Was aus der gelben Tonne kommt, wird sortiert. Was beim Sortieren übrigbleibt, wird verbrannt. Drei Unternehmen in Ennshafen wollen das Ende dieser Kette verschieben.

Spatenstich: ARA, Bernegger und Der Grüne Punkt starten den Bau von Sort4cycle. Eine Anlage, die 41.000 Tonnen Kunststoff pro Jahr verarbeiten soll, der bisher verbrannt wurde. Foto: ARA
Das Problem, das die Anlage adressiert, ist altbekannt und hartnäckig. Wenn in Österreich oder Deutschland eine gelbe Tonne geleert wird, durchläuft der Inhalt zunächst eine Sortieranlage. Folien, Becher, Flaschen und Tuben werden mithilfe von Infrarotsensoren und Druckluftdüsen in verschiedene Fraktionen getrennt. Was sauber genug ist und sich mengenmäßig lohnt, wird mechanisch recycelt. Der Rest – Verpackungen, mehrlagige Folien, verschmutzte oder dunkle Kunststoffe sowie kleinteilige Reste – wandert bisher fast vollständig in die thermische Verwertung. Er wird verbrannt.
Sort4cycle versucht, mehr von dem Materialstrom aus der gelben Tonne zu recyceln. Die Investition liegt bei über 40 Millionen Euro. Der Prozess kombiniert zwei Stufen. Zunächst erfolgt eine KI-gestützte Nachsortierung, das sogenannte Advanced-Scale-Post-Sorting. Sie erkennt auch komplexe Verbunde und holt heraus, was sich noch mechanisch recyceln lässt. Die Sortierreste, die übrig bleiben, gehen in den UPCYCLE-Prozess, ein patentiertes Verfahren. Er bereitet die gemischten Reste so auf, dass sie als Rohstoff für das chemische Recycling taugen. Dabei werden Kunststoffe in ihre molekularen Bausteine zerlegt und neu aufgebaut. Das Ziel sind Polyolefin-Fraktionen, die hochwertig genug sind, um wieder mit Lebensmitteln in Kontakt zu kommen, also Joghurtbecher, Folien und Verpackungen, die bislang fast ausschließlich aus Neuware bestanden.
Damit verschiebt sich die Grenze. Material, das bisher nur einen einzigen Lebenszyklus hatte und am Ende als CO2 aus dem Schornstein kam, erhält einen zweiten Lebenszyklus. Die EU schreibt bis 2030 eine Recyclingquote von 55 Prozent für Kunststoffverpackungen vor. Diese eine Anlage läuft erst 2027 an; bis dahin wandern jährlich weiterhin Hunderttausende Tonnen vergleichbaren Materials in die Verbrennungsöfen. Laut Branchenschätzungen fehlen in der EU bis 2030 3,5 Millionen Tonnen hochwertiger Kunststoff-Rezyklate, um die gesetzlichen Quoten zu erfüllen. Eine Anlage mit einer Jahreskapazität von 41 000 Tonnen deckt davon rund ein Prozent ab – grob gerechnet bräuchte Europa 85 Standorte dieser Größenordnung, was eine Investitionssumme von über 40 Millionen Euro pro Standort erfordern würde. Doch die Realisierung der europäischen Quote wird eine Herausforderung.
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