EU-Aus für Ex-und-Hopp-Plastik

EU-Parlament stimmt in Straßburg für Verbot – bis 2021(!)

Das EU-Parlament hat in Straßburg mit 571 zu 53 Stimmen für ein Verbot von Wegwerf-Artikeln aus Kunststoff gestimmt – wie SWR-Korrespondent Stephan Ueberbach vom ARD-Studio Brüssel auf tagesschau.de berichtet. Das Zurückdrängen des Plastikmülls soll die Meere schützen – und die Gesundheit der Menschen. 30 Millionen Tonnen Plastikabfälle landen jedes Jahr im Meer. Auf den Ozeanen treiben 140 Millionen Tonnen, ein ganzer Kontinent aus Müll.

Plastikteller, Plastikbesteck, beschichtete Becher, Trinkhalme oder Rührstäbchen: All das soll schon bald verschwinden. Denn das Europaparlament will eine ganze Reihe von Einwegprodukten aus dem Verkehr ziehen. Die Ex-und-Hopp-Mentalität sei eine Gefahr für die Umwelt, vor allem für die Meere, meinen die Abgeordneten. Fische, Vögel, Schildkröten: Viele Tiere verenden qualvoll.

Die irische Abgeordnete Lynn Boylan von der Sinn Féin-Partei: “Wir sind alle entsetzt über die Bilder von all dem Plastik in den Meeren und wir wissen, welche Konsequenzen die Wegwerf-Gesellschaft hat, in der wir leben. Wir beschließen jetzt ambitionierte Regeln, um diese Plastikkrise zu beenden. Und was wirklich großartig ist: Die Bürger stehen in dieser Sache hinter uns.”

Mikroplastik im menschlichen Körper nachgewiesen

Längst geht es dabei nicht mehr allein um die Umwelt, sondern auch um die menschliche Gesundheit. Denn viele Kunststoffe verrotten nicht, auch nicht nach Jahrzehnten, sondern zerfallen in immer kleinere Teilchen, die dann als Mikroplastik in der Nahrungskette landen. Forscher in Österreich haben in dieser Woche zum ersten Mal Plastik in menschlichen Körpern nachgewiesen.

Es gibt aber auch ein wirtschaftliches Argument: Einwegverpackungen aus Plastik werden zum Großteil nämlich nicht recycelt. Eine Verschwendung von Geld und von Rohstoffen, meinen die Parlamentarier. Deshalb sollen nun feste Recyclingquoten kommen, zum Beispiel für Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff. Oder für Zigarettenfilter, in denen Plastik steckt. Denn ein einziger Stummel kann tausend Liter Wasser verschmutzen.

Luftballons bleiben erlaubt

Außerdem sollen bis 2025 in ganz Europa 90 Prozent der Plastikgetränkeflaschen zur Wiederverwertung eingesammelt werden. Die Hersteller müssen sich an den Kosten für das Säubern der Umwelt beteiligen. Das gilt auch für die Produzenten von Fischernetzen. Das Aufregerthema Luftballons ist dagegen weitgehend entschärft. EU-Umweltkommissar Karmenu Vella: “Wir wollen nicht die Ballons verbieten, sondern nur die Haltestäbchen, die besonders oft als Müll an den Stränden landen.”

Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace gehen die Pläne nicht weit genug. Sie kritisieren vor allem, dass die Definition von Einwegplastik viel zu eng gefasst werde. Die Plastikproduzenten dagegen halten die Regeln für zu scharf. Sie befürchten erhebliche Verluste.

Als nächstes werden sich jetzt die europäischen Umweltminister mit den Plastikverboten befassen. Wenn sie sich dann mit der EU-Kommission und dem Europaparlament verständigen, können die Verbote wie geplant 2021 in Kraft treten.
[note Aus der Medienmitteilung des EU-Parlaments: “Die Abgeordneten haben sehr leichte Plastiktüten, Produkte aus oxo-abbaubaren Materialien wie Beutel oder Verpackungen und Fast-Food-Behälter aus expandiertem Polystyrol in die Liste der verbotenen Produkte aufgenommen. Der Verbrauch mehrerer anderer Artikel, für die es keine Alternative gibt, muss von den Mitgliedstaaten bis 2025 um mindestens 25% verringert werden. Dazu gehören Einweg-Burgerboxen, Sandwichboxen oder Lebensmittelbehälter für Obst, Gemüse, Desserts oder Eis. Die Mitgliedstaaten sollten die Verwendung von Produkten fördern, die für Mehrfachnutzung geeignet sind und, wenn sie zu Abfällen geworden sind, zur Wiederverwendung und zum Recycling vorbereitet werden können. Zu diesem Zweck sollen sie auf nationaler Ebene Pläne erarbeiten. Bis 2025 müssen 90% aller anderen Plastikartikel wie Einweg-Getränkeflaschen aus Kunststoff getrennt eingesammelt und recycelt werden. Der Gesetzesentwurf sieht auch Reduzierungsmaßnahmen für Abfälle aus Tabakprodukten vor, insbesondere für kunststoffhaltige Zigarettenfilter. Sie sollen bis 2025 um 50 Prozent und bis 2030 um 80 Prozent reduziert werden.

Zigarettenstummel sind die am zweithäufigsten weggeworfenen Einwegartikel aus Kunststoff. Auf die Straße geworfen, kann es bis zu zwölf Jahre dauern, bis sie zerfallen.  Die EU-Mitgliedstaaten sollten auch sicherstellen, dass jährlich mindestens 50 Prozent der verlorenen oder weggeworfenen kunststoffhaltigen Fischfanggeräte gesammelt werden, wobei bis 2025 ein Recyclingziel von mindestens 15 Prozent angestrebt wird. Die Fischfanggeräte machen 27 Prozent der an den europäischen Stränden anfallenden Abfälle aus. Die EU-Mitgliedstaaten müssen nach dem Gesetzesentwurf dafür sorgen, dass Tabakunternehmen die Kosten für die Abfallsammlung dieser Produkte übernehmen. Das beinhaltet auch den Transport und die Behandlung des Abfalls. Dasselbe gilt für Hersteller von kunststoffhaltigen Fischfanggeräten. Auch sie müssen dazu beitragen, das Recyclingziel zu erreichen.

Laut der Europäischen Kommission bestehen mehr als 80 Prozent der Abfälle in den Meeren aus Plastik. Weil sich Plastik nur langsam zersetzt, sammelt sich immer mehr davon in den Meeren und auf den Stränden der EU und auf der ganzen Welt. Kunststoffreste finden sich auch in Tieren, die im Meer leben – etwa in Meeresschildkröten, Robben, Walen und Vögeln, aber auch in Fischen und Muscheln, und damit in der menschlichen Nahrungskette. Kunststoffe sind ein praktisches und wirtschaftlich wertvolles Material. Sie müssen aber besser genutzt, wiederverwendet und recycelt werden. Wird Plastik einfach weggeworfen, umfassen die wirtschaftlichen Folgen nicht nur den verlorenen Materialwert, sondern auch die Kosten für Reinigung und Schäden für den Tourismus, die Fischerei und die Schifffahrt.”]

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