VW und Daimler drohen Milliardenstrafen

CO2-Ziel verfehlt

Um den CO2-Ausstoß von Neuwagen zu reduzieren, hat die Europäische Union zum Jahresbeginn einen sogenannten Flottengrenzwert für Hersteller eingeführt. Dieser liegt bei 95 g CO2/km. Volkswagen und Daimler müssen mit einer Milliardenstrafe durch die Europäische Union rechnen, denn sie überschreiten die Klimagrenzen rund um den CO2-Ausstoß deutlich, stellt eine Untersuchung des europäischen Klimaverbandes Transport & Environment (T&E) fest.

Im Durchschnitt aller verkauften Autos einer Marke, also Verbrenner, Hybride und Elektro-Fahrzeuge, darf der Grenzwert nicht überschritten werden. Laut der T&E-Auswertung  reißt Volkswagen dieses Ziel ebenso wie Daimler. Jedes die Grenze überschreitende Gramm kostet 95 Euro pro verkauftem Fahrzeug (VW liegt fünf Gramm über dem Flottenwert). Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung droht den Wolfsburgern für 2020 eine Milliardenstrafe.

Das Frankfurter Blatt wörtlich: “Andere Autohersteller haben es geschafft, den CO2-Ausstoß von Neuwagen unter den Grenzwert zu senken. VW und Daimler hinken weiter deutlich hinterher. Ihnen drohen jetzt hohe Strafen.” VW will sich sich ein grünes Image geben und nannte es „prinzipiell umsetzbar“, als EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Verschärfung des CO2-Einsparziels der EU für das Jahr 2030 auf 55 Prozent vorschlug. Parallel will Daimler den Anteil an Elektroautos bis zum Jahr 2030 auf 50 Prozent steigern.

Nur Jaguar ist schmutziger

Ausgerechnet VW und Daimler aber schneiden laut T&E besonders schlecht ab. Nur  Jaguar-Land Rover hat mit einem Abstand 13 g CO2/km (10%) bisher die geringsten Verbesserungen erzielt und ist am weitesten von den Zielen entfernt. Für Daimler beträgt die Lücke 9 Gramm je Kilometer, für Volkswagen sind es 5 Gramm. Holen die Wolfsburger nicht auf, müsste der Konzern 2020 mehr als 1 Milliarde Euro zahlen, Daimler 500 Millionen. Dabei profitieren laut FAZ beide Konzerne noch davon, dass 2020 die 5 Prozent der Flotte mit dem höchsten CO2-Ausstoß nicht berücksichtigt werden. Für das Jahr 2021 gilt das nicht mehr.

Obwohl erst kürzlich – wie stets in solchen Situationen – Autovertreter noch davor warnten, dass die Ziele für 2020 unmöglich zu erreichen seien und wie immer mit Arbeitsplatzverlusten drohten, erscheint das Gesamtbild überraschend positiv. Tatsächlich sank der CO2-Ausstoß neuer Autos nach mehreren Jahren des Anstieg im ersten Halbjahr dieses Jahres auf durchschnittlich 111 Gramm, 2019 waren es noch 122,4.

Klimaschützer warnen vor Plug-in-Hybriden

„Autohersteller sind auf Kurs, ihre Ziele für 2020 zu erreichen und Geldstrafen zu vermeiden. Die Abgasnormen bringen mehr Elektroautos zu immer besseren Preisen für deutsche Autofahrer. Deutschland könnte Europas Vorreiter bei der E-Mobilität werden und dadurch Milliardeninvestitionen anziehen sowie auch neue Arbeitsplätze schaffen, wie das Werk Zwickau bereits zeigt,“ betont Stef Cornelis, Deutschland-Direktor von Transport & Environment im Bericht (s.u.). Doch die Klimaschützer warnen: Wenn die CO2-Vorgaben nicht weiter verschärft würden, werde der Stromer-Anteil innerhalb der nächsten vier Jahre nur noch auf 20 Prozent steigen. Problematisch sei auch, dass die Hälfte aller verkauften Elektrofahrzeuge „Fake“-Plug-in-Hybride seien, die selten aufgeladen würden. Die EU müsse 2035 als spätestes Jahr für den Verkauf von Verbrennungsmotoren und solcher Plug-in-Hybride festlegen.

Im Wortlaut: Medienmitteilung der T&E-Untersuchung “Mission (almost) accomplished”: “Elektrofahrzeuge werden dieses Jahr ihren Marktanteil verdreifachen, da die meisten Automobilhersteller auf dem besten Weg sind, ihre EU-Emissionsziele zu erreichen”

  • Die EU-Grenzwerte sorgen dafür, dass der Verkaufsanteil von Elektrofahrzeugen in diesem Jahr auf bis zu 10 % und 2021 bis auf 15 % steigt
  • Die laschen Ziele für 2025 und 2030 könnten jedoch zu einer jahrzehntelangen Stagnation bei EV-Verkäufen führen
  • BMW, PSA, Volvo sowie die FCA-Tesla-Flotte erfüllen die Flottengrenzwerte für 2020 bereits ab dem ersten Halbjahr

Elektrofahrzeuge werden dieses Jahr ihren Marktanteil in Europa verdreifachen, was auf die CO2-Ziele der EU für Pkw zurückzuführen ist, wie neue Analysen zeigen. Trotz der Pandemie sind die Verkaufszahlen bei Elektrofahrzeugen seit dem 1. Januar, als die Emissionsgrenzwerte in Kraft traten, sprunghaft angestiegen und werden dieses Jahr einen Anteil von 10 % und 2021 von 15 % erreichen. Der Umweltdachverband Transport & Environment (T&E) hat die Verkaufszahlen im ersten Halbjahr 2020 sowie die Strategien der Automobilhersteller zur Einhaltung der Vorgaben analysiert und erklärt, dies zeige, dass ehrgeizige CO2-Grenzwerte funktionieren; es bestehe jedoch die Gefahr, dass der EV-Dynamik nach 2021 aufgrund der laschen EU-Ziele für 2025 und 2030 die Luft ausgehe.

Auf der Grundlage ihrer Verkaufszahlen im ersten Halbjahr 2020 erfüllen die PSA-Gruppe, Volvo, FCA und die BMW-Gruppe bereits jetzt die EU-Ziele für durchschnittliche CO2-Emissionen von Neuwagen, wie die Analyse von T&E zeigt. Renault, Nissan, die Toyota-Mazda-Flotte und Ford müssen nur noch eine kleine Lücke von 2 Gramm CO2 pro km aufholen. Allein durch die Verkäufe des Zoe im Jahr 2020 spart Renault 15 Gramm CO2 pro km und stellt so die Einhaltung der Grenzwerte sicher.

Die Volkswagen-Gruppe (5 g), Hyundai-Kia (7 g – 3 g), Daimler (9 g) und Jaguar-Land Rover (13 g) müssen entweder durch ihre Compliance-Strategie, das heißt mehr Plug-in-Fahrzeuge verkaufen, durch die Zusammenlegung von Emissionen mit anderen Unternehmen (Pooling) oder durch eine Kombination von beidem einen Gang hoch schalten, wenn sie die Grenzwerte nicht verfehlen wollen. Es wird erwartet, dass Daimler einen Großteil des Abstands aufholen wird, indem das Unternehmen mehr Plug-in-Hybride der E-Klasse, C-Klasse, A-Klasse und GLC-Klasse verkauft, deren Absatz in diesem Jahr stark zugenommen haben.

Aber während der Marktanteil von Elektrofahrzeugen dieses Jahr von 3 % auf 10 % und nächstes Jahr auf 15 % steigen wird, ist in den folgenden vier Jahren wahrscheinlich nur noch ein weiterer Anstieg auf 20 % zu erwarten, wenn die derzeitige CO2-Regulierung nicht überarbeitet wird, wie die Analyse zeigt. Das Beispiel Norwegens führt vor Augen, wie schnell der EV-Markt wachsen kann: von einem Verkaufsanteil von 6 % 2013 auf fast 50 % fünf Jahre später 2018.

Besorgniserregend ist, dass der Verkaufsanteil lukrativer, aber klimaschädlicher SUVs im ersten Halbjahr 2020 auf 39 % angewachsen ist. Begünstigt wird dies durch ein Schlupfloch in der EU-Verordnung, wonach der Verkauf von schweren Fahrzeugen den Autoherstellern tatsächlich hilft, von lascheren CO2-Zielen zu profitieren. Außerdem handelt es sich bei der Hälfte aller heute verkauften Elektrofahrzeuge um „Fake“-Plug-in-Hybride, die selten aufgeladen werden und unter realen Fahrbedingungen 2 bis 4mal mehr CO2 ausstoßen als bei den Labortests1. Laut T&E muss die EU spätestens 2035 als Enddatum für den Verkauf von Verbrennungsmotoren festlegen, und zwar auch für die aktuelle PHEV-Technologie.

Stef Cornelis: „Wenn wir ehrgeizige aber klare Ziele setzen, schaffen die Autohersteller es diese zu erreichen. Die Anhebung der Abgasnormen im nächsten Jahr ist das Momentum für die Bundesregierung, die Anzahl von Elektroautos auf den Straßen signifikant zu erhöhen und somit die Klimaziele 2030 auch im Verkehrssektor zu erreichen. Synthetische Kraftstoffe, Gas und nicht nachhaltige Biokraftstoffe sind nur ein interessengetriebenes Ablenkungsmanöver bestimmter Industrien. Investitionssicherheit ist das, was der deutsche Automobilsektor jetzt braucht.”

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