Windkraft wird günstiger: Bei der Ausschreibung vom November 2025 sank der durchschnittliche Zuschlagswert auf 6,06 Cent pro Kilowattstunde – fast acht Prozent weniger als zuvor. Über 8 Gigawatt wurden eingereicht, ein Rekordwert. Der Grund: Mehr Wettbewerb als je zuvor.

Die November-Ausschreibung 2025 bricht Rekorde: Über 8 Gigawatt eingereicht, Zuschlagswerte sinken auf 6,06 Cent pro Kilowattstunde – fast acht Prozent weniger als zuvor. Foto von Moritz Lange
Die Bundesnetzagentur hat am 8. Januar 2026 die Ergebnisse der neusten Windkraft-Ausschreibung veröffentlicht. Das Ergebnis übertrifft alle bisherigen Runden: Es wurden mehr als doppelt so viele Anlagen eingereicht, wie Zuschläge vergeben wurden. Ein klares Signal, dass die Branche liefern kann. Die starke Nachfrage wirkt sich direkt auf die Preise aus. So sank der durchschnittliche Zuschlagswert spürbar – um fast acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mehr Wettbewerb bedeutet günstigere Konditionen für die Energiewende. Die Bundesnetzagentur zieht Konsequenzen: Für das Jahr 2026 senkt sie den zulässigen Höchstwert weiter ab. Damit reagiert die Behörde auf die gesunkenen Stromgestehungskosten bei Windkraft.
Regional dominieren zwei Bundesländer das Geschehen: Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sicherten sich zusammen fast zwei Drittel aller Zuschläge. Bemerkenswert ist dabei der Aufstieg von NRW, das traditionell nicht als Windenergie-Hochburg galt und nun an der Spitze liegt. Die Verteilung zeigt, dass Windkraftprojekte inzwischen auch in dicht besiedelten Regionen entstehen. Die hohe Beteiligung ist kein Zufall. Hinter dem Rekord stehen verbesserte Rahmenbedingungen: schnellere Genehmigungsverfahren, mehr verfügbare Flächen und eine größere Planungssicherheit. Nach Jahren der Stagnation scheinen Projektentwickler zunehmend Vertrauen in die Realisierbarkeit ihrer Vorhaben zu haben. So konnte die durchschnittliche Genehmigungsdauer für neue Anlagen zuletzt auf unter zehn Monate reduziert werden.
Alle vier Ausschreibungsrunden des Jahres 2025 wurden zum ersten Mal komplett überbucht – es gibt mehr Angebote als nötig. Die Branche hat ein robustes Angebot aufgebaut, das einen wichtigen Puffer bietet: Sollten einzelne Vorhaben an Finanzierung, Lieferketten oder Netzanschlüssen scheitern, stehen Alternativen bereit. Zwischen Zuschlag und Inbetriebnahme liegen allerdings oft mehrere Jahre. Die hohe Zahl genehmigter Projekte muss sich erst noch in tatsächlich installierter Leistung niederschlagen. Mit einer Gesamtkapazität von über 77 Gigawatt schloss Deutschland das Jahr 2025 ab – ein solides Wachstum, aber noch weit entfernt von den Ausbauzielen.
Die sinkenden Preise haben einen einfachen Grund: Windkraft wird technisch immer besser. Moderne Anlagen sind höher, haben größere Rotoren und produzieren mehr Strom pro Anlage. Vor zehn Jahren kostete Windstrom noch über 9 Cent pro Kilowattstunde – heute sind es nur noch 6 Cent. Selbst Kohle- und Gaskraftwerke können da kaum mithalten. Was in Nordrhein-Westfalen funktioniert, zeigt: Auch dicht besiedelte Regionen können Windkraft ausbauen, wenn die Planung stimmt. Die nächste Ausschreibungsrunde startet bereits im Februar 2026. Die Rahmenbedingungen stimmen: Deutschland baut mehr Windkraftanlagen, der Markt funktioniert, die Preise sinken. Der deutsche Energiemix wird nicht nur grüner, sondern auch günstiger.
Quelle:
- Bundesnetzagentur: Bekanntgabe der Zuschläge (Stand: 08. Januar 2026)
- BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. : Wind an Land: Sechste Überzeichnung der Ausschreibung in Folge