Kreislaufwirtschaft wird zur Sicherheitsfrage

„Kreislaufwirtschaft [ist] ein zentrales Element unserer Resilienz und Sicherheit“ sagt Bundesumweltminister Carsten Schneider. Auf der Circular Valley Convention in Düsseldorf wurde die Kreislaufwirtschaft erstmals offiziell als Sicherheitspolitik eingeordnet.

In den Hallen eines ehemaligen Edelstahlwerks treffen sich Akteure aus Dutzenden Branchen und Ländern bei der Circular Valley Convention. Foto: Circular Valley / Kinotipp Film (2025)

Die Convention im Areal Böhler in Düsseldorf versammelte rund 2.000 Vertreter aus Politik, Industrie und Wissenschaft. Die von der Messe Düsseldorf und der Circular Valley Foundation veranstaltete Convention markiert einen Kurswechsel in der deutschen Debatte: Kreislaufwirtschaft wird nicht mehr primär als Umweltthema verhandelt, sondern als Frage industrieller Sicherheit. Bundesumweltminister Carsten Schneider lieferte in seiner Rede dafür den politischen Rahmen. Der globale Materialverbrauch übersteigt heute 100 Milliarden Tonnen jährlich und wächst weiter, während der Zugang zu Rohstoffen umkämpfter wird. „Zirkuläres Wirtschaften macht uns unabhängiger von fossilen Rohstoffen”, sagte er. Konkret kündigte Schneider ein Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie an, das in Kürze vorgelegt werden soll. Ein wichtiger Schritt, um aus der Strategie und dem Gesetz praktische Maßnahmen zu machen.
BASF, Bayer, Evonik, Henkel und Vorwerk traten gemeinsam als Co-Gastgeber auf. „Collaboration is key. None of us can achieve this transformation independently“, sagte Timo Fleßner von Bayer. Was wie ein Kalenderspruch klingt, wird vor dem Hintergrund brüchiger Lieferketten und umkämpfter Rohstoffzugänge zum strukturellen Argument: Stoffkreisläufe lassen sich nicht innerhalb einzelner Unternehmen schließen. Sie benötigen Ketten – Abnehmer, Verarbeiter und Rückführer –, die aufeinander abgestimmt sind. Eine branchen und länderübergreifende Aufgabe.

Als Zukunftsmodell wurde die trilaterale Kooperation zwischen Nordrhein-Westfalen, Flandern und den Niederlanden präsentiert. Die Region als größter industrieller Ballungsraum Europas kann kooperativ Schwerpunkte für die Bereiche Chemie, Batterien und Baustoffe setzen. „Kreislaufwirtschaft macht nicht an Landesgrenzen halt“, sagte Carsten Gerhardt, der Gründer der Circular Valley Stiftung. Nordrhein-Westfalens stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur betonte die wirtschaftlichen Vorteile: Kreislaufwirtschaft treibe Innovation, nütze dem Klima und mache unabhängiger von teuren Importen. Die Argumentation verbindet ökologische mit ökonomischen Interessen – ein bewährtes Muster, um politische Mehrheiten zu organisieren.

Die EU hat mit ihrem Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft bereits ein regulatorisches Grundgerüst geschaffen. Darauf aufbauend arbeitet die Kommission an einem Circular Economy Act, der einen Binnenmarkt für Sekundärrohstoffe schaffen soll. Erwartet für die zweite Jahreshälfte 2026. Die EU-weite Kreislaufquote soll bis 2030 von zwölf auf 24 Prozent steigen. Eine angestrebte Verdopplung innerhalb von vier Jahren. Dass die Kreislaufwirtschaft strategisch sinnvoll ist, ist keine neue Erkenntnis. Die Argumente – weniger Importabhängigkeit, stabilere Lieferketten und eine robustere Versorgung – liegen seit Jahrzehnten auf dem Tisch. Was sich geändert hat: Die Realität hat die Theorie eingeholt. Gasmangel, umkämpfte Mineralien und fragile Lieferketten sind keine hypothetischen Szenarien mehr. Recycling, Kreislaufwirtschaft und grüne Transformation als Antwort lagen die ganze Zeit in der Schublade.

Quellen: