Im Oktober 2025 beschloss das Bundeskabinett ein Gesetz, das den Wasserstoffhochlauf beschleunigen soll. Sechs Wochen später kürzte dieselbe Koalition die Fördermittel um 72 Prozent. Jetzt zeigt eine Branchenstudie die Folgen.

Was der Bund mit dem Wasserstoffbeschleunigungsgesetz und Milliarden Steuergeldern aufgebaut hat, lässt er per Haushalt bröckeln. Die Rechnung für leere Rohre zahlen am Ende die Steuerzahler. Foto: Alexa
Der Wasserstoffhochlauf in Deutschland verliert an Dynamik. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Capgemini Invent, die am 12. Februar auf der Energiemesse E-world in Essen vorgestellt wurde. Der zentrale Befund: Projekte bleiben „an der Schwelle zur finalen Investitionsentscheidung” stecken.
Die Gründe dafür liegen nicht in der Technik. Laut Studie übersteigen die kumulierten Unsicherheiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette die Risikotragfähigkeit der Unternehmen. Produktion, Transport, Nachfrage. Überall gibt es Fragezeichen. Grüner Wasserstoff kostet aktuell zwei- bis viermal so viel wie Erdgas. Ohne staatliche Förderung rechnet sich der Umstieg noch nicht. Dabei ist die Infrastruktur bereits in der Entstehung. So startete Anfang 2026 die Kapazitätsreservierung im Wasserstoff-Kernnetz. Unternehmen können erstmals Leitungskapazitäten buchen. Seit Dezember 2025 sind 400 Kilometer Pipeline in Betrieb, insgesamt plant der Bund 9.040 Kilometer. Das Netz ist da. Buchungen setzen aber voraus, dass sich Investitionen lohnen.
Hier liegt der Widerspruch. Im Oktober 2025 beschloss das Bundeskabinett das Wasserstoffbeschleunigungsgesetz mit dem Ziel, Genehmigungen zu beschleunigen und Bürokratie abzubauen. Doch sechs Wochen später, am 28. November 2025, verabschiedete dieselbe Koalition aus CDU/CSU und SPD den Haushalt für das Jahr 2026 und kürzte die Wasserstoffförderung von 24,5 Milliarden auf unter 7 Milliarden Euro. Ein Einschnitt um 72 Prozent. Dieses Geld sollte die Preisdifferenz zwischen grünem Wasserstoff und fossilen Alternativen überbrücken. Instrumente wie H2Global oder Contracts for Difference waren genau dafür gedacht. Ohne diese Brücke fehlt die Nachfrage. Ohne Nachfrage gibt es keine Investitionen. Ohne Investitionen bleibt das Netz leer.
Bereits 2025 hatte der Bundesrechnungshof gewarnt, dass der Hochlauf trotz bisheriger Investitionen stocke. Noch schlimmer: Wenn die Infrastruktur gebaut, aber nicht genutzt wird, drohen ab 2030 Ausgleichszahlungen zwischen drei und 25 Milliarden Euro. Der Bund müsste für leere Rohre zahlen. Die Bundesregierung beschleunigt den Wasserstoffhochlauf per Gesetz. Und bremst ihn per Haushalt.
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