Ausbaudeckel für Photovoltaik behindert erfolgreiche Klimapolitik

Klimaschutzziele nur mit konsequentem Ausbau von Windkraft und Photovoltaik erreichbar

Der im EEG von 2012 festgelegte Stopp der Einspeisevergütung durch den 52 GW-Deckel laufe dem erforderlichen massiven Ausbau der Photovoltaik und damit auch den deutschen Klimaschutzzielen diametral entgegen. Stattdessen sollte PV-Strom, der nicht lokal verbraucht werden könne, auch nach Erreichen von 52 GW installierter Leistung ins Netz eingespeist und vergütet werden. Dies erklärte der ForschungsVerbund Erneuerbare Energien (FVEE) in einer Stellungnahme vom 02.09.2019. “Der FVEE empfiehlt daher, so schnell wie möglich eine Anschlussregelung zu finden, die den für die Klimaschutzziele erforderlichen Solarausbau sichert.”

In Studien zur Transformation des deutschen Energiesystems hätten die Mitgliedseinrichtungen des ForschungsVerbunds Erneuerbare Energien nachgewiesen, dass die Klimaschutzziele der Bundesregierung nur mit einem konsequenten Ausbau von Windkraft und Photovoltaik, zu erreichen seien. Laut Bundesregierung solle der Anteil Erneuerbarer Energien bis 2030 bei 65 Prozent des Bruttostromverbrauchs liegen. Photovoltaik und Windkraft sollten dazu den größten Beitrag leisten, der Ausbau von Biomasse und Geothermie könne unter anderem den Speicherbedarf wesentlich senken.

Aus ökonomischer Sicht keine Existenzberechtigung für Deckelung

Je nachdem, welches modellbasierte Szenario zugrunde gelegt werde, würden bis 2050 etwa 120 bis zu 500 GW an installierter Photovoltaik-Leistung benötigt, um den Energiebedarf in den unterschiedlichen Sektoren überwiegend aus erneuerbaren Energieträgern zu decken. Bei einem mittleren Ausbauziel von 300 GW bis zum Jahr 2050 müssten im Mittel jährlich etwa 9 GW zugebaut werden. Wenn der 52 GW-Deckel beim aktuellen Ausbautempo etwa Anfang 2020 erreicht werde, führe dies ohne eine rechtzeitig getroffene Anschlussregelung zur Verunsicherung von Investoren, Industrie und Solarhandwerk und damit zur Stagnation. Die Ergebnisse von Modellrechnungen deuteten darauf hin, dass der jährliche Bruttozubau außerhalb des Ausschreibungssystems (v.a. Dachanlagen) nach dem Erreichen des 52 GW-Deckels auf eine Größenordnung von rund 1 GW pro Jahr absinke. Zudem reduziere der PV-Deckel die Partizipation der Bürger an der Energiewende. Gerade die Photovoltaik-Dachanlagen hätten eine große Akzeptanz.

Auch aus ökonomischer Sicht bestehe keine Existenzberechtigung mehr für eine Deckelung. Durch das monatliche Absinken der Einspeisevergütung entsprechend §49 EEG werde die Vergütung von neu installierten Anlagen ab den 2020er Jahren die Strompreise kaum noch beeinflussen. In den letzten 10 Jahren seien die Systempreise für schlüsselfertige Photovoltaik-Anlagen um 75 Prozent gesunken. Bei einer Lernrate von 15 Prozent würden die Stromgestehungskosten ab 2030 unter 4,7 (Dachanlagen) beziehungsweise 2,41 €cent/kWh (Freiflächenanlagen) fallen. Sogar kleine Dachanlagen würden Strom dann günstiger erzeugen als neu errichtete Steinkohle- oder Gas-und Dampf-Kraftwerke. Bis dahin würden Photovoltaik-Dachanlagen aber weiterhin eine ordnungspolitische Flankierung durch das EEG benötigen, damit der für den Klimaschutz notwendige Ausbau realisiert werden könne: Strom, der nicht lokal verbraucht werden könne, müsse ins Netz eingespeist und vergütet werden.

Chance für eine Renaissance der deutschen Photovoltaik-Branche

Über den weiteren Zubau von Dach-Photovoltaik hinaus müsse auch die Integration von Solarmodulen in die bebaute Umwelt stärker vorangetrieben werden, weil das nicht nur dem Klimaschutz diene sondern auch eine große Chance für eine Renaissance der deutschen und europäischen Photovoltaik-Branche sei: hocheffiziente, ästhetisch anspruchsvolle Anwendungen seien kein Markt für importierte Massenprodukte. Die Forschungsinstitute entwickelten und demonstrierten Lösungen, bei denen Module erfolgreich in Fassaden, Fahrzeugen, Straßen oder über landwirtschaftlichen Flächen installiert würden. Im Zuge der Neugestaltung des Gesetzes für den Ausbau erneuerbarer Energien (EEG) sollten daher die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen für den Markthochlauf dieser Technologien für die flächenneutrale PV geschaffen werden, um Planungssicherheit für Entwickler, Industrie und Anwender zu schaffen.

-> Quelle: fvee.de/_pv-deckel