Klimaschutz in Zeiten von Corona

Studie der Uni Kassel: Klimapolitische Maßnahmen stoßen trotz Corona-Krise auf große Akzeptanz

Klimawandel und Klimaschutz haben in den vergangenen Jahren große mediale und öffentliche Aufmerksamkeit erfahren. Allerdings stellt sich angesichts der immensen gesellschaftlichen, gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise die Frage, ob diese Themen in der Bevölkerung noch immer relevant sind. Dieser Frage ist das Fachgebiet für Empirische Wirtschaftsforschung der Universität Kassel in einer aktuellen Befragung nachgegangen, indem es die Zustimmung zu klimapolitischen Maßnahmen sowie klimaschutzorientierten Konjunkturpaketen untersucht hat.

Verfasst wurde die Studie von Andreas Ziegler, Professor für Empirische Wirtschaftsforschung an der Universität Kassel, sowie Gunnar Gutsche, Elke Groh und Daniel Engler, Mitarbeiter am Fachgebiet. „Zusammengefasst lässt sich sagen, dass wir keinen generellen Rückgang der Akzeptanz von klimapolitischen Maßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie feststellen können“, schildert Ziegler. Zudem befürworten etwa 46% der Bevölkerung in Deutschland die Einbeziehung von Klima- und Umweltschutzmaßnahmen in Konjunkturpaketen zur Überwindung der Corona-Krise. Lediglich etwa 22% sprechen sich grundsätzlich dagegen aus.

Allerdings zeigt sich, dass wirtschaftliche Bedenken von besonderer Relevanz sind. So wirkt sich beispielsweise eine wahrgenommene Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftslage aufgrund der Corona-Krise deutlich negativ auf die Akzeptanz von klimaschutzorientierten Konjunkturprogrammen aus. Gemeinsam mit seinem Team schlägt Ziegler deshalb vor, noch intensiver über die vor allem langfristigen positiven ökonomischen Aspekte solcher Konjunkturpakete zu informieren.

Teilweise wurde diese Perspektive bereits von der Bundesregierung aufgegriffen: Mit Hinweis auf die langfristigen ökologischen, aber auch ökonomischen Auswirkungen wurde die vor allem von der Autoindustrie geforderte Abwrackprämie nicht in das kürzlich beschlossene Konjunkturpaket einbezogen.

Mehrheit für Einführung von Tempolimit

Zudem zeigen die Daten, dass insbesondere Menschen, die wegen der Corona-Krise persönliche finanzielle Einschnitte befürchten, deutlich stärker negativ gegenüber klimapolitischen Maßnahmen eingestellt sind, die direkt zu höheren Kosten im täglichen Leben führen. Gerade die CO2-Bepreisung und die Erhöhung von Steuern auf Fleisch und Milchprodukte stoßen bei diesem Teil der Stichprobe auf Ablehnung.

„Interessant finden wir dabei, dass für die negative Einstellung gar nicht unbedingt ein tatsächlicher Einkommensverlust vorhanden sein muss, schon allein die Befürchtung, dass sich die eigene ökonomische Situation verschlechtert, reicht für eine negative Grundeinstellung zu klimapolitischen Maßnahmen aus“, so Ziegler. Ebenfalls ein interessantes Ergebnis der Studie: Eine Mehrheit von rund 54% der mehr als 1.500 Befragten spricht sich für die Einführung eines Tempolimits auf Autobahnen aus.

Neben der Relevanz des ökonomischen Eigeninteresses spielen aber auch soziale Aspekte eine Rolle. So sind sozialpolitisch orientierte Personen deutlich häufiger mit klimapolitischen Maßnahmen einverstanden, die auch für sozial benachteiligte Gruppen finanziell vorteilhaft sind. Maßnahmen, die für diese Gruppen finanziell ungünstig sind, werden dagegen tendenziell abgelehnt. Laut Ziegler sollte „erfolgreiche Klimaschutzpolitik deshalb auch sozial orientiert sein und Ausgleichsmaßnahmen beinhalten, etwa für Steuererhöhungen“.

Hintergrund

Die repräsentative Befragung wurde im Rahmen des vom BMFB geförderten Projekts „NostaClimate“ durchgeführt. In diesem Projekt geht es eigentlich um den Einfluss nichtstaatlicher Akteure auf die Erreichung der Klimaziele, die im Pariser Abkommen festgelegt wurden. Aufgrund der Corona-Krise wurde aber diese klimapolitisch relevante Unterstudie auf den Weg gebracht.

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