Röntgenstrahlung bestimmt in Sekundenbruchteilen, ob Lithium in einer Batterie steckt. Diese Unterscheidung entscheidet über die Qualität und Sicherheit des Recyclings. In Ginsheim-Gustavsburg bei Frankfurt ist das jetzt neuer Standard.

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein beglückwünscht das Saubermacher-Team. Laut Betreiber der ersten Anlagen in Europa, die Haushaltsbatterien per Röntgen mit über 99 Prozent Genauigkeit sortieren. Foto: Saubermacher/Nitzke
In Ginsheim-Gustavsburg bei Frankfurt wurde eine Anlage in Betrieb genommen, die bis zu 100 Tonnen an Haushaltsbatterien pro Tag verarbeiten kann. Der Kern der Anlage ist eine Sortierung mithilfe von Röntgenstrahlung, die innerhalb von Sekundenbruchteilen den chemischen Typ bestimmt. Das neue System nutzt die technischen Möglichkeiten, um zu entscheiden: Gewöhnliche Batterie oder eine der besonders interessanten Lithium-Ionen-Zellen? Eine Sortierweiche lenkt das entsprechende Stück in den richtigen Strom. Die Betreiber geben die Trefferquote mit über 99 Prozent an. Durch die Trennung lassen sich Nickel, Eisen, Zink und Aluminium mit einer Reinheit von bis zu 100 Prozent zurückgewinnen. Das gewonnene Nickel ist beispielsweise hochwertig genug für die anspruchsvollen Anwendungen in der Stahlproduktion.
Die Sortierung erhöht außerdem die Sicherheit. Falsch einsortierte Lithium-Zellen sind die häufigste Brandursache in Sortieranlagen. Der Sensor erkennt sie jedoch vorab. Die Anlage gilt nach deutschem Recht als Anlage der oberen Klasse für gefährliche Abfälle und wird rund um die Uhr überwacht. Sie ist mit eigener Branddetektion und Löschtechnik ausgestattet.
Hinter dem Projekt steht ein wirtschaftliches Kalkül, das die EU politisch absichert. Die ab 2026 geltende Batterienverordnung schreibt eine Recyclingeffizienz von 65 Prozent für Lithium-Ionen-Akkus und sogar 90 Prozent für Kobalt, Kupfer und Nickel vor. Der Critical Raw Materials Act verlangt, dass bis 2030 mindestens 15 Prozent der kritischen Rohstoffe aus Recycling stammen. Antje von Broock vom Bundesumweltministerium brachte den Hintergrund auf den Punkt: „Je mehr Rohstoffe aus Altgeräten zurückgewonnen werden, desto unabhängiger wird Europa von internationalen Lieferketten.” Bund und Land Hessen förderten die Anlage mit zusammen rund 1,85 Millionen Euro, die Gesamtinvestition liegt im zweistelligen Millionenbereich.
Der größte Hebel liegt jedoch in der Hand der deutschen Haushalte. Denn in Deutschland landet nur jede zweite der verkauften Haushaltsbatterien beim Recycler. Der größte Teil landet leider im Hausmüll. Eine Anlage, die täglich 100 Tonnen verarbeiten kann, ändert nichts daran, dass ihr die Hälfte der Rohstoffe gar nicht erst angeliefert wird.
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