Wirtschafts- und Umwelteffekte dreier Szenarien untersucht
Springmann untersucht in seinem Aufsatz nun die Wirtschafts- und Umwelteffekte dreier Szenarien, die Emissionstransfers auf unterschiedliche Weise in die aktuelle Klimapolitik einbinden: Da ist zuerst der Ausgleich von Emissionstransfers durch strengere Emissionsreduktionsziele in Industrieländern. In einem zweiten Szenario erfolgt die Preisanpassung von Handelsgütern in Industrieländern durch CO2-Zölle auf Importgüter und die Befreiung von CO2-Preisen für Exportgüter. Das dritte basiert auf dem Ausgleich von Emissionstransfers durch die Finanzierung von umweltverträglichen Entwicklungen in Entwicklungsländern.
Der Autor analysiert die Szenarien, indem er ein globales Handelsmodell zugrunde legt, das die internationalen Wirtschaftsbeziehungen und die sich daraus ergebenden CO2-Emissionen abbildet. Dabei zeigt sich: Der Ausgleich von Emissionstransfers durch die Finanzierung umweltverträglicher Entwicklungen in den Entwicklungsländern ist die sowohl ökonomisch als auch ökologisch meistversprechende Option. Sie vermindert den globalen CO2-Ausstoß vergleichsweise am stärksten und ist bis zu einem Drittel kosteneffizienter als die anderen Varianten. Um zunächst die energieintensiven Emissionstransfers – sie machen etwa ca. 20 Prozent aller Emissionstransfers aus – auszugleichen, wären Investition von ungefähr drei Milliarden US-Dollar nötig – das sind weniger als 0,01 Prozent der Wirtschaftsleistung aller Industrienationen. Um alle Emissionstransfers in die Industrienationen auszugleichen, würden ungefähr 50 Milliarden US-Dollar oder 0,1 Prozent der Wirtschaftsleistung sämtlicher Industrienationen benötigt.
Andere Optionen entweder teurer oder ohne Einfluss
Springmann zufolge sind die anderen Optionen entweder erheblich teurer oder haben kaum Einfluss auf die globalen CO2-Emissionen. So könnten strengere Emissionsziele ohne Finanzierungsausgleich sowohl der Wirtschaft der Industrieländer als auch der Entwicklungsländer immens schaden. Grund dafür sei, dass strengere Emissionsziele Preiserhöhungen in den Industrienationen nach sich ziehen würde. Dies würde zu einem Anstieg der Exportpreise führen und den Konsum und die Nachfrage von Gütern aus Entwicklungsländern verringern. „Ein starrer Ausgleich von Emissionstransfers ohne flexible Ausgleichsmechanismen wäre wahrscheinlich eher schädlich als nützlich – und das sowohl national als auch global“, so Springmann. Eine Preisanpassung von Handelsgütern mittels CO2-Tarifen könne für die Industrienationen zwar von Interesse sein. Aber der wirtschaftliche Schaden für die Entwicklungsländer stünde in keinem Verhältnis zu der Emissions-Verringerung und zu den politischen Verwerfungen, die eine solche Politik nach sich ziehen könnte.
„Ambitioniertes und globales Klimaabkommen kann dauern“
Springmann gibt zu bedenken: „Ein ambitioniertes und globales Klimaabkommen wäre sicherlich die beste Lösung, um die derzeitigen Emissions-Schlupflöcher zu schließen. Aber bis man sich in den globalen Klimaverhandlungen dazu durchringt, kann es noch dauern. Die Verknüpfung von Klimafinanzierung in Entwicklungsländern mit Emissionstransfers und einer breiteren Emissionsverantwortung von Industrieländern bietet die Gelegenheit, die aktuellen Klimapolitiken zu stärken und zu echten und bezahlbaren Emissionsreduktionen beizutragen.“
->Quelle(n): Springmann, Marco: „Integrating Emissions Transfers into Policy-making“ in „Nature Climate Change” (http://dx.doi.org/10.1038/nclimate2102); nature.com; uni-oldenburg.de