Mercedes baut seit Anfang Juni den Axialflussmotor in Großserie: flach, kompakt, stark, aber angewiesen auf Magnete aus Seltenen Erden. Dass dieselbe Bauform auch ohne Neodym funktioniert, zeigt ein Münchner Startup.

Zerlegt zeigt der Axialflussmotor seine flache, scheibenförmige Bauform. Mercedes-Benz startet die Serienproduktion in Berlin. Foto: Mercedes-Benz Group AG
Ein Elektromotor mit 330 Kilowatt, der ohne Seltene Erden auskommt: Daran arbeitet das Münchner Start-up Emil Motors von Maximilian Güttinger und Johannes Unhold. Der Antrieb nutzt die derzeit sehr gefragte, flache, scheibenförmige Bauform des Axialflussmotors. Er liefert bei einem Drittel des Gewichts rund die dreifache Leistung eines herkömmlichen Motors. Mercedes hat genau diese Technik Anfang Juni in Berlin in Großserie gebracht – allerdings mit Permanentmagneten aus Neodym. Emil Motors zeigt, dass dieselbe Bauform auch ohne Seltene Erden funktioniert.
Der Trick steckt im Rotor. Anstelle fester Magnete nutzt der Motor das Prinzip der Asynchronmaschine: Der Wechselstrom im Stator erzeugt ein wanderndes Magnetfeld. Als Leiter genügt ein Käfig aus Aluminium. Während in einem klassischen Antrieb rund zwei Kilogramm Magnete verbaut sind, sind es hier etwa drei Kilogramm Aluminium, ein billiges und in Europa verfügbares Allerweltsmetall.
In den Magneten von E-Motoren stecken Seltene Erden, vor allem Neodym und Dysprosium. Rund 90 Prozent davon kommen aus China. Seit Peking im April 2025 Exportkontrollen verhängte, haben sich die Preise für Neodym-Magnete etwa verdoppelt.
Lange galten Asynchronmotoren als zu schwer und ineffizient für sportliche Elektroautos. Emil Motors widerspricht mit Zahlen: Der „Segmented Axial Flux Asynchronous Motor“ leistet 330 Kilowatt und 450 Newtonmeter bei einem Gewicht von 35 Kilogramm und einem Wirkungsgrad von über 97 Prozent, was mit Permanentmagnet-Motoren vergleichbar ist. Der Motor ist als direkter Ersatz für bestehende Antriebe konzipiert: gleiche Einbaumaße, andere Materialien.
Die Frage ist, ob die Autohersteller zugreifen werden. Mercedes produziert diesen Motortyp ab sofort in Serie. Emil Motors arbeitet derweil an einem Prototypen ohne chinesische Abhängigkeit. Ein Motor ohne Seltene Erden ist ein Motor, den Europa ohne Genehmigung aus Peking bauen kann. In einer Branche, die ihre Lieferketten gerade neu sortiert, könnte dies wichtiger sein als die eine oder zwei Sekunden, die der Motor für die Tempo-100-Beschleunigung braucht.
Quellen:
- Emil Motors: The Future of Electric Motors
- Mercedes-Benz Group: Großserienproduktion des elektrischen Axial-Fluss-Motors
- IEA: With new export controls on critical minerals, supply concentration risks become reality
- IEEE Spectrum: