In JP Morgans Investoren-Newsletter geht es um nichts anderes als Rendite. Kein Klimaziel, keine Förderdebatte. Es ist ein interessanter Einblick, gerade weil es hier nur ums Geld geht.

Drei Revolverhelden, drei Energieträger: Das Cover des diesjährigen JP-Morgan-Energiepapiers inszeniert die US-Energiedebatte als Duell zwischen Erneuerbaren, Gas und Atomkraft. Abbildung: J.P. Morgan Asset Management
„Eye on the Market“ ist der Titel des Investoren-Newsletters, in dem JP Morgan jährlich sein Energiepapier veröffentlicht. Die diesjährige Ausgabe mit dem Titel „Fighting Words” stammt von Michael Cembalest, dem Chef-Anlagestrategen der Vermögensverwaltung. Darin wird die Energiewende nicht als Klimaziel, sondern als Kapitalfrage behandelt: Jede Technologie wird anhand von Marge, Stromkosten, Aktienkurs und Wagniskapital gemessen.
Der erste Befund fällt eindeutig aus. Weltweit fließt doppelt so viel Kapital in erneuerbare Energien, Netze und Speicher wie in fossile Energien. Laut J.P. Morgan rund 2,2 zu 1,1 Billionen Dollar pro Jahr. Der Markt setzt auf die Wende. Weitgehend unabhängig davon, was die Politik gerade sagt, fördert oder streicht.
Nur verdiene dieses Kapital bislang wenig. Laut Cembalest laufe der Solarboom „dank unprofitabler chinesischer Solarfirmen“: Die meisten börsennotierten Modulhersteller machen Verluste und drücken mit ihren Überkapazitäten die Preise weltweit. Bei Elektroautos sei das Muster noch deutlicher. Von den großen Herstellern machen nur Tesla und vier chinesische Firmen Gewinn. BMW, Mercedes und VW fahren Margen von minus zehn bis minus fünfzehn Prozent ein. Rivian und Ford liegen noch tiefer im Minus. Ford schrieb 19,5 Milliarden und General Motors 7,6 Milliarden Dollar auf E-Auto-Projekte ab. Wer seit 2023 auf E-Auto-Hersteller statt auf klassische Autobauer gesetzt hat, hat laut Papier draufgezahlt.
Dass Investitionen sich nicht an der Realität orientieren, zeigt sich bei der Atomkraft. In Start-ups für kleine modulare Reaktoren flossen 2025 rund 1,3 Milliarden Dollar Wagniskapital und die Aktienkurse der Branche verdoppelten sich innerhalb eines Jahres. Dabei gibt es das Produkt noch gar nicht: Kein US-Anbieter hat bislang einen solchen Reaktor in Betrieb genommen und keiner konnte zeigen, dass er Strom zu wettbewerbsfähigen Kosten liefern kann. Das Papier merkt dazu trocken an, es fehle noch der „Machbarkeitsnachweis”. Der Markt kauft hier keine funktionierende Technologie, sondern setzt auf die Wette, dass sie eines Tages funktionieren könnte.
Legt J.P. Morgan also nahe, die Energiewende rechne sich nicht? Nein. Der Gewinn sitzt nur woanders als der Verlust. Wer Solarmodule baut, verliert im Preiskampf. Wer mit ihnen Strom erzeugt, produziert ihn jedoch so günstig wie aus keiner anderen neuen Quelle. Teuer bleibe vor allem eines: diesen Strom rund um die Uhr verfügbar zu machen. Laut dem Autor Cembalest verdoppeln sich die Kosten, sobald Solarstrom per Speicher auch nachts und im Winter fließen soll.
Das ist der eigentliche Befund des Papiers: Nicht die Erzeugung ist das Problem, sondern die Zuverlässigkeit. Für Investoren heißt das aber auch: Genau dort liegt der nächste Markt. Der Speicherbedarf wächst mit jedem neuen Solarpark. Die Technologie funktioniert (anders als bei den Reaktor-Ideen) schon heute. Und die fossile Konkurrenz steckt fest: Auf neue Gasturbinen wartet die Branche laut Papier drei bis sieben Jahre. Wer den Strom aus Erneuerbaren rund um die Uhr verfügbar macht, erschließt sich Gewinnchance und Marge. Klimaziel und Rendite fallen laut J. P. Morgan zusammen. Man muss nur wissen, wo.
Quellen:
- JPMorgan Asset & Wealth Management / Michael Cembalest (2026): „Eye on the Market – 16th Annual Energy Paper: Fighting Words“, 3. März 2026
- IEA (2025): „World Energy Investment 2025 – Executive Summary“