Um 2,3 Grad erwärmt

Europa heizt sich immer schneller auf

Die Klimakrise schreitet wesentlich schneller voran, als ursprünglich angenommen. Das hat das vergangene Jahr in Europa erneut gezeigt. Denn Europa hat sich in den vergangenen 40 Jahren doppelt so schnell erwärmt wie der durchschnittliche Wert der Welt. Allerdings setzen die Fachleute ihr Hoffnung in den beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien. Das geht aus dem Jahresbericht des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hervor. Demnach lag die Durchschnittstemperatur im vergangenen Jahr 2,3 Grad über dem vorindustriellen Niveau (1850 bis 1900).

Stausee „Embalse de Boadella“, Nordspanien – zu zwei Dritteln ausgetrocknet – Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft, für Solarify

Mehr als 16.000 Menschen starben 2022 durch extreme Hitze, während sich die wirtschaftlichen Schäden durch Wetter- und Klimaextreme auf 1,8 Milliarden Euro beliefen. Die Experten warnen: Mit weiteren tödlichen Hitzewellen sei zu rechnen.

Kernaussagen des WMO/Copernicus-Berichts

  • Europa erwärmt sich von allen WMO-Regionen am schnellsten und hat sich seit den 1980er Jahren doppelt so stark erwärmt wie der globale Durchschnitt. Im Jahr 2022 war die jährliche Durchschnittstemperatur je nach verwendetem Datensatz zwischen dem zweit- und vierthöchsten Wert aller Zeiten, und der Sommer war der wärmste. In vielen Ländern West- und Südwesteuropas war 2022 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.
  • Die Niederschlagsmenge war 2022 in weiten Teilen der Region unterdurchschnittlich. Auf der Iberischen Halbinsel war es das vierte trockene Jahr in Folge und in den Bergregionen der Alpen und Pyrenäen das dritte trockene Jahr in Folge.
  • Der Mangel an Niederschlägen, insbesondere an Schnee im Winter, trug zusammen mit den hohen Sommertemperaturen zum größten Gletschereisverlust bei, der in den europäischen Alpen verzeichnet wurde.
  • Der grönländische Eisschild verlor 2022 weiter an Masse, und im September führten außergewöhnliche Wärmeperioden zu einer weit verbreiteten Oberflächenschmelze.
  • 2022 waren die Meeresoberflächentemperaturen im Nordatlantik in der WMO-Region Europa die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen, und große Teile der Meere in der Region waren von starken oder sogar schweren und extremen Hitzewellen betroffen. Die Erwärmung der Meeresoberfläche, insbesondere im östlichen Mittelmeer, in der Ostsee und im Schwarzen Meer sowie in der südlichen Arktis, war mehr als dreimal so hoch wie im globalen Durchschnitt.
  • Die schwerwiegenden Wetter- und Klimaereignisse führten 2022 zu mehr als 16.000 gemeldeten Todesfällen, die fast ausschließlich auf die außergewöhnlichen Hitzewellen in Europa während des Sommers zurückzuführen sind. Die schwerste Hitzewelle ereignete sich Mitte Juli mit rekordverdächtigen Temperaturen an vielen Orten. Im Vereinigten Königreich wurde zum ersten Mal eine Temperatur von 40 °C erreicht, und zwar am 19. Juli in Coningsby mit 40,3 °C.
  • Ein großer Teil der Region war auch von Trockenheit betroffen, insbesondere im Frühjahr und Sommer. Die Kombination aus Trockenheit und extremer Hitze führte zu zahlreichen Waldbränden und der zweitgrößten je verzeichneten Brandfläche in der Region. Große Waldbrände gab es in Frankreich, Spanien, Portugal, Slowenien und der Tschechischen Republik.
  • Stürme und Überschwemmungen führten zu Dutzenden von Todesopfern, wobei es in vielen Fällen zu lokalen Überschwemmungen aufgrund starker Regenfälle kam. Im August wurden Teile Süd- und Mitteleuropas von einem Derecho (einem lang anhaltenden Band aus Gewittern und zerstörerischen Winden) heimgesucht, und im Februar gab es in einer Woche drei aufeinander folgende Stürme in Nordwesteuropa.
  • Obwohl das Jahr von warmen Bedingungen geprägt war, wurden einige Gebiete von Kälteeinbrüchen und starken Schneefällen heimgesucht, darunter die Türkei, die Arabische Republik Syrien, Griechenland und Montenegro. Ein ausgedehnter Kälteeinbruch traf im Dezember auch weite Teile Nord- und Westeuropas. Reykjavik, Island, verzeichnete den kältesten Dezember seit 100 Jahren.
  • Der Anteil von Wind- und Sonnenenergie an der Stromerzeugung in der Europäischen Union lag 2022 bei 22,3 % und übertraf damit erstmals den Anteil von fossilem Gas (20 %). Mit diesen beiden erneuerbaren Energiequellen wurde mehr Strom erzeugt als mit jeder anderen. Die Überwachung und das Verständnis ihrer zeitlichen und räumlichen Variabilität wird aufgrund ihrer wachsenden Bedeutung für die europäische Energiewirtschaft immer wichtiger.
  • Klimainformationen sind ein wichtiges Element zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit und des Betriebs von Energiesystemen. Während 80 % der WMO-Mitglieder in Europa einige Klimainformationen für den Energiesektor bereitstellen, liefern weniger als 50 % monatliche bis saisonale Klimavorhersagen für den Energiesektor, was das ungenutzte Potenzial von NMHS bei der Unterstützung der Energiewende und einer größeren Klimaresilienz des Energiesektors deutlich macht.

Europa hat sich doppelt so schnell erwärmt wie die Welt im Durchschnitt

In West- und Südwesteuropa haben einige Länder dem Bericht zufolge das wärmste Jahr seit Beginn ihrer Aufzeichnungen erlebt. Die Rekordhitze sei eine der Hauptursachen dafür gewesen, dass mehr Menschen gestorben seien als im langjährigen Mittel. Mit solchen Ereignissen sei nach derzeitigem Verständnis des Klimasystems öfter zu rechnen, und sie könnten noch intensiver werden, sagte Copernicus-Direktor Carlo Buontempo.

Hitze, Dürre und Waldbrände machten vielen Menschen 2022 stark zu schaffen, heißt es in dem Bericht. Die Durchschnittstemperatur lag demnach 2,3 Grad über dem vorindustriellen Durchschnitt (1850 bis 1900). Der Kontinent habe sich seit den 1980er-Jahren etwa doppelt so stark erwärmt wie die Welt im globalen Durchschnitt. Im Pariser Klimaabkommen hatten sich die Staaten darauf geeinigt, die Erwärmung global möglichst auf 1,5 Grad über vorindustriellem Niveau zu begrenzen.

->Quellen: