Lesehinweis: Vorbild Marokko

DLF: Mit der Sonne in die Zukunft

„Weg von Kohle, Öl, Gas: In zehn Jahren soll schon mehr als die Hälfte des Stroms in Marokko aus Wind, Wasser und Sonne gewonnen werden – auch dank des größten Solarkraftwerks der Welt, das gerade in den Bergen der Provinz Midelt entsteht – sagte (und schrieb) Stefan Ehlert vom ARD-Studio Rabat am 22.09.2020 in der Reihe „Zeitfragen“ in Deutschlandfunk Kulltur und auf der Tagesschau-Internetseite.

PV-Modul - Foto © Gerhard Hofmann für Solarify

PV-Modul – Foto © Gerhard Hofmann für Solarify

Die Vision einer Energiewende leite Marokko seit einigen Jahren. König Mohammed VI. persönlich habe 2009 den Auftrag zur Dekarbonisierung des Energiesektors erteilt – schon als Prinz sei er 1992 beim Nachhaltigkeits-Weltgipfel UNCED in Rio dabei gewesen. Heute sei seine Umweltstiftung die größte des Landes. Unbestreitbar sei es auch das Verdienst des Königs, „dass Marokko heute als absoluter Pionier in Afrika gilt, wenn es um die Einführung grünen Stroms geht – aus Sonne, Wind und Wasser“.

2020 sollte die 40-Prozent-Marke geknackt werden, schon in zehn Jahren sollen mehr als 50 Prozent der Energie klimaneutral entstehen und vor allem ohne teure Importe. Derzeit sei Marokko noch auf Stromimporte aus Spanien angewiesen. Ehlert: „Aber jetzt gibt es ja Ouarzazate, das lange Zeit größte Solarkraftwerk der Welt im Süden des Landes.“ Es kann allein mehr als eine Million Menschen mit Strom versorgen, erklärt Mustapha Bakkoury, Chef der marokkanischen Agentur für nachhaltige Energie MASEN : „Wir tun alles dafür, dass dieses erste Projekt ein voller Erfolg wird. Es ist ein Projekt, das Qualität hat, was die Technologie betrifft, die Umsetzung, die Finanzierung. Es geht uns um Innovation und auch um einen vernünftigen Preis für diese neue Energie.“

Inzwischen sei längst ein noch viel größeres Solarkraftwerk in der Bauvorbereitung, Midelt im Mittleren Atlas. Es werde größer als 4.000 Fußballfelder und könne mit der Leistung eines mittelgroßen Kohlekraftwerks mithalten. Die Finanzierung stehe, vor allem mithilfe deutscher Entwicklungskredite.

Viele Menschen hoffen, dass diese Milliardeninvestition ihr Leben verbessern wird. Angeblich sei Marokko ja inzwischen zu nahezu 100 Prozent elektrifiziert, doch in den Bergen bei Midelt fänden sich durchaus noch Hütten ohne Strom, die wirtschaftliche Lage vieler Menschen dort sei prekär.

Darüber hat der Madrider ARD-Korrespondent Stefan Schaaf vor gut einem Jahr eine Weltspiegel-Reportage gemacht: Er begleitete mit seinem Team einen Solarteur, der über die Berge zieht und Module installiert – eine Dokumentation über „die erstaunliche Energiewende, die das Königreich Marokko schon seit Jahren vollzieht.  In wenigen Jahren soll Marokkos Stroms fast zur Hälfte aus erneuerbaren Energien erzeugt werden.”

Um Skeptiker zu überzeugen, habe sich die Regierung große Mühe gegeben, die Idee des Solarstroms in der Bevölkerung zu verankern. Ein Beispiel dafür seien die sogenannten Grünen Moscheen. Auf den Dächern Hunderter Gebetshäuser würden seit 2015 Solarpaneele installiert – um den Gläubigen das Prinzip der Solarenergie nahe zu bringen, aber auch, um Stromkosten zu sparen. Dort, wo es bisher gar keinen Stromanschluss gegeben habe, ob im Hohen oder Mittleren Atlas, dort beschwere sich ohnehin niemand darüber, dass es plötzlich Licht gebe im Gebetsraum oder warmes Wasser für die vorgeschriebenen Waschungen.

Ehlert: „Die Bundesregierung in Berlin hat vor Kurzem mit Marokko ein Pilotprojekt zur Herstellung von grünem Wasserstoff angestoßen. In Deutschlands Wasserstoffstrategie spielt Marokko eine wichtige Rolle. Denn in Nordafrika gibt es Sonne und Wind im Überfluss, genug, um klimaneutral Wasserstoff herzustellen. Auch für die deutsche Energiewende.“

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