Merkel-Rede zum 20-Jährigen der Helmholtz-Gemeinschaft

“Die Handlung, die Wirksamkeit allein bieten dem Menschen einen würdigen Zweck des  Lebens“

Solarify dokumentiert die Rede von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel im Rahmen der Festveranstaltung zum 20-jährigen Bestehen der Helmholtz-Gemeinschaft am 24. Juni 2015 in Berlin.

Sehr geehrter Herr Professor Mlynek, sehr geehrter Herr Professor Wiestler, sehr geehrte Frau Bundesministerin, liebe Frau Wanka, sehr geehrte frühere Bundesminister und Bundesministerinnen, lieber Jürgen Rüttgers, liebe Frau Bulmahn, liebe Annette Schavan, meine sehr verehrten Kollegen aus den Parlamenten, verehrte Gäste aus Bund und Ländern, meine Damen und Herren, und auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft sollen angesprochen sein,

von Ihrem Namensgeber Hermann von Helmholtz sind die Worte überliefert: „Wir lernen nicht nur, um  zu wissen. Die Handlung, die Wirksamkeit allein bieten dem Menschen einen würdigen Zweck des  Lebens.“ Hermann von Helmholtz ging es also um den Nutzen der Erkenntnis. Dabei hatte er, wie er es  formulierte, „die praktische Anwendung des Gewussten“ im Blick wie auch die – ich zitiere ihn  nochmals – „Vermehrung der Wissenschaften.“ Diese Vermehrung der Wissenschaften soll dem, so  Helmholtz wörtlich, „Fortschritt der Menschheit“ dienen.

Für den Fortschritt der Menschheit zu handeln – in diesem Sinne sehe ich es als Aufgabe der Politik  an, Antworten auf gesellschaftliche Fragen zu finden. Darunter sind oft große Herausforderungen.  Davon, wie wir sie lösen, hängt das Wohlergehen vieler, ja, Millionen von Menschen ab. Bei der  Suche nach dem richtigen Weg sind wir oft auf wissenschaftliche Unterstützung angewiesen. Dies gilt  umso mehr, je weitreichender und je komplexer die Herausforderungen sind, vor denen wir stehen. Wir  brauchen exakte Analysen, Erkenntnisfortschritte und erfolgreiche Innnovationen.

Daher fördert der Bund Bildung und Forschung so stark wie nie zuvor. Unsere Investitionen in diesen  Bereich sind trotz notwendiger Haushaltskonsolidierung seit 2005 um rund 60 Prozent gestiegen. Drei  Prozent des Bruttoinlandsprodukts sollen für Forschung und Entwicklung jährlich ausgegeben werden.  Wirtschaftswachstum ist also auch eine Herausforderung mit Blick auf den Forschungsetat. Und wenn  dann noch die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung umgestellt wird, wird es noch schwieriger. Also  sollten Sie als Wissenschaftler immer für Wirtschaftswachstum sein, das auch Ihrer Arbeit hilft.

Unser Engagement braucht Partner, die es verstehen, Herausforderungen wissenschaftlich  aufzugreifen. Die Helmholtz-Gemeinschaft erfüllt diese Aufgabe wie kaum eine andere Organisation.  Deshalb nimmt sie in unserem Wissenschaftssystem eine herausragende Stellung ein. Mit dieser  Feststellung will ich keineswegs andere abwerten, die ab und zu auch Jubiläen haben und dann  natürlich auch auf ihre Stellung im Wissenschaftssystem Wert legen. Wir haben jedenfalls eine gute  Balance.

Ich gratuliere der Helmholtz-Gemeinschaft zu ihrem 20-jährigen Bestehen und freue mich, dass ich  diese Glückwünsche persönlich überbringen kann. Herzlichen Dank für Ihre Arbeit, die uns allen viel  wert ist.

Viele Hoffnungen, die 1995 mit der Gründung der Helmholtz-Gemeinschaft verbunden waren, haben sich  – das darf man nach 20 Jahren sagen – erfüllt: die Hoffnung auf Dynamik und Effizienz, auf  Kooperation und internationale Attraktivität. Diese positive Entwicklung war anfangs alles andere  als garantiert, weil sie ja eher die schweren Tanker des Wissenschaftssystems in sich vereint. Die  Zeitschrift „Nature“ kommentierte damals den Schritt von der Arbeitsgemeinschaft der  Großforschungseinrichtungen zur Helmholtz-Gemeinschaft mit dem Satz: „A better image is certainly  needed.“ Es folgte ein Verweis auf teils zu starre Strukturen an deutschen Forschungszentren. Zudem  war die Deutsche Einheit gerade einmal fünf Jahre alt. Die Wissenschaftslandschaft musste nach und  nach weiter zusammenwachsen.

Mit dieser Ausgangssituation vor Augen wird es umso deutlicher, wie viel die Helmholtz-Gemeinschaft  in den zwei vergangenen Jahrzehnten geleistet hat. Ein zentraler Schritt war 2001 der Übergang zur  Programmorientierten Förderung. Dazu kamen die Empfehlungen des Wissenschaftsrates und ihre  Umsetzung. Damit hatte sich viel verändert.

Die Helmholtz-Gemeinschaft ist stetig gewachsen. 2009 wurde das Zentrum für Neurodegenerative  Erkrankungen gegründet. 2011 trat das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf als neues Mitglied in  die Gemeinschaft ein. 2012 folgte das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. So  vereint die Helmholtz-Gemeinschaft inzwischen 18 Forschungszentren unter ihrem Dach. In diesen  Zentren und den angeschlossenen Einrichtungen arbeiten 38.000 Beschäftigte, davon 21.000  Wissenschaftler und Doktoranden.

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