Der Iran-Krieg treibt die Ölpreise um 50 Prozent nach oben, LNG wird wieder knapp. Doch im Strommarkt wirken Erneuerbare als Puffer: Im ersten Quartal 2026 deckten sie 53 Prozent des Verbrauchs und hielten die Großhandelspreise stabil.

Erneuerbare Energien wirken als Puffer: Windkraft hält die Strompreise stabil trotz Iran-Krieg. Foto: Nicholas Doherty
Dass dieser Rekord ausgerechnet jetzt erreicht wird, ist kein Zufall. Seit Ende Februar tobt der Iran-Krieg, die Ölpreise sind um 50 Prozent gestiegen, die Preise für Flüssiggas sogar um 75 Prozent. Wer Strom aus Gas erzeugt, zahlt derzeit Krisenpreise. Wer Strom aus Wind erzeugt, zahlt hingegen keine Extrakosten. Der Wind schickt keine Rechnung. Und er kommt nicht per Tanker aus dem Persischen Golf.
Den größten Beitrag lieferten die deutschen Windparks. Auf See legten sie um 44 Prozent zu, an Land um 28 Prozent. Zusammen deckten sie fast ein Drittel des gesamten Stromverbrauchs – mehr als Kohle und Gas zusammen. Das erste Quartal 2025 war es ungewöhnlich windstill, jetzt normalisierten sich die Verhältnisse. Hinzu kam der Effekt neuer Offshore-Anlagen, die 2025 ans Netz gingen.
Die Photovoltaik blieb dagegen fünf Prozent unter dem Vorjahr. Die Monate Januar und Februar waren trüb, erst der März brachte Sonne. Wasserkraft fiel um ein Fünftel, da es schlicht zu wenig geregnet hatte. Die Erneuerbaren sind wetterabhängig, was sich in solchen Quartalen besonders deutlich zeigt. Aber sie sind nicht importabhängig. Und das macht einen entscheidenden Unterschied.
Deutschland bezieht 94 Prozent seines Erdgases und 99 Prozent seines Öls aus dem Ausland. Jede im Inland erzeugte Kilowattstunde ist eine weniger, die über Pipelines oder Schiffsrouten transportiert werden muss. Im ersten Quartal 2026 waren das 73 Milliarden Kilowattstunden aus Erneuerbaren. Das wäre genug, um den gesamten Strombedarf von Polen zu decken.Der Effekt zeigt sich schon jetzt im Preis. Die Netzentgelte sinken im Jahr 2026 um 57 Prozent. Für Neukunden liegt der Strompreis trotz Krise bei stabilen 27,6 Cent pro Kilowattstunde. Ohne den hohen Anteil erneuerbarer Energien sähe das anders aus. Und trotz dieses erfolgreichen Trends plant Wirtschaftsministerin Katherina Reiche Einschnitte bei der Förderung. Ihr Entwurf zur EEG-Novelle sieht vor: Die garantierte Einspeisevergütung für neue Solaranlagen mit einer Leistung unter 25 Kilowatt soll wegfallen. Wer künftig eine Anlage aufs Dach setzt, muss den Strom selbst vermarkten – ein Modell, das für Privathaushalte kaum praktikabel ist. Windkraftbetreiber sollen bei Netzengpässen auf eine Entschädigung verzichten, wenn ihre Anlagen abgeregelt werden. Insgesamt will Reiche die Förderkosten um 20 Prozent senken.
Am 18. April gehen in Berlin, Hamburg, Köln und München Menschen auf die Straße, um gegen die Kürzungspläne zu protestieren und auch die Branche reagiert alarmiert. Der Bundesverband Solarwirtschaft warnt, die Reform werde den Ausbau in weiten Teilen Deutschlands zum Erliegen bringen. 53 Prozent erneuerbare Energien in einem Quartal, in dem ein Krieg am Golf die Preise für fossile Energien explodieren lässt, sind kein Argument für einen geringeren Ausbau. Es ist eines für mehr.
Quellen:
- bdew: Erneuerbare decken 53 Prozent des Stromverbrauchs im 1. Quartal 2026
- Verivox: Strompreisentwicklung 2026
- bdew: Iran-Krieg: Versorgungssicherheit in Deutschland ist gewährleistet
- ZDF: EEG: Reiche will Einschnitte bei Förderung Erneuerbarer Energien
- Erneuerbare Energien verteidigen: Demos am 18. April