Gibs-Abfall sortieren: Bayern fördert Kreislauf-Revolution im Bauschutt

Während Gipsabfälle aus dem Bausektor meist noch in der Deponie landen, entwickelt Bayern ein KI-System zur Echtzeit-Sortierung. Für das Projekt „GIPScycle” der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt gibt es eine Förderung in Höhe von 700.000 Euro.

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Beim Abriss fällt Gipsabfall an. Meist für die Deponie. Bayern entwickelt KI-Sortierung für Recycling. Foto:  Michael Hagn

Von der Deponie zurück in den Kreislauf: Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz fördert das Projekt „GIPScycle“ der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt mit über 700.000 Euro. Ziel ist ein KI-System für die automatische Sortierung von Gipsabfällen. In Deutschland fallen jährlich mehrere Millionen Tonnen Gipsabfälle aus Bau- und Abbruchprojekten an. Der Großteil landet auf Deponien, obwohl das Material recycelbar ist. Unterschiedliche Gipstypen, Verunreinigungen und die schiere Menge machen eine manuelle Trennung unwirtschaftlich.

Der Handlungsdruck verschärft sich: Rund die Hälfte des deutschen Gipsbedarfs wird durch REA-Gips aus der Kohleverstromung gedeckt. Der Kohleausstieg bis 2038 reißt deshalb eine Versorgungslücke. Die Industrie steht am Scheideweg zwischen verstärktem Naturgipsabbau und einer massiven Steigerung der Recyclingquoten. Hier setzt „GIPScycle“ an. Die Forscher kombinieren Sensortechnik mit maschinellem Lernen, um Gipsabfälle automatisch zu identifizieren und nach Verwertbarkeit zu klassifizieren. Das System arbeitet in Echtzeit während der Abfallstrom läuft – entscheidend für die Integration in bestehende Anlagen. Die KI unterscheidet verschiedene Gipsqualitäten und trennt kontaminiertes von recyclingfähigem Material.

Das Projekt fügt sich in die EU-Kreislaufwirtschaftsstrategie für den Bausektor ein. Die Europäische Kommission hat Bau- und Abbruchabfälle als Prioritätsbereich definiert, da dieser Sektor über ein Drittel des gesamten Abfallaufkommens in der EU verursacht. Deutschland hat sich mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz verpflichtet, die Recyclingquoten zu steigern und die Deponierung zu reduzieren. Für mineralische Baustoffe wie Gips fehlt bisher jedoch die technische Infrastruktur, um die gesetzlichen Ziele zu erreichen. Mit dem bayerischen Förderprogramm soll das KI-System bis 2027 zur Marktreife entwickelt werden. Die Forscher arbeiten bereits mit Recyclingunternehmen und Baustoffherstellern zusammen, um sicherzustellen, dass die Technologie praxistauglich ist. Erste Pilottests in industriellem Maßstab sind für 2026 geplant.

Gelingt die Skalierung, könnte das System nicht nur in Bayern zum Einsatz kommen. Der deutsche Markt für Gips-Recycling ist fragmentiert, die Technologiereife gering. Ein funktionierendes Echtzeit-Sortiersystem hätte Potenzial für den EU-weiten Einsatz. Die zentrale Frage ist nicht mehr, ob Gips-Recycling technisch möglich ist – sondern wie schnell die Branche die nötige Infrastruktur aufbaut, bevor der REA-Gips endgültig versiegt.

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