Eine Studie im Auftrag des Wirtschaftsministeriums zeigt: Erneuerbare könnten Kommunen-Einnahmen bis 2033 verdoppeln. Eine Pressemitteilung des Ministeriums dazu gab es nicht.

Szenario 2033: Wie viel Wertschöpfung Windenergie- und Photovoltaikanlagen den Standortregionen mindestens bringen. Grafik: IÖW
Wenn Deutschlands Kommunen ihre Ausbauziele für Wind- und Solarenergie erreichen, könnte sich der Teil der Wertschöpfung, der tatsächlich in den Regionen bleibt, bis 2033 mehr als verdoppeln – von 5,5 auf 12,4 Milliarden Euro pro Jahr. Das ist Geld, das nicht abwandert, sondern als Gewerbesteuer, Pacht und lokale Aufträge vor Ort ankommt.
Hinter diesen Milliarden stehen konkrete Arbeitsplätze – Monteure, Planerinnen und Wartungsfirmen –, die nicht in einer Konzernzentrale, sondern in der Gemeinde nebenan entstehen. Besonders für strukturschwache ländliche Räume ist das kein Nebeneffekt, sondern ein entscheidender Faktor: In Regionen mit geringer industrieller Präsenz kann ein Windpark zur Einkommensquelle des kommunalen Haushalts werden.
Rund 45 Prozent der Betreibergewinne fließen an externe Investoren ab – an Fonds und Konzerne ohne Bindung an die Region. Das Geld wird vor Ort erzeugt, aber andernorts verbucht. Genau hier setzen die Forscher an: Bürgerenergiegesellschaften, kommunale Beteiligungen und eine Förderung, die auf regionale Wertschöpfung abzielt, könnten mehr der Gewinne vor Ort halten. „Finanzielle Beteiligungsmodelle, Bürgerenergiegesellschaften und kommunale Investitionen könnten dafür sorgen, dass mehr Wertschöpfung vor Ort bleibt”, sagt Steven Salecki, Forscher am IÖW. Es sind politische Stellschrauben, keine Naturgesetze.
Bekannt wurde die Studie allerdings weniger wegen ihrer Zahlen als wegen des Umgangs mit ihr: So warf das Portal t-online dem Ministerium vor, die Untersuchung „verschwinden“ zu lassen: Sie war schon Ende Februar fertiggestellt, wurde aber erst Mitte April hochgeladen. Und trotz des bemerkenswerten Ergebnisses ohne Pressemitteilung und ohne ein Wort der Ministerin. Das IÖW selbst trat dem schärfsten Teil des Vorwurfs entgegen. Denn die Ergebnisse seien 2025 bereits zweimal auf Fachtagungen präsentiert worden. Doch was bleibt, ist das, was sich nicht wegrelativieren lässt: das Schweigen zur Energiewende. Eine Pressemitteilung des Bundesministeriums zur eigenen Studie gab es nicht, eine Einordnung durch das Haus ebenso wenig. Für Ministerin Katherina Reiche (CDU) steht der konsequente Ausbau der erneuerbaren Energien nicht an erster Stelle – eine Untersuchung, die genau diesem Ausbau Einnahmen, Jobs und Wachstum zuschreibt, scheint nicht interessant für die Bundesministerin zu sein.
Damit verschiebt sich die eigentliche Frage. Nicht die Frage, ob die Studie unterdrückt wurde – das war sie nach Lage der Dinge nicht. Sondern warum ein Haus, das Wertschöpfung im ländlichen Raum in Aussicht stellt, die entsprechenden Werkzeuge weder laut kommuniziert noch beherzt in die Hand nimmt. Die Zahlen liegen vor. Das legt den Eindruck nahe, es fehle der Wille.
Quellen:
- IÖW: Ausbau erneuerbarer Energien: Wertschöpfung in den Regionen könnte sich bis 2033 verdoppeln
- IÖW: Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien
- BMWE: Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien
- top agrar: „Verschwiegene Energiewende-Studie“: Forscher stellen einige Fakten klar
- t-online: Wirtschaftswachstum: „Reiche lässt Studie zu Wind und Solar verschwinden“