Buchempfehlung: “Gesellschaft und Klima – Entwicklungen, Umbrüche, Herausforderungen”

Verstehen und Handeln im Umgang mit Klimawandel erfordert längst multidisziplinäre Perspektive

Klima ist heute weder nur natürlicher Hintergrund menschlichen Handelns noch eine unser Handeln determinierende Kraft. Vielmehr ist das Klima ein mitbestimmender Faktor sozialer, politischer und wirtschaftlicher Interaktionen. Mehr denn je muss die Erforschung des Klimasystems auch den Beitrag der Sozial- und Geisteswissenschaften einbeziehen. Denn ob das Klima in Zukunft einen noch umfassenderen Einfluss auf unsere Gesellschaften haben wird, ist vor allem eine Funktion menschlichen Handelns. Die Autoren Nico Stehr und Amanda Machin warnen in ihrem 2019 bei Velbrück Wissenschaft veröffentlichten Buch “Gesellschaft und Klima” vor einfachen Antworten.

Die Autoren verdeutlichen die hochgradige Komplexität des Verhältnisses von Gesellschaft, Wissenschaft und Klima. Sie zeigen, wie sich das Klima von einem wissenschaftlichen Objekt, das als etwas außerhalb der Gesellschaft gesehen wurde, zu einem komplexen und vernetzten System entwickelt hat, das maßgeblich von sozialen Strukturen, technologischen Praktiken und Energiekulturen beeinflusst wird.

Diese Erkenntnisse sind von besonderer Relevanz in einer Zeit, in der die Klimawissenschaften unter Druck stehen, sowohl von der breiten Öffentlichkeit als auch von politischen Entscheidungsträgern, die entscheiden müssen, ob und wie sie auf Umweltrisiken und -gefahren reagieren wollen, als auch von denen, die eine herausragende Rolle der Wissenschaftler bei der Gestaltung politischer Entscheidungen in Frage stellen.

Ausgehend von den Erkenntnissen verschiedener Disziplinen und anhand von zahlreichen Beispielen untersucht “Gesellschaft und Klima” das Zusammenspiel von Gesellschaft, Wissenschaft und Klima und warnt vor einfachen Annahmen und Antworten.

Amanda Machin hat den Lehrstuhl für Internationale Politikwissenschaft an der Universität Witten/Herdecke inne.

Nico Stehr war bis Sommer 2018 Karl-Mannheim-Professor für Kulturwissenschaften an der Zeppelin Universität, Friedrichshafen.

Pressestimmen

Der deutsche Dichter und Philosoph Johann Gottfried Herder (1744 – 1803) schrieb vor mehr als 200 Jahren […] der Mensch [sei] ›keine unabhängige Substanz‹, sondern stehe ›mit allen Elementen der Natur in Verbindung […]: er lebt vom Hauch der Luft wie von den verschiedensten Kindern der Erde, den Speisen und Getränken; er verarbeitet Feuer, wie er das Licht einsaugt und die Luft verpestet; wachend und schlafend, in Ruhe und in Bewegung trägt er zur Veränderung des Universums bei, und sollte er von demselben nicht verändert werden?‹ Ob sich der Philosoph vorstellen konnte, wie weit der Mensch mit seinen Technologien die Umwelt verändern würde?

Alexandra Bleyer, Salzburger Nachrichten, 27.04.2019.

[…] Amanda Machin und Nico Stehr haben sich erfolgreich zusammengetan, um in ihrem Diskursbuch »Gesellschaft und Klima« die aktuellen Entwicklungen, Umbrüche und Herausforderungen sichtbar zu machen. Das ist ihnen in klarer und verständlicher Weise in sechs ›doppelpaarigen Topoi‹ überaus gelungen: Das Klima in Gesellschaft und Natur, wissenschaflich und objekt/iv, als Zyklus und im Wandel, als Determinante und im Vergleich, öffentlich und wahrnehmbar, sowie politisch und entscheidungsorientiert).

Marga u. Walther Prankl, kultur-punkt.ch, März 2019.

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