PtX-Technologie erspart uns nicht das Stromsparen

Bedeutung von Power-to-X für den Klimaschutz in Deutschland

Power-to-X-Stoffe können im Flug- und Schiffsverkehr, in der Industrie und für die Versorgungssicherheit im Stromsektor ab dem Jahr 2030 einen Beitrag leisten, um die langfristigen Klimaschutzziele zu erreichen. Sie tragen jedoch nicht automatisch zum Klimaschutz bei, sondern nur dann, wenn sie aus zusätzlich erzeugtem erneuerbarem Strom hergestellt werden. Dazu hat das Öko-Institut e.V. in Freiburg am 07.11.2019 die Studie “Die Bedeutung strombasierterStoffefür den Klimaschutz in Deutschland” vorgestellt, in der es um die Zusammenfassung und Einordnung des Wissenstands zur Herstellung und Nutzung strombasierter Energieträger und Grundstoffe geht.

In einem fast treibhausgasneutralen Energiesystem im Jahr 2050 würden in Deutschland voraussichtlich mehrere Hundert Terawattstunden an Power-to-X-Stoffen benötigt. Da die Kosten für ihre Herstellung hoch seien, sollten vorrangig andere Maßnahmen zum Klimaschutz ergriffen werden, heißt es dort. Dazu gehörten Energieeffizienz, der direkte Einsatz von Strom und weitere Maßnahmen zur Verringerung der Energienachfrage. Power-to-X-Stoffe sollten nur in den Sektoren eingesetzt werden, die ihren Energiebedarf nicht oder nur schwer mit der direkten Nutzung von Strom decken könnten – etwa im Luft- und Seeverkehr oder Hochtemperaturanwendungen in Industrieprozessen.

Diese und weitere Fakten rund um Power-to-X-Stoffe (PtX) stellt das Öko-Institut in seinem neuen Hintergrundbericht zum Wissenstand rund um die Herstellung, Nutzung und Kosten strombasierter Energieträger vor. Es will damit nicht zuletzt einen Beitrag leisten, die Diskussion um Wasserstoff und strombasierte Energieträger für die Energiewende zu versachlichen.

„Um die Klimaschutzziele kostengünstig zu erreichen, sollten zuerst alle Maßnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs wie die Dämmung von Gebäuden oder die direkte Nutzung von Strom in Elektrofahrzeugen ergriffen werden, anstatt PtX-Stoffe zu nutzen“, betont Christoph Heinemann, Energieexperte am Öko-Institut. „Die PtX-Technologie erlöst uns nicht davon, Energie im Strom-, Verkehrs-, Gebäude- und Industriesektor einzusparen“.

Klimaschutzbeitrag nur mit erneuerbaren Energien

Die Wissenssammlung des Öko-Instituts zeigt: Erst wenn der Strom zu mindestens 75 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt, ist es aus Klimaschutzsicht vorteilhaft, Strom in PtX-Stoffe umzuwandeln und diese zu nutzen. Ansonsten sind die Treibhausgasemissionen von PtX-Stoffen höher als beim Einsatz der heutigen fossilen Rohstoffe, also Kohle, Erdgas oder Erdöl.

Die Menge der benötigten erneuerbaren Energien zur Herstellung von PtX-Stoffen muss unabhängig vom Standort der Produktion durch den Ausbau regenerativer Energien in Deutschland und im Ausland gedeckt werden. Auch sind ein erheblicher Ressourcenaufwand und ein hoher Bedarf an Flächen für die Erzeugung erneuerbarer Energien notwendig.

„Die Klimaschutzwirkung muss von Anfang an durch eine konsistente politische Steuerung sichergestellt werden“, fordert Peter Kasten, Verkehrsexperte am Öko-Institut. „Dafür sollte die Politik die Potenziale der Technologie realistisch einschätzen sowie technische Herausforderungen und Kosten transparent bewerten.“

Der Bericht entstand im Vorhaben „ENSURE – Neue EnergieNetzSturktURen für die Energiewende“ im Rahmen der Initiative „Kopernikus-Projekte für die Energiewende“, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird.

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