Abschalten alter Windparks steigert CO2-Ausstoß

Neue Studie von Greenpeace Energy/Energy Brainpool

Wenn ältere Windparks abgeschaltet werden sollten, droht in Deutschland ab 2021 (indirekt) ein zusätzlicher CO2-Ausstoß von mindestens 2,2 Millionen Tonnen jährlich. Das sagt laut einer Medienmitteilung von Greenpeace Energy vom 10.09.2019 eine Untersuchung des Analysehauses Energy Brainpool im Auftrag des Ökoenergieanbieters Greenpeace Energy. Ab 2021 endet die EEG-Förderung für ältere Windparks, ihre wirtschaftliche Zukunft ist aus heutiger Sicht ungewiss.

Die wegfallende erneuerbare Stromproduktion wird aber durch konventionelle Kraftwerke ersetzt, was den CO2-Ausstoß erhöht. Weil in den Folgejahren etliche weitere EEG-Anlagen aus der Förderung fallen, dürften die jährlichen Mehremissionen laut Energy Brainpool bis 2025 auf insgesamt mindestens 7,9 Mio. t CO2 ansteigen, sofern der Weiterbetrieb älterer Windparks nicht sichergestellt werden kann. „Der langfristige Erhalt von Bestandsanlagen ist ein wichtiger Baustein für den Klimaschutz und die Energiewende“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand von Greenpeace Energy.

Zum Vergleich: Durch die von der Kohlekommission Anfang des Jahres vorgeschlagenen Maßnahmen sollen die jährlichen CO2-Emissionen bis 2022 um 24 Mio. t sinken. Werden nun ältere Windparks nach und nach stillgelegt, würden im Jahr 2022  rund 16 Prozent der durch den Kohlekompromiss geplanten CO2-Einsparungen dennoch emittiert werden.

Die Experten von Energy Brainpool gehen in ihrer Kurzanalyse zudem davon aus, dass an einem Drittel der bestehenden Windpark-Standorte in Deutschland die bestehenden Windräder durch moderne und effizientere Anlagen ersetzt werden können. Gelingt dieses großflächige Repowering nicht, droht Deutschland laut Kurzstudie ein noch größerer zusätzlicher CO2-Ausstoß von 3,3 Mio. t in 2021, der jährlich weiter ansteigt und 2025 knapp 12 Mio. t CO2 erreicht.

Verschärfend kommt hinzu, dass der Bau von neuen Windenergieanlagen eingebrochen ist:  Laut Bundesverband Windenergie waren im ersten Halbjahr dieses Jahres bundesweit nur 86 neue Windgeneratoren in Betrieb gegangen, während im gleichen Zeitraum 51 bestehende Anlagen vom Netz gingen. „Wir werden uns angesichts dieser alarmierenden Entwicklung dafür einsetzen, dass ältere Windkraftanlagen deutlich länger am Netz bleiben können“, so Tangermann.

Ein entsprechendes Angebot an Windpark-Betreiber, das den wirtschaftlich tragfähigen Weiterbetrieb ihrer Anlagen sichert, stellte Greenpeace Energy im Rahmen der Fachmesse Husum Wind vor: Die Energiegenossenschaft bietet dabei die langfristige Abnahme des Stroms von aus der Förderung gefallenen Anlagen an. Im Rahmen eines solchen „Power Purchase Agreements“ – kurz PPA – zahlt Greenpeace Energy an Windpark-Betreiber neben dem marktüblichen Preis für den Windstrom auch einen Aufschlag für die ökologische Qualität des Stroms. Hinzu kommt eine Prämie, sollte ein späteres Repowering der betreffenden Anlagen prinzipiell möglich sein. Zugleich will der Hamburger Ökoenergieanbieter weitere energiewendedienliche Maßnahmen wie den Bau von Elektrolyseuren prüfen, mit denen sich aus überschüssigem Windstrom vor Ort sauberer Wasserstoff erzeugen und ins Gasnetz einspeisen lässt.

Greenpeace Energy gehört in Deutschland zu den Vorreitern beim Abschluss von Windkraft-PPAs. Bereits im Sommer 2018 hatte die Energiegenossenschaft den bundesweit ersten dieser Abnahmeverträge zur Versorgung von privaten Verbraucherinnen und Verbrauchern abgeschlossen. Im Vorfeld der Husum Wind stellte die Energiegenossenschaft zudem gestern gemeinsam mit dem Windkraftanlagenhersteller Enercon eine weitere Kooperation in dieser Art vor. Daneben strebt Greenpeace Energy an, verstärkt weitere PPAs mit Betreibern von Windparks, die aus der EEG-Förderung fallen, abzuschließen.

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