VW führt bidirektionales Laden ein

Wolfsburg setzt voll auf Strom

Volkswagen poliert mächtig an seinem verbeulten Image – einer Medienmitteilung vom 15.12.2021 zufolge ist der (nach Umsatz) weltgrößte Autokonzern „der erste Volumenhersteller, der seinen Kunden ein komplettes und nahtloses Ökosystem für das Laden ihrer E-Modelle anbietet. Zug um Zug wird der Service mit dem Namen We Charge noch leistungsfähiger, komfortabler und nachhaltiger – mit neuen Ladelösungen für zu Hause und unterwegs, mit neuen Funktionen in den ID.-Modellen und bald auch mit der Technologie des bidirektionalen Ladens“. Dass Volkswagen dabei auf die Gleichstrom-Technologie setzt, „ist besonders interessant für die vielen Elektroautofahrer und -fahrerinnen, die nach einer ‚Early-Buyer‘-Studie bereits eine Photovoltaik-Anlage besitzen oder an einer solchen interessiert sind“, schreibt Michael Fuhs in pv magazine.

Aufpolieren: VW-Signet alt, leicht verbeult – Foto © Gerhard Hofmann für Solarify

Der flächendeckende Ladeinfrastruktur-Ausbau sei „entscheidend für einen beschleunigten Hochlauf der E-Offensive. Laden muss noch einfacher und alltagstauglicher werden“, erklärt Silke Bagschik, CMO ID.-Digital und Leiterin Vertrieb und Marketing der VW-Baureihe E-Mobility. „Mit der neuen Software in unseren ID.-Modellen und Lösungen wie Plug & Charge leisten wir hier als Hersteller einen entscheidenden Beitrag.“

„Über das Auto hinausdenken“

Der Volkswagen Konzern schaffe wichtige Voraussetzungen für die E-Offensive. E-Autos müssten für die Kunden kompromisslos „erstautofähig“ sein. Deshalb baue man ein „komplettes Ladeökosystem auf, mit Ladelösungen für zu Hause und einem rapiden Ausbau der Schnellladestruktur für unterwegs, kompetenter Beratung, umfassenden Ladetarifen und den richtigen Flottenlösungen für Geschäftskunden“, sagt Elke Temme, Leiterin des Geschäftsfelds Laden und Energie bei Volkswagen Group Components und CEO von Elli (elli.eco/de/volkswagen). „Darüber hinaus haben wir ein klares Zielbild. Wir wollen die Batterien unserer E-Autos als flexible, mobile Speicher im Energiemarkt nutzbar machen. Speicher sind zwingend erforderlich, um den Anteil der erneuerbaren Energien auszubauen. Zudem kann das Laden für Kunden so deutlich günstiger werden, da das Einspeisen des eigenen Stroms in das öffentliche Netz möglich wird.“

Laden zu Hause

In der heimischen Garage ließen sich mit dem ID. Charger, der Wallbox der Konzernmarke Elli, die elektrisch angetriebenen Modelle von Volkswagen schon heute komfortabel laden. Der Kunde könne dabei zwischen der Basisversion und zwei voll vernetzten Varianten wählen, zu steuern über die We Connect ID.-App auf seinem Smartphone. Zudem biete die Marke Volkswagen in Deutschland mit „Volkswagen Naturstrom“ den passenden Stromvertrag: Er garantiere zu 100 Prozent zertifizierten Ökostrom aus erneuerbaren Energien.

Laden unterwegs – künftig auch per Plug & Charge

We Charge Kunden hätten bereits heute mit der We Charge-Ladekarte Zugang zu einem der mit mehr als 270.000 Ladepunkten größten Ladenetzwerke in Europa.  Diese Zahl steige stetig. Bis 2025 werde der Volkswagen-Konzern in Europa zudem – gemeinsam mit starken Partnern – rund 18.000 Schnellladepunkte installieren. Hinzu kämen zirka 35.000 Ladepunkte, die mit den Handelspartnern entstünden – „viele davon öffentlich zugänglich“. Noch im Jahr 2022 erhalten die VW-ID.-Modelle eine neue Funktion, welche die heutige Authentifizierung per Ladekarte ersetzt und so das Laden an Schnellladesäulen noch einfacher macht.

Nächstes Level „HEMS“: intelligentes und bidirektionales Laden

Die VW-Mitteilung weiter: „Die Voraussetzung für intelligentes Laden zu Hause bildet ein Heim-Energie-Management-System (HEMS). Es kennt alle Anforderungen der Verbraucher, sodass es deren Stromversorgung intelligent staffeln und managen kann. Damit ist vor allem das Laden mit selbst erzeugtem Sonnenstrom für Besitzer einer Photovoltaik-Anlage noch einfacher. Darüber hinaus ist es mit cleveren Stromtarifen und Algorithmen schon heute möglich, das Auto genau dann zu laden, wenn viel erneuerbare Energie vorhanden ist. So müssen beispielsweise Windräder nicht abgestellt werden, weil keine Abnehmer vorhanden sind. Allein 2019 sind 6.500 Gigawattstunden erneuerbare Energie in Deutschland ungenutzt geblieben – damit hätten 2,7 Millionen E-Autos ein Jahr lang fahren können. Noch größer wird das Potenzial aber in Kombination mit bidirektionalem Laden – eine wegweisende Technologie, die bei Volkswagen vor der Markteinführung steht: Die E-Autos können Strom, den sie nicht benötigen, ins Hausnetz des Kunden einspeisen (Vehicle-to-Home) und zukünftig auch zur Stabilisierung des Stromnetzes bereitstellen. Alle ID. Modelle mit der 77-kWh-Batterie werden künftig für diese Technologie befähigt. Für bereits ausgelieferte Fahrzeuge wird sie sukzessive auch per Over-the-Air Update verfügbar sein. Der Stromtransfer und die Kommunikation erfolgen über eine spezielle DC-BiDi-Wallbox.“

Neue Software für die ID. Modelle

„In Kürze rollen alle ID. Modelle mit einem neuen Softwarestand vom Band, der beim Laden große Vorteile bringt. Bei der 77-kWh-Batterie wächst die maximale Leistung von 125 auf 135 kW (bzw. 150 kW beim ID.5 GTX), das spart bei einer Ladung von 5 auf 80 Prozent SOC (State of Charge = Ladestand) bis zu neun Minuten Ladezeit ein. Diese Verbesserungen werden bei bereits ausgelieferten Kundenfahrzeugen demnächst per Software-Update aktiviert. Um die Batterie maximal zu schonen, gibt es den neuen Battery Care Mode. Er beschränkt den Ladestand (SOC) nach oben auf 80 Prozent. Auch das Lademenü, das nun auf der ersten Ebene des großen Touch-Displays der ID. Modelle erscheint, wird informativer und aufgeräumter strukturiert. Die Online-Routenberechnung im Navigationssystem erstellt für lange Strecken eine clevere Multistopp-Routenplanung, mit der das Auto möglichst schnell ans Ziel kommt. Dabei bezieht sie Verkehrs- und Streckendaten ebenso wie den gewünschten SOC am Ziel ein. Die Bewertung der Ladestopps erfolgt dynamisch und richtet sich nach der Leistung der Säulen und ihrer Belegung. Im Ergebnis kann die Routenplanung zwei kurze Ladevorgänge mit hoher Leistung statt eines einzigen langen mit niedriger Leistung vorschlagen.“

Bis 2050 will Volkswagen bilanziell klimaneutral sein: Im Zentrum des Dekarbonisierungsprogramms „Way to ZERO“ steht der beschleunigte Hochlauf der E-Offensive mit der Markenstrategie ACCELERATE. Als Zwischenziel sollen die CO2-Emissionen pro Fahrzeug in Europa bis 2030 um 40 Prozent sinken (Basis: 2018). Auch die Herstellung einschließlich der Lieferketten sowie der Betrieb von E-Autos sollen bilanziell klimaneutral gemacht werden. Hinzu kommt das konsequente Recycling der Hochvoltbatterien alter E-Fahrzeuge.

Ziel ist die vollständige Elektrifizierung der Neuwagenflotte. Bis 2030 sollen mindestens 70 Prozent des Volkswagen Absatzes in Europa reine E-Autos sein, das entspricht deutlich über einer Million Fahrzeuge. In Nordamerika und China soll der E-Auto-Anteil mindestens 50 Prozent betragen. Dazu bringt Volkswagen mindestens ein neues E-Auto pro Jahr auf den Markt.

->Quellen: