Französisch-Deutscher Unternehmensgipfel zur Energieeffizienz

Chancen des neuen EU Clean Energy-Pakets –  aber auch die Risiken und Kosten für Unternehmen und Bürger

Am 30. November 2018 veranstaltete die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e. V. (DENEFF) gemeinsam mit der European Alliance to Save Energy (EU-ASE) und dem Deutsch-französischem Büro für die Energiewende (DFBEW) in Berlin den 1. Französisch-deutschen Unternehmensgipfel zur Energieeffizienz. Im Mittelpunkt stand die Dringlichkeit einer schnellen und effektiven Umsetzung des neuen EU Clean Energy-Pakets in Frankreich und Deutschland.

Deutschland und Frankreich sind verpflichtet, die überarbeiteten Vorgaben der EU-Energieeffizienzrichtlinie (EED) und der Gebäuderichtlinie (EPBD) innerhalb von 20 Monaten in Form nationaler Energie- und Klimapläne (NECP) umzusetzen. Erst vor wenigen Tagen betonte der neue Bericht der Europäischen Umweltagentur, dass die Union und besonders auch Frankreich und Deutschland ihre Klima- und Energiewendeziele für 2020 und 2030 nach derzeitigem Stand verfehlen werden.

Die Veranstalter betonten, dass die Implementierung der neuen EU-Vorgaben im Bereich Energieeffizienz eine gute Möglichkeit seien, hier eine Kurskorrektur vorzunehmen. Energieeffizienz sei der schnellste und günstigste Weg, Wirtschaftswachstum und Treibhausgasemissionen zu entkoppeln und damit die europäische Energiewende zu meistern. Zudem müsse Energieeffizienz ein zentraler Bestandteil der schrittweisen Dekarbonisierung der Europäischen Union sein. Ohne eine deutliche Steigerung der Energieeffizienz sei das 1,5-Grad-Ziel nicht zu schaffen. Dessen Verfehlung hätte desaströse Auswirkungen für Bürger, unsere Volkswirtschaften und das Ökosystem – und zwar weltweit. Eine ambitionierte europäische Energieeffizienzpolitik könne den Weg frei machen für zukunftssichere und gesundheitsfreundliche Gebäude, bessere Luftqualität, saubere und effiziente Mobilität und eine wettbewerbsfähige und klimafreundliche Industrie. Dafür bräuchte es jedoch stabile und ambitionierte politische Rahmenbedingungen für Unternehmen.

„Die Sorgen über den steigenden Energiebedarf in der EU, die Stagnation der Energieeffizienzpolitik und die Verfehlung der Klima- und Energiewendeziele nehmen zu“ – so Monica Frassoni, Präsidentin der European Alliance to Save Energy – „Wir hinken unserem Zeitplan, um die Pariser Klimaziele zu erfüllen deutlich hinterher. Es ist zwar ermutigend, dass das Thema Energieeffizienz so weit oben auf der politischen Agenda ist, doch die Regierungen in Frankreich und Deutschland müssen jetzt auch mit starker Stimme vorangehen und die neuen Richtlinien (EED und EPBD) schnell und ergebnisorientiert umsetzen. Zudem müssen sie Efficiency First endlich zum Handlungsprinzip ihrer Energiepolitik machen und einen Paris-kompatiblen EU-Haushalt für die Jahre 2020-2027 unterstützen.“

Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der DENEFF: „Die überarbeitete EU-Energieeffizienzrichtlinie und das neue 2030-Ziel einer Steigerung der Energieeffizienz um 32,5% stellen eine große Chance für Deutschland, Frankreich und die gesamte EU dar. Es ist nun an den nationalen Regierungen die vielen Vorteile der Energieeffizienz auch tatsächlich zu entfalten. Das klappt nur, wenn aus Zielen auch konkrete Maßnahmen erwachsen. Davon profitiert nicht nur unser Wirtschaftsstandort, sondern auch unser Klima. Die Bundesregierung muss dem im Koalitionsvertrag verkündeten Anspruch, die energieeffizienteste Volkswirtschaft der Welt zu werden, endlich gerecht werden. Für ein Hochtechnologieland wie Deutschland eigentlich ein no-brainer.“

Sven Rösner, Geschäftsführer des Deutsch-französischen Büros für die Energiewende, betonte, dass Energieeffizienz zuallererst ein substanzieller Faktor in der Reduktion der Treibhausgasemissionen sei. Darüber hinaus sei Energieeffizienz der Königsweg um Energiekosten für Privathaushalte und die Industrie zu senken. Zudem schaffe Energieeffizienz nachhaltige Arbeitsplätze in Branchen, die sowohl in Frankreich als auch in Deutschland schon sehr wachstumsstark seien. Die Vertiefung der Kooperation zwischen Frankreich und Deutschland würde diesen Prozess noch weiter beschleunigen, so Rösner weiter.

Eine deutsch-französische Zusammenarbeit auf nationaler, europäischer und globaler Ebene sei eine treibende Kraft für die europäische Energiewende. Frankreich und Deutschland gehören zu den größten Volkswirtschaften der EU und müssten hier mit gutem Beispiel vorangehen und den anderen Staaten aufzeigen, dass Dekarbonisierung eine Erfolgsstory sein kann. Energieeffizienz könne nicht nur ihre Wirtschaft modernisieren, sondern auch Modernisierung, Innovationen und die Digitalisierung vorantreiben und damit die Zukunftssicherheit der Europäischen Union garantieren, so der abschließende Tenor der Veranstaltung.

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