.
  3. Drittens müssen für die ausfallenden fossilen Stromerzeugungskapazitäten und den perspektivisch steigenden Strombedarf Anlagen errichtet werden, die Strom auf Basis erneuerbarer Energien produzieren. Für die Perspektive 2030 wird die aktuelle regenerative Nettostromerzeugung von heute 218 Milliarden Kilowattstunden (218 Terawattstunden – TWh) um ca. 85 % auf gut 400 TWh, im Jahr 2035 um 110 % auf 460 TWh und mit Blick auf das Jahr 2050 um 250 % auf mehr als 700 TWh gesteigert werden müssen. Das Wachstum der Stromerzeugung auf Basis erneuerbarer Energien wird dabei durch die kostengünstigsten Erzeugungstechnologien Windkraftanlagen an Land (Onshore-Windenergie), Windkraftanlagen auf See (Offshore-Windkraft) und solare Stromerzeugungsanlagen (Photovoltaik – PV) erbracht.]

Folgt: Stärkere PV-Nutzung braucht weniger Fläche