Wärmewende lahmt – steuerliche Abschreibung überfällig

VKU: Ambitionierter Wärmenetz-Ausbau nötig – Fraunhofer IEE zur Dekarbonisierung der Gebäudewärme – BDEW-Chef Kapferer mahnt effektive Maßnahmen an

“Die Wärmewende ist in der Flaute”, so der Verband kommunaler Unternehmen e.V. (VKU), Besserung nicht in Sicht. Dabei könnte die Wärmeversorgung der Gebäude vollständig dekarbonisiert werden: Durch den starken Ausbau von Wärmenetzen bis 2030 und dem Einsatz eines Technologie-Mixes. Das ist eines der wesentlichen Ergebnisse einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE), vom VKU am 26.04.2019 veröffentlicht. Gleichzeitig verlangt BDEW-GF Kapferer dringend die Absetzbarkeit von Wärmedämmmaßnahmen.

Die IEE-Wissenschaftler haben laut VKU den städtischen Bereich als “Flaschenhals für eine Dekarbonisierung der Gebäudewärme” identifiziert. Dort sind Potenziale erneuerbarer Wärme insbesondere wegen fehlender Flächen und Zugänglichkeit beschränkt. Bei der Wärmeversorgung sei jedoch die Nähe zwischen Erzeugungs- und Verbrauchsort zentral. Über Wärmenetze könne dieses Dilemma gelöst werden.

Um die Wärmeversorgung zu dekarbonisieren, müsse daher der Endenergieanteil der leitungsgebundenen Wärmeversorgung an der gesamten Gebäudewärme bis 2030 von 11 auf 37 Prozent erhöht werden. Die Studie beziffert den dafür erforderlichen zusätzlichen Netzausbau mit 85.000 Kilometern und 5,7 Millionen Hausanschlüssen. Gegenüber dem bestehenden jährlichen Netzausbau stellt dies eine Steigerung um den Faktor 6 bis 7 dar. Dieser frühzeitige hohe Wärmenetzausbau ist den Wissenschaftlern zufolge selbst bei einer hohen Gebäudesanierungsrate und entsprechend langfristig sinkenden Energiebedarfen im Gebäudebestand wirtschaftlich.

Für die Einspeisung in die Wärmenetze weist die Studie die größten Potenziale für Großwärmepumpen aus. Auch Solarthermie und Geothermie spielen je nach lokaler Verfügbarkeit eine Rolle. Zentrale Voraussetzungen für die Erschließung der EE-Wärmepotenziale sind dabei die Reduktion der Netztemperaturen und der Bau langer Anbindeleitungen, um den innerstädtischen Bereich mit EE-Quellen im Umland zu verbinden.

Die Ergebnisse der Studie “Entwicklung der Gebäudewärme und Rückkopplung mit dem Energiesystem in -95 % THG-Klimazielszenarien” wurden über ein Optimierungsverfahren ermittelt, welches die Energiesystemkosten unter Einhaltung der Klimaziele minimiert. Die Bewertung erfolgte dabei auf Basis eines technologieoffenen Ansatzes nach dem Kriterium der CO2-Vermeidungskosten. Die Studie ist Teil des vom BMWi geförderten Projektes “Transformationspfade im Wärmesektor” und entstand mit Unterstützung des VKU.

Kommunale Unternehmen sind zwar zentrale Akteure bei der Transformation der Wärmeversorgung. Um den in der Studie skizzierten Pfad zu einem volkswirtschaftlichen Optimum betriebswirtschaftlich umzusetzen, bedürfe es jedoch geeigneter Rahmenbedingungen und Instrumente.

Einerseits müssen Wärmenetze neu- bzw. ausgebaut sowie Bestandsnetze für erneuerbare Wärme und Abwärme “fit” gemacht werden. Der VKU fordert daher, die Wärmenetzförderung im KWKG entsprechend auf diese Herausforderungen auszurichten. Andererseits muss ein wirtschaftlicher Einsatz  großtechnischer erneuerbarer Wärmeerzeuger, wie Großwärmepumpen, ermöglicht werden. Aus Sicht des VKU sollte das im Rahmen der BMWi-Förderstrategie geplante Basis-Programm Wärmeinfrastruktur dieses aktuelle Hemmnis schnell und umfassend adressieren. Ferner bleibt die KWK eine zentrale Säule für die Strom- und Wärmeversorgung vor Ort. Der VKU setzt sich entsprechend dafür ein, das KWKG bis 2030 zu verlängern.

Abschließend ist festzuhalten, dass die Studie einen ambitionierten Pfad in eine vollständig dekarbonisierte Wärmeversorgung von Gebäuden aufzeigt. Es liegt an der Politik, die kommunalen Unternehmen durch geeignete Anreize in die Lage zu versetzen, diesen Pfad auf Basis wirtschaftlich tragbarer Geschäftsmodelle zu gehen. Fraunhofer IEE kostenfrei erhältlich.

BDEW-Chef Kapferer mahnt effektive Maßnahmen für Wärmewende an – “Sanierungsrate von 0,8 Prozent beklagenswert niedrig”

Stefan Kapferer, Vorsitzender der BDEW-Hauptgeschäftsführung drückt aufs Tempo: “Wir brauchen endlich eine steuerliche Abschreibung für energetische Gebäudesanierungen, um das gewaltige CO2-Einsparpotenzial im Wärmemarkt zu heben”, so eine Medienmitteilung vom 29.07.2019. “Die Bundesländer waren in den vergangenen Jahren hier der entscheidende Bremsklotz. Deshalb ist es gut, dass NRW und Bayern jetzt einen Vorschlag vorlegen. Die Bundesregierung sollten den Vorschlag jetzt sehr ernsthaft prüfen und schnell im Sinne energieeffizienter Gebäude handeln.

Der Gebäudebereich soll laut Sektorziel im Jahr 2030 nur noch 70-72 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente (direkte Emissionen) ausstoßen. Das bedeutet eine Minderung um etwa 66 Prozent gegenüber 1990. Um die Klimaziele im Wärmemarkt zu schaffen, brauchen wir dringend eine Modernisierungsoffensive. Die jetzige Sanierungsrate im Gebäudebestand ist mit 0,8 Prozent beklagenswert niedrig.”

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